Berneck vor 1 Stunde

Unter der Linde: Vom Brandjahr 1848 zum Paradiesgarten von heute

Alte Bäume haben einen unschätzbaren Wert für unsere Dörfer und Städte. Das regionale Baumquartett des Vereins St. Galler Rheintal zeigt besonders schöne Siedlungsbäume in den Rheintaler Gemeinden.

Von Thomas Oesch
aktualisiert vor 1 Stunde

Die mächtige Linde, die als Berneck 2 im Baumquartett porträtiert ist, steht auf dem Vorplatz des ehemaligen evangelischen Schulhauses Berneck.

Bei einem Brand während eines Föhnsturmes im Mai 1848 gingen mehr als hundert Firste in Flammen auf. Der Brand wütete vor allem im Raum östlich von Rathaus und Pfarrkirche. In der Folge wurde 1859 durch Baumeister Johannes Lei ein Schulhaus erstellt. Dazu gehörte auch eine Wiese als Pausenplatz und ein Turnplatz nebenan samt Kletterstange mit Reck und Barren sowie einer Weitsprunganlage. Auf dem Platz wurde eine Linde gepflanzt und später mit der grünen, runden Eisenbank versehen, die allen Beanspruchungen bis heute tapfer widerstanden hat. Also ist die Linde heute etwa 170 Jahre alt und gehört zu den drei geschützten Einzelbäumen der Gemeinde.

Vom Schulhaus zum Lindenhaus

1968 baute die Evangelische Primarschulgemeinde Berneck ein neues Schulhaus im Stäpfli. Fortan hiess das alte Schulhaus Lindenhaus und enthält heute ein Architekturbüro mit Mieträumen für die Evangelische Kirchgemeinde Berneck-Au-Heerbrugg.

Als 2006 die Mehrzweckhalle Bünt hinter dem ehemaligen Sekundarschulhaus Berneck erstellt wurde, wurden im Aushub sehr viele grosse Gesteinsbrocken vorgefunden, die von den Gletschern herangeschoben wurden. Einige dieser markanten Findlinge wurden exakt so, wie sie in der Baugrube vorgefunden wurden, auf dem Lindenhausplatz wieder sichtbar platziert.

Ein Zimmer unter der Baumkrone

Das Kulturforum Berneck machte die Linde zum Kunstobjekt, erstmals bei den ‹Paradiesgärten› im Jahr 2022 und dann auch beim ‹Zwiegespräch mit Bäumen› zwei Jahre später. Die Installation ‹Der dritte Himmel› wurde vom Siegerteam Waeger / Jansa wie folgt umschrieben: Unter dem weit ausladenden Laubdach auf dem leicht abschüssigen Kiesplatz entstand ein blütenweisses Zimmer. Die Vorstellung, geschützt unter dem Baum zu liegen, schwebend in die riesige Baumkrone und zum Firmament zu blicken, dabei dem milden Mailüftchen zu frönen, den Geräuschen der Natur zu lauschen und den Frühlingsduft der Lindenblüten einzuatmen, sei so verführerisch gewesen, dass sich die Idee des Zimmers unter dem Baum als Paradiesgarten förmlich aufgedrängt habe.

Die Evangelische Kirchgemeinde Berneck-Au-Heerbrugg führt alljährlich bei guter Witterung einen Gottesdienst unter der Linde durch.

Infobox

Das Baumquartett «Siedlungsbäume St.Galler Rheintal» kann bei den Gemeinden von Rüthi bis St. Margrethen bezogen werden. Unter diesem Link gibt es eine Übersicht über die Standorte der ausgewählten Bäume: www.regionrheintal.ch/baumquartett