Das letzte Spiel ging für Widnau gründlich daneben: 0:6 hiess es in Baden zum Schluss. Bereits nach wenigen Sekunden hatten die Aargauer eine Topchance, die Raoul Marino im letzten Moment vereitelte. «Wir kamen sehr schwer ins Spiel und waren praktisch immer zu spät. Entsprechend früh gerieten wir in Rückstand», sagt Trainer Andreas Lüchinger. «Baden legte los wie die Feuerwehr», sagt Widnaus Co-Trainer und Sportchef Daniel Lüchinger. Die Rheintaler waren bemüht, an fehlendem Einsatz lag es wie üblich nicht.
«Nach etwa 25 Minuten fingen wir uns und waren bis zum 0:2 ebenbürtig. Danach war aber kollektives Lichterlöschen», sagt Andreas Lüchinger. Es kam knüppeldick. «Es ging nach der Pause Schlag auf Schlag. Innert wenigen Minuten kassierten wir mehrere Gegentore. Das darf nicht passieren», so Daniel Lüchinger. Der 29-jährige Stürmer Giovanni La Rocca, erst im September von YF Juventus zu Baden gewechselt, erzielte innert fünf Minuten einen lupenreinen Hattrick.
St.Gallen U21 spielt ausgezeichnete Saison
Die St.Galler U21 reist als Tabellenführer nach Widnau. Nach elf Spielen hat das Team bereits 25 Zähler. Letzte Saison, als die jungen Espen in den hinteren Regionen zu finden waren, waren es zum gleichen Zeitpunkt erst acht. Das Team der Trainer Gianluca Frontino und Leandro Cristian Pasina mischte diese Saison ab Spiel eins vorne mit: Es gab ein 3:2 in Locarno, ein 2:2 gegen Taverne und ein 2:1 im Derby in Gossau. Gegen Baden (0:3) und Kosova (1:5) gab es zwar keine Punkte, aber seither reihen die Grün-Weissen Sieg an Sieg. In sechs Begegnungen holten sie das Maximum von 18 Zählern. Vor zwei Runden lösten sie auch den bisherigen Spitzenreiter Tuggen ab.
Stammtorhüter ist mit dem 1,98 Meter grossen Bela Dumrath die Nummer drei der FCSG-Goalie-Hierarchie (hinter Lawrence Ati Zigi und Lukas Watkowiak). Mit Pascal Büttiker, Corsin Konietzke, Cyril May und Mostafa Heydari kamen diese Saison auch mehrere Spieler, die im Profikader stehen, zu U21-Minuten. Ein Senkrechtstarter ist der 19-jährige Heydari. Seine ersten Spiele im Juniorenfussball absolvierte er beim FC Montlingen. Dann führte der Weg über das Team Rheintal-Bodensee und den FC Wil zum FC St. Gallen, für den er in den letzten zwei Super-League-Spielen und im Cupspiel in Rapperswil in der Startelf stand. Der Verteidiger zeigte sein Können auch Mitte Mai am internationalen U19-Turnier in Altstätten, wo er einer der auffälligsten St.Galler war. Captain des Teams ist Altin Berisha, der seine Karriere beim FC Rheineck startete und ebenfalls via Rheintal-Bodensee zum FCSG kam.
24 Tore von 13 verschiedenen Spielern
Vom Team, das 2025 den Schweizer U19-Cup gewann, sind noch elf Spieler im Kader. Die bisher 24 Saisontore erzielten 13 verschiedene Spieler. Am treffsichersten ist der Seveler Fabio Rissi, der dreimal in der Schweizer U18- und zweimal in der U19-Auswahl stand, mit fünf Toren. Auch andere Akteure haben U-Nati-Erfahrung, etwa Pascal Büttiker oder der 18-jährige Teufener Leonit Ibraimov mit bereits 29 U-Länderspielen für die Schweiz. Verteidiger Yanik Kunz schaffte letzte Saison mit Kriens den Aufstieg in die Challenge League. Und Diego de Souza, Sohn des früheren FCSG- und Wil-Cracks Fabinho (aktueller Trainer von Dardania SG), ist auf der Aegeten kein Unbekannter.
Vor ziemlich genau einem Jahr holte Widnau im Heimspiel gegen St.Gallen U21 ein 0:0. Die Einheimischen spielten stark und hatten viele Chancen. Die beste besass Diego Liechti mit einem Kopfball an die Latte. Damals hatte St.Gallen U21 ein ganz anderes Gesicht. So haben Joel Ruiz, Diego Besio und Nevio Scherrer, der auf der Aegeten wegen seines Einsatzes mit der U17-Nati an der WM in Katar nicht dabei war, den Sprung zu den Profis geschafft. Sie kommen regelmässig in der Super League zum Einsatz. Die drei waren auch am 24. Mai am Schweizer Cupfinal dabei, als der FCSG mit dem 3:0 gegen Lausanne-Ouchy Clubgeschichte schrieb.
Das Rückrundenspiel in Gossau verlor Widnau 2:3. Auch dort hatte der FCW Chancen und ging durch Daniel Lässer nach einer Viertelstunde in Führung. Dario Stöber, der auch am Sonntag im Kader stehen dürfte, kehrte das Skore mit zwei Toren auf 2:1 und Berisha gelang in Minute 77 das 3:1. Timon Cabezas’ Treffer in Minute 81 brachte nochmals Hoffnung, doch St.Gallen holte die drei Punkte.
«Wieder zu unseren Tugenden finden»
«Die Reserven der Espen spielen attraktiven Offensivfussball und stehen sensationell an der Spitze unserer Gruppe», sagt Daniel Lüchinger. Und: «Wir können fussballerisch nicht mithalten und müssen über den Kampf ins Spiel kommen.» Widnau braucht in den letzten vier Spielen dringend Punkte, «sonst wird es für den ganzen Verein ein unangenehmer Winter».
Am Sonntag nicht dabei sind Lirim Shala, Finn Metzler und Tobia Walt, Mika Metzler ist fraglich. «St.Gallen schätze ich als sehr spielstark ein. Für uns ist es sicher ein Vorteil, dass wir auf Rasen spielen können», sagt Trainer Andreas Lüchinger. «Es braucht eine deutliche Verbesserung von allen. Wir müssen wieder zu unseren Tugenden finden, dann haben wir eine Chance.»
Leader zu Gast auf der Aegeten: Die St.Galler U21 kommt