Schach 13.09.2026

Sieg in St. Gallen: Rheintal verabschiedet sich mit einem Ausrufezeichen von der 2. Liga

Nach sechs Niederlagen schien die Saison für die Rheintaler Schachspieler längst gelaufen. Doch ausgerechnet beim Tabellendritten St. Gallen II zeigte die Mannschaft zum Abschluss, was in ihr steckt: Mit einem überraschenden 4:2-Auswärtssieg setzte Rheintal einen bemerkenswerten Schlusspunkt unter ein schwieriges Jahr.

Von pd
aktualisiert am 13.09.2026

Für den Ligaerhalt kam dieser Befreiungsschlag zu spät. Für die Moral hingegen genau richtig. Die Rheintaler reisten mit dem klaren Ziel nach St. Gallen, sich nicht sang- und klanglos aus der 2. Liga zu verabschieden. Von Resignation war am Brett dann tatsächlich nichts zu sehen.

Den ersten Fingerzeig gab Bruno Spälti. Mit einer kleinen Kombination gewann er einen Bauern und übernahm früh die Initiative. Auch Enrique Lorita fühlte sich mit Schwarz sichtlich wohl und brachte seinen Gegner zunehmend in Bedrängnis. Während die übrigen Partien zunächst offen blieben, verschob sich das Kräfteverhältnis nach rund drei Stunden immer deutlicher zugunsten der Gäste.

Lorita erhöhte den Druck auf den gegnerischen König so lange, bis sein Gegenüber nur noch unter Turmverlust hätte weiterkämpfen können – Aufgabe und 1:0 für Rheintal. Fast gleichzeitig schlug Spälti zu: Eine präzise Abtauschfolge brachte ihm einen weiteren Bauern und wenig später den Sieg. 2:0 – plötzlich war aus dem Aussenseiter die bestimmende Mannschaft geworden.

Eine besondere Rolle spielen im Rheintaler Team seit Jahren auch die beiden Grenzgänger Robert Sandholzer und Andreas Kezic, die auf dem Foto abgebildet sind. An den beiden Spitzenbrettern bekommen sie es regelmässig mit den stärksten Spielern der gegnerischen Mannschaften zu tun – und sorgen trotzdem immer wieder für wichtige Punkte. Gerade in einer schwierigen Saison wie dieser sind solche verlässlichen Kräfte für eine Mannschaft von grossem Wert.

Auch in St. Gallen hielt Sandholzer am ersten Brett dem Druck stand und sicherte nach einer intensiv geführten Partie ein Remis. Mario Semadeni tat es ihm am sechsten Brett gleich. Beim Stand von 3:1 fehlte Rheintal damit nur noch ein halber Punkt zum ersten Mannschaftssieg der Saison.

Den hätte Urs Benninger seinem Gegner sogar angeboten. In ausgeglichener Stellung offerierte er Remis – doch St. Gallen wollte mehr und lehnte nach Rücksprache mit dem Mannschaftsleiter ab. Zwei Züge später war die Sache entschieden: Eine taktische Drohung blieb unbemerkt, die Dame ging verloren, die Partie ebenfalls. 4:1 für Rheintal – der Überraschungssieg war perfekt.

Andreas Kezic hatte am zweiten Brett derweil einen langen und zähen Verteidigungskampf zu führen. Erst unmittelbar vor dem nicht mehr abwendbaren Matt musste er sich geschlagen geben. Das änderte jedoch nur noch das Resultat: Mit einem 4:2-Erfolg im Gepäck trat Rheintal die Heimreise an.

Der Abstieg in die 3. Liga bleibt damit zwar Tatsache. Doch die letzte Runde verändert zumindest den Blick auf diese Saison. Die Rheintaler mussten in der höheren Spielklasse viel Lehrgeld bezahlen, gaben sich aber auch nach sechs Niederlagen nicht auf. Dass ihnen ausgerechnet beim Drittplatzierten der erste Sieg gelang, war deshalb mehr als nur Ergebniskosmetik.

Rheintal verlässt die 2. Liga erhobenen Hauptes – und mit dem Beweis, dass diese Mannschaft mehr kann, als die Tabelle vermuten lässt.