Motorsport • vor 1 Stunde

Jährlich wird in Fribourg an ein grosses Schweizer Idol erinnert

Für die Zeitung verfolgt Elio Crestani aus Rebstein die Geschicke der Motorsportszene ganz genau. Er ist aber nicht nur in der Region zu Hause: Seit 20 Jahren nimmt er auch stets an den Gedenkfeiern für Motorsport-Idol Jo Siffert teil.

Von red/elc
aktualisiert vor 1 Stunde

Jedes Jahr treffen sich die eingefleischten Motorsport-Fans im Fribourger Restaurant St-Léonard, das direkt neben der Eishalle von Gottéron liegt. Danach begeben sie sich zu Fuss zum Friedhof. Der Marsch gleicht einer Prozession zu Ehren eines der grössten Motorsportler, die die Schweiz je erlebt hat: Jo Siffert. Auch in diesem Jahr war es nicht anders. Am Grabstein des ehemaligen Formel-1-Rennfahrers hielt Urban Stöckli, Garagist aus Ebnat-Kappel, vor knapp 50 Fans eine kurze Rede. Er sagte auch: «Wie meistens regnet es am 24. Oktober hier nicht.»

Siffert starb an einem Rennen in England

Es sind alte Wegbegleiter und Fans des Fribourger Rennfahrers, die sich auf dem Friedhof treffen und an ihn erinnern. Am 24. Oktober 1971, vor 55 Jahren, kam Jo Siffert in Brands Hatch im Alter von 35 Jahren ums Leben. Es war ein Formel-1-Rennen, das zu Ehren des damaligen Weltmeisters Jackie Stewart ausgetragen wurde und nicht für die Wertung der WM zählte. Der Schweizer startete von der Pole Position und fuhr auch die schnellste Runde.

Doch dann zerschellte sein Formel-1-BRM P160 im Abschnitt Hawthorn Bend, einem der schnellsten und berühmtesten Abschnitte des Circuits in der Grafschaft Kent. Jo Siffert starb in den Flammen – an dem Ort, wo er drei Jahre zuvor ein Schweizer Nationalheld geworden war. 1968 gewann er in Brands Hatch den Grossen Preis von Grossbritannien und wurde erster Schweizer Formel-1-GP-Sieger überhaupt. 1971 gewann dort der Tessiner Clay Regazzoni im Ferrari. Interessant: Jo Siffert hatte für die darauffolgende Saison bereits einen Formel-1-Vertrag bei Ferrari, Regazzoni wechselte zu BRM.

Grössen des Motorsports auf dem Friedhof

In Fribourg begrüsste Urban Stöckli viele Grössen der Schweizer Motorsportszene. Einer von ihnen ist «Bergkönig» Fredy Amweg, Streckenrekordhalter des Bergrennens St.Peterzell-Hemberg. Andere sind die früheren Chefmechaniker von Jo Siffert, Heini Mader und Edi Wyss. Auch die Buchautoren Laurent Mistbauer und Wolfgang Hugentobler kamen nach Fribourg – und Jo Sifferts Kinder Véronique und Philippe Siffert. «Kein anderer Schweizer Sportler, kein Musiker, kein Politiker und kein Bundesrat hat über 50 Jahre nach seinem Tod noch eine jährlich mit Publikum stattfindende Gedenkfeier», sagte Stöckli. Und dies, obwohl es weder eine offizielle Einladung noch einen Verein gebe. «Der 24. Oktober ist unser Jo-Siffert-Tag.»

Die jährliche Gedenkfeier für Jo Siffert zieht stets Fans und Wegbegleiter an.
Die jährliche Gedenkfeier für Jo Siffert zieht stets Fans und Wegbegleiter an.
Bild: Elio Crestani

Pünktlich um 14.18 Uhr, zu Sifferts Todeszeitpunkt, erfolgte eine gemeinsame Schweigeminute. Danach fuhr man gemeinsam zur Auberge di Lavapesson im Fribourger Vorort Granges-Paccot. Dort kamen mehrere Personen zu Wort, darunter auch Elio Crestani. Der Rheintaler erzählte etwa, dass Jo Siffert auch im Ausland immer noch Heldenstatus geniesst.

Niemand, den die Erinnerung nicht berührt

Die Karriere des Fribourgers war so richtig lanciert, als er 1959 mit 16 Jahren in der 350er-Klasse Schweizer Meister auf dem Motorrad wurde. Ab 1962 fuhr er 96 Formel-1-Rennen, 1968 folgte der erste Sieg von zwei GP-Siegen. Siffert ging aber nicht nur in dieser Serie an den Start. Zusammen mit Kurt Ahrens gewann er dann 1969 das Rennen zur Sportwagen-Weltmeisterschaft auf dem neu eröffneten Österreichring, wo er 1971 auch seinen zweiten Formel-1-GP-Sieg feierte.

Elio Crestani (Mitte) mit Philippe Siffert (links) und Daniel Müller.
Elio Crestani (Mitte) mit Philippe Siffert (links) und Daniel Müller.
Bild: pd

Nach seinem tragischen Tod nahmen über 50000 Menschen an der Beerdigung von Jo Siffert teil, das Schweizer Fernsehen übertrug diese live. Die Bedeutung, die der Fribourger Gentleman im Rennsport einnahm, ist auch 55 Jahre nach dessen Tod noch spürbar. In der Runde in Granges-Paccot gab es niemanden, den die Erinnerung an ihn nicht berührt hätte. Daniel Müller, Sohn des Schweizer Rennfahrers Herbert «Stumpen-Herbie» Müller, sagte: «Jo Siffert sprach mit jeder und jedem auf Augenhöhe. Dazu hatte er ein unglaublich herzgewinnendes Charisma. Mit seiner Art ist und bleibt er für uns ein Leben lang ein Vorbild.»