Siegen oder fliegen: Diese Devise gilt für den FC St. Gallen, wenn er am Donnerstagabend den Rasen des Sitterstadions betritt. Im Rückspiel gegen die Dänen aus Nordsjaelland zählt nach der 0:1-Niederlage im Hinspiel nur ein Sieg – und dieser muss mit zwei Toren Differenz ausfallen. Sonst kommt es zur Verlängerung, und wenn auch diese keinen definitiven Sieger hervorbringt, gibt es Penaltyschiessen.
An der Pressekonferenz vom Mittwoch sagte Trainer Enrico Maassen, sein Team werde «mit dem nötigen Risiko spielen». Es sei im Hinspiel sichtbar gewesen, wie die Dänen gern agieren: mit präzisem, schnellem Kurzpassspiel und blitzartigen Pässen in die Tiefe. Dort haben sie mit Prince Amoako, Ibrahim Adel und Lamine Sadio mehrere Akteure, die mit ihrer wirbligen, aber zielstrebigen Art den Unterschied ausmachen können.
Dem Gegner auch das eigene Spiel aufzwingen
«Wir können hinten drin bleiben, darauf warten, was sie machen und Zeit verlieren, oder wir gehen vorne drauf», so Maassen. Und: «Wir wollen in die Ligaphase, das ist das grosse Ziel. Wir werden nicht lange rumtaktieren, sondern so intensiv wie möglich versuchen, dem Gegner unser Spiel aufzuzwingen.» Es gelte, die Offensive zu suchen, denn der FCSG liegt nach Spiel eins dieses Playoffs mit 0:1 im Rückstand.
Im Hinspiel traf Nicklas Röjkjaer nach 13 Minuten, ein weiteres Tor fiel nicht. Chancen gab es auf beiden Seiten. Für die Dänen hatten Hjalte Rasmussen sowie Runar Norheim Hundertprozentige, doch Lawrence Ati Zigi parierte zweimal glänzend. Auch St. Gallen hatte seine Möglichkeiten, was den Trainer freut. Ein Tor gelang allerdings nicht. «Im Hinspiel hatten wir viele Ballgewinne, nun müssen wir etwas Zählbares damit machen», sagte Maassen. Wie schwierig dies ist, bewies nicht nur das Hinspiel: Der FC Nordsjaelland hat seit sieben Spielen kein Tor mehr kassiert. Am letzten Wochenende, an dem St. Gallen spielfrei war, gewann er beim Tabellenletzten Sönderjyske 3:0.
«Wir müssen auch im Kopf frisch sein»
Das spielfreie Wochenende habe gutgetan, sagte Jozo Stanic an der Medienkonferenz, «aber man kann nicht viel unternehmen, sondern muss gut regenerieren. Wir müssen auch im Kopf frisch sein, nicht nur körperlich.» Im Hinspiel hat er einen Gegner erlebt, den er als jung, dynamisch und mutig beschreibt. «Als Verteidiger muss man gegen sie 90 Minuten lang hoch fokussiert sein», so Stanic.
Optimistisch stimmt ihn die Tatsache, dass die Mannschaft, so der Abwehrpatron, einen extrem starken Charakter habe. «Es ist einfach ein reiferes St. Gallen, das jetzt auf dem Platz steht», sagte Stanic, der im Sommer in seine vierte Saison in der Ostschweiz gestartet ist. Stanic war auch im Kader, als sich der FCSG vor zwei Jahren in Trabzon letztmals für die Conference-League-Ligaphase qualifiziert hat.
Kein Penalty-Training und der Heimvorteil
Jenes Spiel entschied St. Gallen nach Penaltys für sich – mit dem legendären No-Look-Elfer von Stephan Ambrosius. Auch gegen Nordsjaelland könnten die Penaltys entscheiden. Geübt haben die St. Galler solche aber nicht: «Ich lasse das nie trainieren und beschäftige mich auch nicht mit den Schützen. Das mache ich erst, wenn es so weit ist, und wir wollen ja nicht, dass es so weit kommt», sagte der Trainer. Wer schiesst, bestimmt er mit seinem Team. So könnten sich alle auf das Wesentliche konzentrieren.
Eine Rolle könnte auch das Publikum spielen: Vor einer Woche waren es nur 3500 Fans, nun werden es über 12 000 sein. Der Vorverkauf läuft etwas schleppend; die Kulisse, gepaart mit dem Naturrasen im Gegensatz zum Kunstrasen im Stadion in Dänemark, soll sich für die Ostschweizer aber positiv auswirken. Jozo Stanic, der im Hinspiel mit elf gewonnenen Zweikämpfen diesbezüglich den Rekordwert aufgestellt hat, stellt den Dänen in Aussicht: «Es wird sehr, sehr eklig für sie.»
FCSG-Trainer vor dem Rückspiel: «Wir werden nicht lange rumtaktieren»