Am Dienstag schliesst das Spital Altstätten seine stationäre Abteilung für immer, das Angebot wird nach Grabs verlegt. Ursprünglich hatte das Spitalunternehmen HOCH Health Ostschweiz die Schliessung des Rheintaler Spitals erst für Ende 2027 angekündigt. Dass dies nun eineinhalb Jahre früher passiert, begründete HOCH im vergangenen Oktober mit der «zunehmend herausfordernden personellen und infrastrukturellen Situation» am Standort Altstätten und mit «veränderten Patientenströmen und weiter rückläufigen Fallzahlen».
HOCH Health Ostschweiz wird ab Juli am bisherigen Standort ein Ambulatorium betreiben. Geplant sind chirurgische, orthopädische und internistische Sprechstunden sowie Therapie- und Beratungsleistungen.
Mattle wendet sich an die Regierung
Mit dem Ende des stationären Angebots in Altstätten wurde unter anderem auch der Umzug der Akutgeriatrie ins Spital Grabs beschlossen. Dort entsteht eine akutgeriatrische Erweiterung, mit deren Fertigstellung aber erst 2028 zu rechnen ist. Wie gut sind ältere Menschen aus unserer Region in dieser Übergangsphase betreut, wenn sie hospitalisiert werden müssen?
Diese Frage stellt der Altstätter Stadtpräsident Ruedi Mattle in seiner Funktion als GLP-Kantonsrat der St.Galler Regierung. In seiner Einfachen Anfrage will er wissen, welche Annahmen der zeitlichen Planung der Schliessung des Spitals Altstätten und der Verlagerung der akutgeriatrischen Leistungen nach Grabs zugrunde lagen. Damit in Zusammenhang steht die Frage, ob die Schliessung des stationären Betriebs in Altstätten ursprünglich an bestimmte «bauliche, personelle oder organisatorische Voraussetzungen am Standort Grabs» geknüpft war.
Reichen die Kapazitäten in Grabs?
Mattle sorgt sich um die Kapazitäten, die heute, zu Beginn der Übergangsphase, in Grabs bestehen. Er will darum von der Regierung im Detail wissen, wie viele Betten oder medizinische Mitarbeitende zur Verfügung stehen – und wie dieses Angebot zum bisherigen Leistungsvolumen in Altstätten im Verhältnis steht.
Der Stadtpräsident möchte sich einen Überblick darüber verschaffen, was mit den Patientinnen und Patienten aus dem Einzugsgebiet des Altstätter Spitals seit der Ankündigung der Schliessung vor rund einem halben Jahr passiert ist. Konnten sie nur verzögert aufgenommen werden oder mussten sie aufgrund fehlender Kapazitäten gar wieder entlassen werden?
Akutgeriatrie – was heisst das?
Die Akutgeriatrie ist ein medizinisches Angebot für ältere Menschen, die wegen einer akuten Erkrankung oder nach einem Unfall ins Spital müssen. Dabei geht es nicht nur um die einzelne Krankheit. Berücksichtigt werden auch typische Begleitfaktoren des Alters: mehrere Erkrankungen gleichzeitig, eingeschränkte Beweglichkeit, Gedächtnisprobleme, Sturzrisiko oder die Einnahme vieler Medikamente.
Ziel ist es, die Patientinnen und Patienten medizinisch zu stabilisieren und ihre Selbstständigkeit möglichst zu erhalten oder wiederherzustellen. Deshalb arbeiten verschiedene Fachpersonen eng zusammen, etwa aus Medizin, Pflege, Physio- und Ergotherapie, Ernährungsberatung, Logopädie und Sozialdienst.
Die Behandlung beginnt oft schon kurz nach dem Eintritt mit Abklärungen und gezielten Übungen. So sollen Komplikationen vermieden und die Rückkehr nach Hause oder in eine passende Betreuung erleichtert werden.
Mehrere von Mattles Fragen beschäftigen sich mit der Rolle des Kantons. Wer wurde wann über die Schliessung informiert, welche Zahlen erhält die Regierung vom Spitalunternehmen HOCH? Darüber hinaus geht es um Steuerungs- und Kontrollmöglichkeiten seitens des Kantons in Bezug auf HOCH Health Ostschweiz. Im Zentrum steht die Sorge um die älteren Erkrankten unserer Region. Sie sollen auch nach der Schliessung Altstättens rasch an den «medizinisch richtigen Ort» gelangen. Dazu will Mattle unter anderem wissen, ob die Regierung alle Daten systematisch erhebt, die zu einer korrekten Überprüfung der aktuellen Situation nötig sind.
Am Ende steht die Frage, was passieren soll, falls die in nächster Zeit erhobenen Zahlen auf Engpässe in Grabs oder an anderen Standorten hinweisen.
Kanton steht in der Verantwortung
Ruedi Mattle macht in seinem Vorstoss klar, dass er nicht erwartet, dass die Regierung «jede operative Einzelentscheidung eines Spitalunternehmens» steuert. Jedoch bleibe die Verantwortung des Kantons für eine «ausreichende, zweckmässige und regional verlässliche Gesundheitsversorgung» bestehen. Gerade bei einer vorgezogenen Schliessung müsse nachvollziehbar sein, ob die Versorgung in der Übergangsphase gesichert sei. Ebenso müsse feststehen, was geschehe, wenn dies nicht der Fall sein sollte.
Sind ältere kranke Menschen im Rheintal gut versorgt? Ruedi Mattle wendet sich an die Regierung