In der 1. Liga Classic, Gruppe 3, sind noch zwei Entscheidungen offen: Es ist noch nicht klar, wer YF Juventus in die Aufstiegsspiele zur Promotion League begleiten wird – in Frage kommen Taverne, Tuggen oder Wettswil-Bonstetten. Und zweitens, aus Rheintaler Sicht zweifellos die interessantere Frage: Wer begleitet die seit Samstag als Absteiger feststehende SV Schaffhausen in die interregionale 2. Liga?
Es kommen nur noch Höngg und Widnau in Frage. Die beiden Kellerkinder liefern sich ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Beide Teams haben gleich viele Siege (5), Unentschieden (6) und Niederlagen (17) auf ihrem Konto. Das Torverhältnis, das ebenfalls über Sein oder Nichtsein entscheiden kann, sieht momentan Höngg mit minus 31 Treffern um ein Häuchlein im Vorteil, Widnau steht bei minus 32.
Vermeidbare Niederlage gegen die St.Galler U21
Am letzten Sonntag setzte es für Widnau gegen die St.Galler U21 eine 2:3-Niederlage ab. Den Führungstreffer erzielte Daniel Lässer nach einer Flanke von Luca Beck. Der Vorsprung hielt nur zehn Minuten. Dem Ausgleich der Grün-Weissen ging ein ärgerlicher Ballverlust im Mittelfeld voraus, Dario Stöber reagierte am schnellsten, lief auf Widnau-Goalie Ilija Kovacic zu und reüssierte.
20 Minuten vor Schluss traf Stöber, der im Januar von Winterthurs U21 zur St.Galler U21 kam, erneut. Sechs Minuten später kam es noch dicker für die Widnauer: Der völlig freistehende Altin Berisha verwertete eine Flanke von Igor Jacovic per Kopf zum 3:1. Spannung kam nochmals auf, als Timon Cabezas nach Vorarbeit von Daniel De Almeida den Anschlusstreffer buchte. Doch zum Ausgleich reichte es nicht mehr.
«Wir haben wiederholt Punkte verschenkt», sagt Widnau-Trainer Andreas Lüchinger. «Gegen die St.Galler gingen wir verdient in Führung und haben uns danach mit den Eigenfehlern ins Hintertreffen gebracht.» Dann hat Widnau alles nach vorne geworfen. Andreas Lüchinger: «Es sollte nicht sein.» Sein Bruder, Co-Trainer Daniel Lüchinger, sagt: «Wir waren gut im Spiel und kassierten durch einen Fehler den Ausgleich. Eigentlich resultierten alle drei Gegentore, die wir in Gossau bekamen, aus Fehlern. Dies widerspiegelt leider die ganze Saison.»
Winterthur-Kader mit 89 U-Nati-Spielen
Der Gegner am Samstag, der aus der sechstgrössten Schweizer Stadt stammt, spielt eine solide Meisterschaft. Aktuell liegen die Eulachstädter mit 39 Punkten auf Rang acht und haben dabei einige starke Partien abgeliefert. So haben die Rot-Weissen beide Spiele gegen Tuggen (1:0 und 5:0) gewonnen und Taverne vier Punkte abgeknöpft. Mit Wettswil-Bonstetten wurde ein weiterer Aufstiegsaspirant mit 5:0 vom Platz gefegt.
Am letzten Sonntag spielte das Team von Cheftrainer Mario Cantaluppi, der etwa für GC, Luzern, Basel und Nürnberg aktiv war und 24 Länderspiele für die Schweiz bestritt, gegen Collina d’Oro 1:1. Interner Topskorer ist Dominic Edwards Philips mit neun Treffern. Mit seinen 22 Lenzen gehört er mit Carmine Chiapetta und Elijah Okafor, dem Bruder des Leeds- und Nati-Spielers Noah Okafor, zu den ältesten Winterthurern. Nebst Elijah ist noch ein Spieler mit dem bekannten Nachnamen im Kader: Tobias Okafor. Der siebenfache Schweizer U-Internationale ist der Cousin von Elijah und Noah. Die Winterthurer haben zusammen bereits 83 Länderspiele für verschiedene U-Natis gespielt. Chiapetta trug das rote Trikot mit dem Schweizerkreuz 24-mal. Dazu kommt Leandro Maksutaj, der sechsmal für Junioren-Natis des Kosovo auflief.
Einer aus dem Quartett der bisher eingesetzten Torhüter kennt die Aegeten – allerdings nur den Nebenplatz. Der 21-jährige Silvan Heierli gastierte mit Dardania SG an einem Abendspiel im Herbst 2024 (damals hatte der Hauptplatz noch kein Flutlicht) und nahm beim 1:0 die drei Punkte mit. Kurz zuvor war der ehemalige Junior des FC St.Gallen aus dem englischen Mossley Hill zurückgekehrt, wo er sich für ein knappes Jahr der Steven Gerrard Academy angeschlossen hatte. Ein anderer Winti-Akteur, der Franzose Niels Chirao, wurde zweimal in Folge mit dem FC Basel Schweizer U19-Meister.
«Winterthur spielt schnellen, schönen Fussball»
Winterthurs U21 schätzt Andreas Lüchinger stark ein: «Sie spielt einen schnellen, schönen Fussball.» Im letzten Heimspiel möchte sein Team nochmals alles geben: «Das Team muss noch mehr ans Limit gehen, dann haben wir auch Chancen. Für unsere Fans und Sponsoren gehen wir nochmals all-in».
Im Hinspiel am 15. November hatte Widnau grosse Mühe mit dem Kunstrasen, erinnert sich Daniel Lüchinger. Widnau geriet nach einer halben Stunde mit 0:2 in Rückstand, schaffte dann aber durch ein Eigentor das Anschlusstor. Nur zwei Minuten später stellte Winti die Zwei-Tore-Differenz wieder her, das 4:1 nach einer Stunde war die Entscheidung. Tief in der Nachspielzeit betrieb Stefano D’Amico noch Resultatkosmetik. «Am Samstag erwarte ich einen spielstarken Gegner, der befreit und ohne Druck aufspielen kann. Für sie geht es um nichts mehr.» Anders als bei Widnau. «Jetzt geht es bei uns um alles oder nichts. Schauen wir nach dem Spiel, was herausschaut», sagt Daniel Lüchinger.
Widnau muss gegen Winterthur auf einige Stammspieler verzichten. Diego Liechti und Raoul Marino sind gesperrt. Dazu sind Lirim Shala, Hakija Canoski und Rikard Oroshi fraglich. Im Aufbautraining sind Kevin Egbon und Ceyhun Tüccar. Verletzt fehlen wird auch Ueli Rhiner.
Schweizer Meister lädt zur Autogrammstunde
Nach dem Spiel ist Michael Heule, der mit dem Schweizer Meister FC Thun eine grandiose Saison hinter sich hat, von 18 bis 19 Uhr zu einer Autogrammstunde zu Gast. Und es gibt Live-Musik mit «Just Two».
Heimspiel-Dernière für den FC Widnau gegen Winterthur U21