Buchs  09.08.2026

Sport ist der Türöffner zum Wohlfühlen in der Firma

Der Sportclub Merck Sigma Aldrich Buchs hilft neuen Mitarbeitenden, in der Region und im Unternehmen Fuss zu fassen.

Von Robert Kucera
aktualisiert am 09.08.2026

Sportclubs innerhalb von Firmen waren in der Schweiz einst so normal wie Weihnachtsessen. Während gesellige Anlässe regelmässig stattfinden und somit die Zeit überdauert haben, sind  wiederkehrende sportliche Aktivitäten seltener geworden.

Die Firma Merck in Buchs hält aber seit 1974 am Konstrukt fest, dass das Unternehmen seinen Mitarbeitenden bewusst Sport anbietet. So sieht man in Ranglisten von  Laufanlässen wie dem Gamperney-Berglauf oder dem Radrennen Chasing Cancellara immer wieder Teilnehmende des Vereins Sportclub Merck Sigma Aldrich Buchs. Doch die Verbundenheit zum Sport geht in dieser Firma noch tiefer. 

Neben den regelmässigen Trainings im Sportclub, wie Tischtennis und Volleyball, bietet Merck seinen Mitarbeitenden auch Yoga, Rückentraining und Crossfit in der Mittagspause an. Auch einzelne Events des Sportclubs, wie das Minigolfturnier, erfreuen sich grosser Beliebtheit.

Sportclub ist ein Segen für Zugewanderte

Der Sportclub zählt derzeit über 80 Mitglieder, die regelmässig Veranstaltungen besuchen – rund ein Siebtel der Belegschaft am  Standort Buchs.  Vorstandsmitglied Markus Fischer betont, dass die Sportanlässe aber  allen Merck-Mitarbeitenden offenstehen. Bei zahlreichen Anlässen sind auch die Kinder und Partner der Mitglieder willkommen. So werden zum Beispiel Wanderungen angeboten, die für die gesamte Familie konzipiert sind. Insgesamt nehmen an den  Jahresaktivitäten,  einschliesslich geselliger Anlässe, etwa 1500 Personen teil.

Dass nur ein Siebtel der Firma in Buchs Clubmitglieder sind, hat seine Gründe. Tendenziell sind die Teilnehmerzahlen rückgängig. Es zeichnet sich ab, dass die Jugend weniger Interesse an den Sportclub-Aktivitäten hat.  Zudem sind viele Mitarbeitende, die aus der Region stammen, bereits in Sportvereinen engagiert. 

Der Vorstand des Merck Sportclubs Buchs (von links): Bernhard Reichmann, Gregor Olawsky, Gerti Steiner und Markus Fischer (Sina Rösler ist nicht auf dem Foto).
Der Vorstand des Merck Sportclubs Buchs (von links): Bernhard Reichmann, Gregor Olawsky, Gerti Steiner und Markus Fischer (Sina Rösler ist nicht auf dem Foto).
Robert Kucera

Das Angebot des Sportclubs wird deshalb stark von jenen Merck-Angestellten wahrgenommen, die von ausserhalb her kommend in Buchs ihr berufliches Glück gefunden haben. «Ich denke, es läuft gut», sagt Fischer, worauf die anderen Vorstandsmitglieder, die dem Gespräch beiwohnen, nicken.

«Innerhalb der Firma hören wir nur positive Stimmen. Von den neuen Mitarbeitenden ist vor allem Dankbarkeit spürbar. So kann man einfach mal mitmachen und schauen, was es hier gibt.» Das Zusatzangebot wird als sehr wertvoll betrachtet, weil es dies nicht mehr überall gibt.

Gesundheit, Integration und Zusammenhalt

Im Kalenderjahr wird den Merck-Mitarbeitenden also viel Sport, Spiel und Spass geboten – finanziell getragen von der Firma. Denn die Clubmitglieder entrichten lediglich einen symbolischen Beitrag von 20 Franken im Jahr. Ein Verlustgeschäft für die Firma Merck? Der Vorstand gibt Auskunft: «Die Gesundheit unserer Mitarbeitenden ist ein bedeutender Aspekt. Es ist wichtig, dass Menschen Sport machen und sich aktiv beteiligen. Dies ist ein guter Ausgleich zu den beruflichen Herausforderungen.»

