Für den Ligaerhalt kam der Befreiungsschlag zu spät, für die Moral hingegen genau richtig. Die Rheintaler reisten mit dem Ziel nach St.Gallen, sich nicht sang- und klanglos aus der 2. Liga zu verabschieden. Von Resignation war dann tatsächlich nichts zu sehen. Den ersten Fingerzeig gab Bruno Spälti. Mit einer kleinen Kombination gewann er einen Bauern und übernahm früh die Initiative. Auch Enrique Lorita fühlte sich mit Schwarz wohl und brachte den Gegner zunehmend in Bedrängnis. Während die übrigen Partien offen blieben, verschob sich das Kräfteverhältnis nach rund drei Stunden immer deutlicher zugunsten der Gäste.
Lorita erhöhte den Druck auf den gegnerischen König so lange, bis sein Gegenüber nur noch unter Turmverlust hätte weiterkämpfen können – Aufgabe und 1:0 für Rheintal. Fast gleichzeitig schlug Spälti zu: Eine präzise Abtauschfolge brachte ihm einen weiteren Bauern und wenig später den Sieg. 2:0; plötzlich war aus dem Aussenseiter die bestimmende Mannschaft geworden.
Eine besondere Rolle spielen seit Jahren die Grenzgänger Robert Sandholzer und Andreas Kezic. An den Spitzenbrettern bekommen sie es regelmässig mit den stärksten Spielern der Gegner zu tun und holen trotzdem immer wieder wichtige Punkte. Gerade in einer schwierigen Saison wie dieser sind solche verlässlichen Kräfte von grossem Wert.
In St. Gallen hielt Sandholzer am ersten Brett dem Druck stand und sicherte nach einer intensiv geführten Partie ein Remis. Mario Semadeni tat es ihm am sechsten Brett gleich. Beim Stand von 3:1 fehlte Rheintal nur noch ein halber Punkt zum ersten Saisonsieg. Diesen hätte Urs Benninger seinem Gegner sogar angeboten. In ausgeglichener Stellung offerierte er Remis, doch St.Gallen wollte mehr und lehnte nach Rücksprache mit dem Mannschaftsleiter ab. Zwei Züge später war die Sache entschieden: Eine taktische Drohung blieb unbemerkt, die Dame ging verloren, die Partie ebenfalls. 4:1 für Rheintal – der Überraschungssieg war perfekt.
Kezic führte am zweiten Brett einen langen, zähen Verteidigungskampf. Erst unmittelbar vor dem nicht mehr abwendbaren Matt gab er sich geschlagen. Mit einem 4:2-Erfolg im Gepäck trat Rheintal die Heimreise an. Der Abstieg in die 3. Liga bleibt damit Tatsache, doch die letzte Runde verändert den Blick auf die Saison. Die Rheintaler mussten in der höheren Liga viel Lehrgeld bezahlen, gaben sich aber auch nach sechs Niederlagen nicht auf. Dass ihnen beim Drittplatzierten der erste Sieg gelang, war mehr als nur Ergebniskosmetik. Rheintal verlässt die Liga erhobenen Hauptes und mit dem Beweis, dass die Mannschaft mehr kann als die Tabelle vermuten lässt.
Sieg in St. Gallen: Rheintal verabschiedet sich mit einem Ausrufezeichen von der 2. Liga