Kriessern vor 5 Stunden

Naturgarten in der Schule: Wo früher Schafe weideten, wachsen jetzt Karotten

Seit vier Jahren säen, pflegen und ernten Schülerinnen und Schüler den 100 Quadratmeter grossen Naturgarten. Auch eine Wildblumenwiese und eine Ruderalfläche machen das Schulareal naturnah.

Von pd
aktualisiert vor 3 Stunden

Wo früher Schafe für kurze Zeit weideten, jäten Kinder Unkraut, pflegen Gemüsebeete und beobachten gespannt, wie aus kleinen Samen kräftige Pflanzen wachsen. Auf dem Schulareal in Kriessern ist in den vergangenen vier Jahren eine naturnahe Lernumgebung entstanden, die den Unterricht weit über das Klassenzimmer hinaus erweitert.

Den Anfang nahm das Projekt im Frühling 2023. Eine Wiese, auf der jeweils für einige Tage Schafe weideten, wurde zum Ausgangspunkt einer Idee: Hier sollte ein Lern- und Arbeitsort entstehen, an dem Kinder Natur unmittelbar erleben können. Nach verschiedenen Gesprächen erhielt die Schule die Möglichkeit, auf einer Fläche von etwas mehr als 100 Quadratmetern einen Schulgarten anzulegen. Wo zuvor Gras wuchs, gedeihen seit vier Jahren Gemüse, Kräuter und Blumen.

Damit der Boden möglichst schonend behandelt wird, entschied sich die Schulleitung für eine nachhaltige Methode: Die Wiese wurde mit Karton abgedeckt, der verrottet und mit dem Gras zu Humus wird. Anschliessend wurden 17 Kubikmeter Gartenerde auf der ganzen Fläche verteilt. In jedem Schuljahr übernehmen vier Klassen die Verantwortung für den Garten. Die Schülerinnen und Schüler säen, pflanzen, jäten, giessen und ernten gemeinsam. Ergänzt wird der Lernort durch ein Gartenhäuschen sowie einen massiven Steintisch mit Sitzgelegenheiten, der den Unterricht im Freien ermöglicht.

Verantwortung übernehmen

Der Schulgarten ist weit mehr als ein Ort, an dem Gemüse wächst. Die Kinder erleben, wie aus einem Samen eine Pflanze entsteht. Sie lernen, Verantwortung zu übernehmen, geduldig zu sein und im Team zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig erfahren sie, wie wertvoll gesunde Böden, Insekten und eine vielfältige Natur für unser Leben sind. Viele Inhalte aus dem Unterricht werden dadurch greifbar und bleiben nachhaltig in Erinnerung, schreibt die Primarschulgemeinde Ekmo (Eichenwies, Kriessern, Montlingen, Oberriet) in der Medienmitteilung.

«Am schönsten finde ich, dass wir selber pflanzen und später ernten dürfen», sagt eine Drittklässlerin. Ein Erstklässler ergänzt: «Ich hätte nie gedacht, dass Karotten zuerst so klein sind.» Und ein Fünftklässler meint stolz: «Wenn wir Gemüse nach Hause nehmen können, sehe ich, dass sich unsere Arbeit gelohnt hat.»

Einst eine Wiese, heute ein Lernort

Die naturnahe Gestaltung des Schulareals geht inzwischen über den Schulgarten hinaus. Eine ehemalige Mähwiese wurde in eine farbenfrohe Wildblumenwiese verwandelt. Eine zuvor kahle Rabatte entwickelte sich zu einer artenreichen Ruderalfläche (unversiegelte, nährstoffarme Rohbodenflächen) mit über 60 Pflanzenarten, verschiedenen Sträuchern und Schwemmholzhaufen. So entsteht in Kriessern Schritt für Schritt ein Schulgelände, das Lernen, Naturerlebnis und Artenförderung miteinander verbindet. Was mit einer einfachen Wiese begann, ist heute ein lebendiger Lernort – und ein sichtbares Zeichen dafür, wie Schule und Natur einander bereichern können.