Die Bürgerlichen im Kantonsrat wollen sparen. Nach den Massnahmen des Sparpakets 26 sollen weitere 60 Millionen Franken eingespart werden. Das könnte auch den ÖV treffen. Kantonsrat Meinrad Gschwend von den Grünen beobachtet dies mit Sorge.
Neue Angebote wie jenes im Rahmen des Pilotprojekts Amigo von Postauto, das selbstfahrende Fahrzeuge als Ergänzung des ÖV im Rheintal testet, begrüsst Gschwend zwar ausdrücklich und bezeichnet es als Meilenstein für die Weiterentwicklung des ÖV-Angebots, trotzdem äusserte er an der Sitzung des Kantonsrats gewisse Vorbehalte. So sei «Amigo» zwar als Ergänzung vorgestellt worden, aber beim Druck, dem die Finanzierung des ÖV aktuell ausgesetzt sei, liege es auf der Hand, dass im Wort «ergänzen» auch das Wort «ersetzen» mitschwinge. Deshalb warf Gschwend die Frage auf, ob «Amigo» nur eine Ergänzung des bestehenden Angebots sei oder ob gerade im Hinblick auf die Linie der Appenzeller Bahnen (AB) zwischen Altstätten und Gais ein Ersatz geplant sei.
Regierung stellt leichten Rückgang fest
Regierungsrat Bruno Damann, der im Namen des Volkswirtschaftsdepartements sprach, hob die Möglichkeiten hervor, mit selbstfahrenden Fahrzeugen auch dünnbesiedelte Gebiete mit einem kostengünstigen Angebot zu bedienen. Ob und welche Linien dereinst von Angeboten erschlossen werden könnten, müsse sich im Rahmen des Pilotprojekts aber zuerst noch zeigen.
Was die Linie Altstätten-Gais angeht, sieht die Regierung jedoch kaum Zukunftsaussichten. Bis zum Betriebsende der heute im Einsatz stehenden Fahrzeuge im Jahr 2035 müsse der Kostendeckungsgrad erreicht werden. Hierfür seien zwar bereits verschiedene Massnahmen ergriffen worden, die Frequenzen seien aber nach wie vor tief und die touristische Bedeutung klein, sagte Regierungsrat Bruno Damann.
Dies liege unter anderem daran, dass die Linie nicht direkt an den Bahnhof Altstätten angeschlossen sei. «Wenn man die Nachfrageentwicklung anschaut, sieht man keine Steigerung, sondern im vergangenen Jahr sogar einen leichten Rückgang», sagte Damann. Eine Umstellung der Linie von der Bahn auf den Bus sei daher wahrscheinlich.
Zukunft anderer Linien der Appenzeller Bahnen gesichert
Mit Blick auf das Entlastungspaket würden nicht rentable Linien aktuell in besonderem Masse auf deren Berechtigung hin überprüft. Für die weiteren Linien der AB zwischen Rorschach und Heiden sowie zwischen Rheineck und Walzenhausen sei bereits neues Fahrmaterial bestellt worden. Ihr Fortbestand sei somit realistisch.
Zur Zukunft der Linie Altstätten-Gais äusserte sich Damann dagegen nicht weiter. Er liess damit durchblicken, dass der Regierungsrat eine Rettung der Zahnradbahn zwischen Altstätten und Gais als unrealistisch einschätzt.
Zahlen der Appenzeller Bahnen zeigen über die ersten vier Monate des Jahres aber eine deutliche Zunahme der Passagierzahlen auf der Linie Altstätten-Gais. Im ersten Jahresdrittel wurden 61 852 Personen befördert, was gegenüber dem Vorjahr einer Zunahme von rund 30 Prozent entspricht. Damit liegt man hochgerechnet sogar über dem Zwischenziel von 175 000 Fahrgästen im Jahr 2026.
Regierung stellt Zukunft der Bahn Altstätten–Gais infrage – obwohl die Nachfrage steigt