Walzenhausen vor 1 Stunde

Urs Züsts Zukunft stand für ihn von Anfang an fest

Im Jahre 1986 übernahm Urs Züst die Züro Schreinerei AG, welche einige Jahre vorher von ihm und seinem Vater gegründet worden war. Für ihn stand schon in der Schule fest, was, wo und dass er selbstständig arbeiten wollte. Das hat der Walzenhauser durchgezogen. Seine grosse Leidenschaft sind Umbauten.

Von pd
aktualisiert vor 1 Stunde

«Umbauen wurde vom Hobby zum Job», erinnert sich Urs Züst. «Es hat sich alles ergeben. Als einer der ersten grossen Aufträge durften wir das Privathaus von Ernst Jüstrich umbauen. Das war wie ein Sechser im Lotto. Eine traumhafte Arbeit.» Er ist bei einigen Walzenhauser Unternehmen der «Hofschreiner». «Für mich ist Walzenhausen ideal, um ein Geschäft zu führen, denn wir haben hier eine sehr gute Industrie. Die Arbeit kam deshalb laufend herein, ich musste sie nie suchen.»

Wahnsinnig schöne Arbeit

Wenn der Geschäftsmann von seinen Umbauten erzählt, kommt er ins Schwärmen, seine Augen blitzen vor Begeisterung. «Ich habe immer wahnsinnig schöne Arbeiten bekommen, konnte auch viel in Walzenhausen umbauen.» Der Standort der «Bude» sei ideal, auch für auswärtige Aufträge. Lachen sei ideal für das Einzugsgebiet von Chur, übers Rheintal und Appenzeller Vorderland bis St. Gallen. Um immer auf dem neuesten Stand zu sein, benötigte es einen immer wieder angepassten Maschinenpark. Das bedeutete zwangsläufig eine Vergrösserung der Schreinerei.

Immer mehr Papierkram

In den vierzig Jahren ist viel Neues im Beruf dazugekommen. Stichworte sind beispielsweise Küchenbau mit vollautomatisierten Geräten oder die verschiedensten Beleuchtungsmöglichkeiten in Räumen. Auch die Arbeitsgeräte veränderten sich mit der Zeit. Was wohl jeden Gewerbetreibenden belastet, ist der immer grösser werdende administrative Aufwand. Die Projekte sind von den Baubewilligungen abhängig. «Davon hängt viel ab: der Baubeginn und damit der Preis am Schluss. Wenn die Bewilligung verzögert kommt, kann es teuer werden.»

Charakter des Hauses beibehalten

Vor Kurzem ist Urs Züst mit seiner Frau Marianne rund 200 Meter talwärts gezogen. Sein Sohn Nicolas bewohnt jetzt die Wohnung über der Züro Schreinerei AG mit seiner Freundin. Das alte Haus wurde nach seinen Plänen abgerissen und neu aufgebaut. Aus dem baufälligen Appenzeller Bauernhaus wurde eine Wohnlandschaft. Dabei war es das Ziel des Bauherrn, den einstigen Charakter des Hauses beizubehalten. Die Front unter dem Dach ziert ein Halbmondfenster inmitten einer angedeuteten Sonne. «Das ist das typische Zeichen für die Bauweise eines Bauernhauses in Appenzell Ausserrhoden.» Auch der Innenausbau des Stalls zu einem Schlafzimmer ist von aussen nicht sichtbar, ebenfalls infolge einer geeigneten Bauweise.

Nachwuchs in den Startlöchern

Derzeit arbeiten drei Arbeiter neben Urs Züst bei der Züro Schreinerei AG. Einer davon ist Sohn Nicolas. «Er steht in den Startlöchern, aber noch bin ich nicht pensioniert.» Ein treuer Mitarbeiter ist Hampi Walser, der sich seit 38 Jahren für die Züro Schreinerei AG einsetzt. Ebenfalls zum langjährigen Team gehört Otmar Graf. Im Moment hat die Firma keine Lernenden mehr. Der erste war damals Urs Züsts Bruder Andreas. Am Schluss des Gesprächs ist der Walzenhauser überzeugt: «Ich würde alles wieder gleich machen!» Und die Arbeit geht ihm nicht aus. Am Kirchplatz hat Urs Züst das «Bärlocher Haus» gekauft und baut es derzeit um, zusammen mit dem Denkmalschutz.