Balgach 14.04.2026

Silke Hagen zeigt in der Galerie Art dOséra Kunst zwischen Oberfläche und Abgrund

Die Galerie Art dOséra in Balgach präsentiert vom 24. April bis 17. Mai eine eindrucksvolle Auswahl an Bildern und Wandobjekten der Vorarlberger Künstlerin Silke Hagen.

Von Susi Miara
aktualisiert vor 9 Stunden

Die Ausstellung bietet einen vielseitigen Einblick in das Schaffen der in Lustenau lebenden Autodidaktin, deren Werke sich durch Experimentierfreude, Materialvielfalt und eine unverkennbare künstlerische Handschrift auszeichnen.

Farbe, Form und Struktur treten in den Vordergrund

Für Silke Hagen ist Kunst keine bewusste Entscheidung, sondern eine innere Notwendigkeit. Ihr Arbeitsprozess ist intensiv und beinahe rauschhaft – ein Zustand völliger Hingabe, in dem sie zugleich ganz bei sich und doch ausser sich ist.

Bis auf ihre Ausbildung in der Meisterklasse des österreichischen Künstlers Tone Fink in Salzburg hat sich Hagen ihre Fähigkeiten selbst erarbeitet. Gerade dieser autodidaktische Weg verleiht ihrem Werk eine unverfälschte Authentizität. Silke Hagens Arbeiten bewegen sich zwischen klassischer Malerei, Collagen, Materialbildern und dreidimensionalen Wandobjekten.

Besonders prägnant sind Werke aus Serien wie «newton», «newton air» und «flat jack», die das Wachstum von der Fläche in den Raum thematisieren. Farbe, Form und Struktur treten dabei in den Vordergrund und behaupten sich als eigenständige, körperhafte Elemente.

Durch vielschichtige Bildaufbauten, bewusste Verletzungen der Oberfläche und gezielte Verschleierung schafft Hagen eine Irritation des Sichtbaren. Die Werke entziehen sich eindeutiger Lesbarkeit und laden dazu ein, gewohnte Bedeutungen zu hinterfragen. Angetrieben wird ihr Schaffen von der Lust am Material und einem prozesshaften Arbeiten, das stets neue Tiefen erschliesst.

Erklärungen zu ihren Arbeiten vermeidet die Künstlerin bewusst. Stattdessen versteht sie ihre Werke ähnlich wie die Filme von David Lynch: offen, vieldeutig und manchmal verstörend. Der Betrachter wird nicht geführt, sondern herausgefordert – Irritation, Ratlosigkeit und Provokation sind Teil der Erfahrung. Wie ein roter Faden zieht sich dabei das subtile Andeuten von Abgründen durch ihr Werk.

Hagen folgt damit einer künstlerischen Haltung, die bereits der Maler Georges Braque formulierte: «In der Kunst zählt nur eines: Das, was man nicht erklären kann.» Vollständiges Begreifen bleibt Illusion, und genau darin liegt die Kraft dieser Ausstellung.

Die Vernissage in der Galerie Art dOséra an der Hauptstrasse 71 in Balgach findet am Freitag, 24. April, um 19 Uhr statt. Öffnungszeiten jeweils am Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr.