Die Ortschaft Taverne liegt am rechten Ufer des Vedeggio-Flusses, rund zehn Kilometer nördlich von Lugano. Zur rund 3000 Einwohner zählenden Gemeinde gehört auch der Weiler Torricella. Die Fussballer aus Taverne stehen in der Tabelle mit Rang drei ausgezeichnet da. Das Team ist damit einer der drei Aspiranten auf den zweiten Platz, der zu den Aufstiegsspielen in die Promotion League berechtigt.
Viele Ex-Schaffhausen-II-Akteure dabei
Auch wenn der Tessiner Verein erstmals auf der Aegeten gastiert: Im Team gibt es einige Akteure, die den Widnauer Sportplatz kennen. Letztes Jahr waren zehn aktuelle Spieler von Taverne sowie deren Trainer Dagoberto Carbone bei der zweiten Mannschaft des FC Schaffhausen unter Vertrag und waren Gegner des FC Widnau. Die Direktbegegnung Ende April gewannen die Munotstädter 3:0.
Der bekannteste Spieler im Kader ist Captain Jonathan Sabbatini. 2012 kam der inzwischen 38-Jährige vom italienischen Serie-D-Verein Chieti zum FC Lugano, wo er bis Sommer 2024 blieb, 379 Spiele bestritt und 44 Tore erzielte. Sabbatini war Stammspieler jener Elf, die 2021 gegen St.Gallen mit einem 4:1 den Schweizer Cup gewann. Nach einem Gastspiel bei Bellinzona spielt der uruguayisch-italienische Doppelbürger seit Juli 2025 bei Taverne. Dass er noch immer weiss, wo das Tor steht, beweisen die acht Saisontreffer des Mittelfeldspielers. Interner Topskorer ist aber Arthur Bandeira Diniz. Der 22-jährige Brasilianer hat 14 Tore und neun Vorlagen auf seinem Konto. Auffallend ist das junge Durchschnittsalter der Tessiner: Es liegt bei 21,7 Jahren. Zwölf Spieler haben die Party zum 20. Geburtstag noch vor sich.
2001 spielte die AC Taverne noch in der vierten Liga
2003 glückte dem Club der Aufstieg in die 3. Liga, 2005 jener in die regionale 2. Liga. Es folgten solide Saisons im Mittelfeld, ehe 2010 der Sprung in die Interregio gelang. Es war der Auftakt in eine turbulente Zeit. In fünf Spielzeiten ging es zweimal rauf und zweimal runter; die Interregio wurde nur eine Saison lang gehalten. Nach einem zweiten Platz in der regionalen 2. Liga 2012 feierten die Tessiner 2013 wieder den Interregio-Aufstieg, von wo aus sie in die 1. Liga durchmarschierten. Die Qualität reichte allerdings nicht: Die ACT kam nicht über den letzten Platz hinaus und stieg in die Interregio ab, wo sie sieben Saisons blieb.
Dass die siebte Saison nicht unbedingt eine verflixte sein muss, bewiesen die Tessiner mit dem Erstliga-Aufstieg 2022. Diese Saison wird Taverne seine beste Platzierung landen, seit es Erstligist ist. Die Tessiner sind bislang auch die einzige Mannschaft, die Leader YF Juventus eine Niederlage zufügte. Am 15. November gewann Taverne sein Heimspiel durch ein Diniz-Tor 1:0.
Das Hinrundenspiel verlor Widnau mit 1:3
Zwei Wochen vorher, am 1. November, gastierte der FC Widnau auf dem Campo Comunale und verlor 1:3. Nach einem Doppelschlag war die Partie schon früh vorentschieden. Beim ersten Gegentreffer in der zehnten Minute kombinierten sich die Schwarz-Gelben mit zehn Pässen durch Widnaus Mittelfeld, ehe Alessandro Bizzarri das 1:0 erzielte. Auch das 2:0 zwei Minuten später war schön herausgespielt: Diesmal ging das Spielgerät durch neun Stationen, ehe Armando Rexhepaj, der bei sechs Saisontoren hält, in der Mitte abschloss. Das Anschlusstor entstand aus einem Foulpenalty. Orhan Ademi wurde im Strafraum von Matthias Solerio umgerissen und bezwang den 18-jährigen Federico Cecchinato, der den Goalieposten mit dem Bulgaren Nikola Peev teilt, sicher. Nach dem 3:1 durch Issouf Diarra war das Spiel entschieden.
Co-Trainer Daniel Lüchinger sagt: «Die Tessiner waren auf dem heimischen Kunstrasen spielerisch enorm stark.» Nachdem die Rheintaler in Mendrisio in den letzten zehn Minuten drei Treffer kassiert hatten, hat Widnaus Defensive nun seit 182 Minuten kein Tor mehr bekommen. Nach dem 0:0 gegen Eschen/Mauren gewann Widnau am letzten Samstag in Tuggen 1:0. «Der Sieg war sehr wichtig für die Moral», sagt Trainer Andreas Lüchinger. Die Mannschaft habe sich endlich wieder belohnt. «Gegen Tuggen haben wir die ersten 15 Minuten verschlafen. Da hatten wir Glück, nicht in Rückstand zu geraten. Danach haben wir mit dem Ball sehr diszipliniert agiert», so der Trainer.
Das Führungstor, ein Eigentor eines Tuggeners, sei seinem Team entgegengekommen. Nach der Pause kamen die Schwyzer gut aus der Kabine, konnten aber nichts Zählbares konstruieren, weil Widnau sehr kompakt verteidigte. «Gegen Schluss verpassten wir drei, vier Konter zur Vorentscheidung. Unser Sieg war nicht unverdient», so Andreas Lüchinger. Sein Bruder, Co-Trainer Daniel Lüchinger, sagt: «Endlich hatten wir das Momentum auf unserer Seite. Wir zeigten ein Superspiel und waren im Defensivverbund sehr stabil.»
«Werden alles in die Waagschale werfen»
Am Sonntag fehlen die verletzten Ceyhun Tüccar, Simeon Weber, Rikard Oroshi und Luca Giorlando. Kevin Egbon, der eine lange Verletzungspause hatte, konnte wieder ins Training einsteigen. Nicht nur wegen der Tabellenposition schätzen die Widnauer Übungsleiter die AC Taverne stark ein: «Sie sind offensiv sehr stark und agieren immer mit fünf bis sechs Stürmern», sagt Andreas Lüchinger. «Vom Kaliber her ist Taverne ähnlich stark wie YF Juventus. Die Tessiner schätze ich spielerisch noch besser ein», ergänzt Daniel Lüchinger. «Und sie haben mit Sabbatini den ehemaligen Captain des FC Lugano in ihren Reihen.»
Andreas Lüchinger weiter: «Gegen Taverne müssen wir sehr diszipliniert agieren, vor allem defensiv. Wir wollen nachlegen und werden alles in die Waagschale werfen.» Stimme alles, könne Widnau auch mit diesem Gegner mithalten, sagt Daniel Lüchinger: «Wir müssen einen guten Tag haben und alle müssen auf ihrem höchsten Niveau performen. Danach schauen wir, was rauskommt.»
Ein spielstarkes Tessiner Team ist zu Gast auf der Aegeten