Regionales Quartett vor 1 Stunde

Rebsteins grüner Gigant: Die Geschichte des Mammutbaums am Rosenberg

Das Baumquartett des Vereins St.Galler Rheintal zeigt besonders schöne Siedlungsbäume in den Rheintaler Gemeinden. In einer losen Reihe werden ausgewählte Bäume vorgestellt. Im vierten Teil geht es um den Mammutbaum am Rosenberg in Rebstein.

Von Thomas Oesch
aktualisiert vor 1 Stunde

Wer im ri.nova Impulszentrum in Rebstein zum Zahnarzt geht, hat bestimmt schon die alte Fabrikantenvilla im Park neben dem Geserhus betrachtet. Vielleicht ist auch der 35 Meter hohe Mammutbaum aufgefallen, der als Rebstein 1 im Rheintaler Baumquartett beschrieben wird. Es handelt sich dabei um den zweithöchsten Siedlungsbaum in der Region, direkt folgend auf die zwei Meter höhere Silberpappel im Altstätter Marolanipark.

Ursprünglich waren es zwei Bäume

Das Ehepaar Scherrer bewohnt seit dem Jahr 2000 das noble Haus am Rosenberg, erstellt direkt über dem ehemaligen Fabrikgebäude. Die Villa ist gemäss Ortsbildinventar Zeugin des Historismus zum Ende des 19. Jahrhunderts und umgeben von einem herrschaftlichen Garten mit wertvollstem Baumbestand. Sie wurde um 1900 für die Familie Rohner errichtet. Ursprünglich waren zwei Mammutbäume nebeneinander gepflanzt, ganz dem damaligen Vorbild der wohlhabenden Textilhändler und vermutlich inspiriert vom beauftragten Architekten Adolph Müller, der schon in St. Gallen zahlreiche Geschäftsbauten und Villen entwarf. Zu Beginn des 20.Jahrhunderts war das Rebsteiner Unternehmen Jacob-Rohner der grösste Arbeitgeber des Rheintals. Seine Stickereien gingen rund um die Welt.

Braune Nadelnester als Folge der Trockenheit?
Braune Nadelnester als Folge der Trockenheit?
Bild: pd

Als Berater für die Gestaltung und Pflege des verwilderten Gartens wirkte übrigens der kürzlich verstorbene Gartengestalter und Musiker Urs Stieger, der eng mit der kantonalen Denkmalpflege und mit Revierförster Josef Benz zusammenarbeitete.

Warum pflanzten die Herrschaften damals ausgerechnet einen Mammutbaum, dessen Samen übrigens um 1850 erstmals aus den USA nach Europa importiert wurden. In seiner Heimat, genauer im Sequoia National Park an der Westküste von Kaliforniern, steht der «General Sherman Tree», der mit 84 Metern Höhe und elf Metern Stammdurchmesser geschätzte 2400 Tonnen wiegt. Ein wahrer Gigant, der mit seinen 3000 Jahren die Menschen neben sich klein aussehen lässt. Der Mammutbaum, der auch Sequoia oder Wellingtonie genannt wird, symbolisiert Reichtum, Macht und Grösse. Anfangs des 20. Jahrhunderts, als diese Werte zum Selbstverständnis der St.Galler Stickereiunternehmer zählten, hat der Exot den Weg in die Ostschweiz gefunden. Verwandte Bäume stehen in St.Gallen, Rorschach und Rheineck oder auf dem Stoss.

Manche Mammutbäume sind krank

Wie geht es dem Mammutbaum am Rosenberg und anderswo? Manche dieser Bäume leiden an Blattfäule als Pilzkrankheit, die zu Verfärbungen und vorzeitigem Blattfall führt. Einer der beiden Mammutbäume am Rosenberg musste vor ein paar Jahren gefällt werden. Auch der verbleibende hat braune Nadelnester und ist merklich weniger dicht unter der Krone. Der vermehrte Verlust von Nadeln kann auch die Folge der vergangenen, eher trockenen Jahre sein.

Das Baumquartett «Siedlungsbäume St.Galler Rheintal» kann bei den Gemeinden von Rüthi bis St. Margrethen bezogen werden. Unter diesem Link gibt es eine Übersicht über die Standorte der ausgewählten Bäume: www.regionrheintal.ch/baumquartett

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