Vor zwei Jahren schlossen nach über 60 Jahren der Dorfladen und die Bäckerei Berger in Salez. In der Dorfgemeinschaft kam der Wunsch nach einer Nachfolgelösung auf. Mit einer Umfrage holte der Verwaltungsrat der Ortsgemeinde Salez die Bedürfnisse der Bevölkerung in Bezug auf einen Lebensmittelladen in Salez ab. Kurz zusammengefasst war eine der Erkenntnisse aus der Umfrage, dass sich die Bevölkerung wieder einen Laden wünscht, insbesondere auch als Ort der Begegnung und des sozialen Austauschs.
Die Ermittlung der Wirtschaftlichkeit eines Lebensmittelladens in Salez durch Fachleute lieferte jedoch ein vernichtendes Resultat: Unter realistischen Bedingungen ist ein solcher Laden nicht tragfähig. Er würde jährlich Verluste von über 50 000 Franken verursachen. Der Verwaltungsrat informierte die Bürgerschaft im Geschäftsbericht 2025 umfassend darüber.
Unrentabel und doch gewünscht
Dennoch kam das Thema Dorfladen an der Ortsgemeindeversammlung im März dieses Jahres erneut zur Sprache. Der eindringliche Wunsch: Die Ortsgemeinde soll eine Räumlichkeit in der geplanten Überbauung am Bärenlochweg 1 (also dort, wo sich die stillgelegte Bäckerei befindet) erwerben und klären, ob sie als Ladenräumlichkeit oder gegebenenfalls als Familienwohnung genutzt werden soll. Ein Antrag aus der Bürgerschaft, dass der Verwaltungsrat diesbezüglich so rasch wie möglich ein Gutachten mit Antrag ausarbeiten soll, wurde angenommen.
Nun entscheidet die Bürgerschaft an der Urne
Der Verwaltungsrat machte sich also an die Arbeit und lässt die rund 150 stimmberechtigten Bürgerinnen und Bürger nun am 13. September darüber abstimmen, ob die Ortsgemeinde einen Teil der Überbauung im Dorfzentrum kaufen soll oder nicht. Geplant sind dort zwei Mehrfamilienhäuser mit total 23 Wohnungen. Für einen Dorfladen hat die Bauherrschaft der Ortsgemeinde die Wohnung Nummer 1 angeboten. Sie hätte eine Nutzfläche von rund 140 Quadratmetern. Der Gesamtkostenaufwand würde bei 970 000 Franken liegen; rund 660 000 für den Rohbau, weitere 60 000 für fünf Parkplätze und eine Viertelmillion für Innenausbauten.
Abgestimmt wird über zwei Anträge. Die erste Abstimmungsfrage lautet, ob man den Kauf einer Räumlichkeit am Bärenlochweg 1 befürwortet. Der Verwaltungsrat empfiehlt ein Nein. Er begründet dies unter anderem damit, dass der erwünschte Dorfladen wirtschaftlich nicht tragfähig wäre und die zu erwartenden Verluste die finanzielle Belastbarkeit der Ortsgemeinde Salez übersteigen würden. Es lasse sich weder eine der bekannten Ladengesellschaften noch eine Privatperson als Betreiber für ein greifbares und nachhaltiges Dorfladenprojekt gewinnen.
Ausserdem wäre die finanzielle Tragbarkeit von anderweitig geplanten Investitionen ohne erheblichen Fremdkapitalzufluss nicht gegeben, heisst es im Gutachten. So plant der Verwaltungsrat zum Beispiel, im kommenden Jahr rund 230 000 Franken für Erneuerungsarbeiten an einer Wohnung im Stallgebäude des «Löwen» aufzuwenden und 2028 fast ebenso viel in die Erneuerung des Gasthauses zu stecken. Ausserdem ist gemeinsam mit der Politischen Gemeinde Sennwald ein Bauprojekt für «Wohnen im Alter mit Service» angedacht.
Die Ortsverwaltung würde das Geld anders einsetzen
«Der Verwaltungsrat möchte die freien Geldmittel der Ortsgemeinde nicht in das Überbauungsprojekt der 4D Immo GmbH einfliessen lassen, sondern stattdessen die nachhaltige Entwicklung des Löwenguts vorantreiben», schreibt der Verwaltungsrat im Gutachten. Auf diesem bestehenden Grundeigentum könne die Ortsgemeinde künftige Bauvorhaben zugunsten der Bürger- und Einwohnerschaft des Dorfes erheblich einfacher und kostengünstiger verwirklichen.
Kleinere Wohnung als Alternative
Sollte entgegen der Einschätzung des Verwaltungsrats eine Mehrheit der Stimmenden dem Erwerb einer Räumlichkeit zustimmen, stelle sich die Frage, ob zwingend die von der Bauherrschaft für die Dorfladenräumlichkeiten angebotene, kostenintensive Wohnung 1 erworben werden müsse oder besser eine kleinere Wohnung. Dies im Hinblick darauf, dass sich mit grosser Wahrscheinlichkeit keine tragfähige Möglichkeit für einen Dorflebensmittelladen ergebe. Aus dieser Überlegung heraus ergebe sich eine zweite Abstimmungsfrage. Dabei geht es um die Befugnis des Ortsverwaltungsrats, anstelle der Wohnung 1 eine andere Wohnung am Bärenlochweg 1 zu erwerben.
Im Hinblick auf die Urnenabstimmung fand am 10. August eine öffentliche Infoveranstaltung statt. Gemäss Verwaltungsratsschreiber Michael Berger war diese mit rund 55 Personen – darunter auch Nichtbürger – gut besucht.
Informationen: www.ogsalez.ch
Volk stimmt über Dorfladen ab – warum der Ortsverwaltungsrat ein Nein empfiehlt