Ein weiterer Aspekt heisst Integration. «Jedes Jahr stellen wir viele neue Mitarbeitende ein, die nicht aus der Gegend sind. Durch die sportlichen Aktivitäten werden diese rascher integriert», erklärt Fischer. Das Unternehmen sieht Integration nicht als Einbahnstrasse und leistet deshalb seinen Beitrag. Wie der Vorstand des Sportclubs ausserdem zu verstehen gibt, könnten Angestellte, die sich in der neuen Region nicht wohlfühlen, die Firma  nach kurzer Zeit wieder verlassen. «Das Schlagwort heisst Retention», sagt Fischer.

Was bedeutet: Mitarbeitende und somit wertvolles Fachwissen dauerhaft im Betrieb zu sichern.
Das Glücklichsein soll sich nach Ansicht der Firma Merck in Buchs nicht ausschliesslich auf die Tätigkeiten am Arbeitsplatz konzentrieren. Die soziale Komponente innerhalb des Unternehmens dürfe nicht vernachlässigt werden  – so die Philosophie des Sportclubs: «Mit den Aktivitäten sollen auch Leute zusammenkommen, die normalerweise nicht zusammenarbeiten. Über Abteilungen hinweg kann sich so eine Gemeinschaft bilden.»

Positiver Nebeneffekt: Man lernt Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen von privater Seite her kennen. Das Vorstandsmitglied erzählt, dass sich durch den Sportclub schon viele Freundschaften gebildet haben. Zur Freude der Firma. Denn: 

Die Zusammenarbeit kann so verbessert werden.

Der Sportclub Merck Sigma Aldrich Buchs tritt regelmässig bei Wettbewerben an – allerdings ohne das Ziel, Spitzenleistungen erzielen zu wollen. Im Zentrum steht eine klare Haltung zur Work-Life-Balance, wie Fischer festhält: Wir wollen die Mitarbeitenden bewusst nicht in einem leicht beruflichen Kontext unter Druck setzen, denn das ist nicht hilfreich in Bezug auf unsere Zielsetzung. Unser Sportangebot soll frei von Zwang sein und den persönlichen Ausgleich fördern.»

Zentrale Koordination ist notwendig 

Auch in der Auswahl der angebotenen Sportarten herrscht Demokratie. Mitarbeitende können ihre Ideen dem Vorstand jederzeit unterbreiten. So kamen in der Vergangenheit Events zustande, die mittlerweile zur Tradition gehören. Zur Koordination wird aber ein Vorstand benötigt, der letztlich entscheidet, wie das Jahresprogramm aussehen wird. Er ist auch informiert, welche nicht sportlichen Anlässe der Firma anstehen. Oberstes Gebot: Vermeiden von Terminkollisionen.

«Wir sorgen in der Auswahl ebenfalls für Abwechslung in den Sportarten. So können wir  die finanziellen Mittel in verschiedene Interessengruppen einfliessen lassen», so die Haltung des Vorstands. Die Zentralisierung macht auch bei der Ausschreibung von Anlässen Sinn. Auf die Homepage des Sportclubs haben alle Angestellten Zugriff. Neue Mitarbeitende erhalten die Info jeweils rasch. Darüber hinaus werden Events per Mail angekündigt, und auch der Aushang am schwarzen Brett hat nicht ausgedient. «Wir legen die Jahresprogramme jeweils in allen Pausenräumen auf», ergänzt Vorstandsmitglied Markus Fischer.

Hinzu kommen persönliche Einladungen, die zentral aufgegleist sein müssen. Hier  kommt erneut die soziale Ader der Firma ins Spiel. Denn zu den Sportanlässen sind auch ehemalige Mitarbeitende und Pensionierte eingeladen. Rentner können so ehemalige Arbeitskollegen treffen und sich austauschen. Neuigkeiten aus der Firma erfahren so die Ehemaligen aus erster Hand.