Mit der modernen Komödie «Die Tür nebenan» von Fabrice Roger-Lacan gastierten Susanne Odermatt und Patrick Boog am Samstag im ausverkauften Diogenes Theater; sie sorgten dabei für einen ebenso sprachlich turbulenten wie nachdenklichen Abend über zwei Menschen, die sich bestens darauf verstehen, einander auf die Nerven zu gehen.
Hitzige Wortgefechte
Sie ist Psychologin, alleinstehend und nicht frei von eigenen Neurosen. Er arbeitet als Marketingleiter, bemüht sich um Leichtigkeit und findet Gefallen an den schönen Dingen des Lebens – etwa an klassischer Musik. Die beiden wohnen Tür an Tür, könnten aber kaum unterschiedlicher sein. Schon kleinste Alltagsbegebenheiten reichen und schon münden ihre Begegnungen in hitzige Wortgefechte. Sie sind sich einzig einig, dass sie uneinig sind.
Bei aller Abneigung verbindet die Nachbarn jedoch etwas: Beide sind unfreiwillig allein und suchen auf einer Dating-Plattform nach dem passenden Partner oder der passenden Partnerin. Die digitale Suche scheint vielversprechend. Der Algorithmus verspricht eine Übereinstimmung von 99 Prozent – und tatsächlich werden beide fündig. Doch statt ihre Erfolge einfach für sich zu geniessen, reiben sie sie einander unter die Nase. Damit nimmt die Geschichte wieder eine neue Wendung.
Umgang mit der Einsamkeit
Odermatt und Boog spielen die Figuren mit viel Tempo und Gespür für die komischen Reibungen des Alltags. Ihre Auseinandersetzungen sind bewusst zugespitzt, die Fetzen fliegen. Doch die Komödie ist mehr als ein blosser Schwank. Hinter den pointierten Dialogen und skurrilen Situationen zeigt sich eine grundsätzliche Frage: Wie gehen Menschen mit Einsamkeit um, wenn sie zwar ständig vernetzt sind, echte Nähe aber schwerfällt?
«Die Tür nebenan» verbindet Leichtigkeit mit einem nachdenklichen Blick auf Beziehungen in einer individualisierten, digital geprägten Gesellschaft. Das Gastspiel im Diogenes Theater Altstätten unterhielt mit viel Wortwitz und rasanten und eloquenten Streitgesprächen und liess zugleich erkennen, dass hinter der verschlossenen Tür vielleicht mehr Gemeinsamkeit wartet, als die beiden Nachbarn wahrhaben wollen. Die Zuschauer quittierten den Auftritt mit grossem Applaus. (pd)
Nächstes Gastspiel am 7. November: Betty Dieterle mit «Apocalypso Blues».
Streitende Nachbarn bringen das Diogenes-Publikum zum Lachen und zum Nachdenken