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Analyse zum FCSG 07.04.2026

Warum diese leicht seltsame Euphorie hilfreich sein kann

Am Sonntag besiegte der FC St. Gallen den FCZ mit 2:1. Damit zementierte er den zweiten Tabellenrang, daneben steht er im Cup-Halbfinal. Dennoch: Irgendwie ist in der Ostschweiz erst eine leichte Euphorie aufgekommen. Warum das so ist – und warum dies hilfreich sein kann.

Von Remo Zollinger
aktualisiert am 08.04.2026

Das 2:1 zwischen dem FCSG und dem FCZ war ein Abbild der Saison. Die St. Galler begannen stürmisch, erarbeiteten sich eine schiere Unmenge an Eckbällen und dann auch «richtige» Möglichkeiten. Doch bis der Sieg im Trockenen war, dauerte es bis zum Abpfiff. Es lässt sich sagen: St. Gallen leidet, gewinnt aber doch. Wie so oft in dieser Saison.

Doch manchen Fans ist der Fussball von Enrico Maassen zu wenig attraktiv. In der Tat hat der FCSG weniger Ballbesitz als unter Peter Zeidler – aber nicht weniger Chancen. Es wäre nicht gerecht, den Maassen-Fussball als «Kick'n'Rush» abzutun, Spuren davon sind jedoch unübersehbar. Das zeigte sich am Sonntag – allerdings nicht beim entscheidenden 2:1 durch Alessandro Vogt, dem ein präzises und gewolltes Zuspiel von Chima Okoroji vorangegangen war. Qualität ist also durchaus vorhanden. Auch der FC St. Gallen steht 2026 nicht mehr dafür, nur über den Kampf zu kommen.

Dass die Euphorie nicht so gross ist wie noch beim unter Jeff Saibene erreichten dritten Platz (2012/13), liegt also nicht primär am Fussball. Es gibt noch mehr Gründe. Einerseits sind die so treuen, aber auch leidgeprüften St. Gallen-Fans gebrannte Kinder, wenn es darum geht, dass ihre Lieblinge in der Rückrunde beste Ausgangslagen verspielen. Dann geht es darum, dass Leader Thun so weit entrückt ist, dass selbst die optimistischsten Anhängerinnen und Anhänger nicht mehr vom Titel träumen – und wenn auf Rang eins Thun steht und nicht YB oder Basel, ist die Empfindung eine andere. Der zweite Rang kann sich anfühlen wie eine verpasste Chance.

Dann hat auch die bereits bekannte Meldung über den Abgang von Shooting-Star Alessandro Vogt die Stimmung etwas gedämpft. Wie wichtig er für den FCSG ist, zeigte er am Sonntag einmal mehr. Kurz zuvor eingewechselt, traf der 21-Jährige zum 2:1.

Das alles führt dazu, dass im Moment in St. Gallen eine «Ja, ich bin natürlich zufrieden, aber...»-Stimmung herrscht. Und das ist gut so!

Denn: Sie mahnt Spieler und Publikum, nicht auf einer Euphoriewelle zu surfen, bevor etwas wirklich erreicht ist. Im schlimmsten Fall schliesst der FCSG die Saison auf einem Platz ab, der nicht für das europäische Geschäft berechtigt und er verliert den Cup-Halbfinal – oder noch schlimmer, den Final.

So jedoch bleibt die Konzentration ungebrochen hoch. Der FC St. Gallen weiss, woran er ist und was er in dieser Saison erreichen kann. Und die Mannschaft hat in den letzten Wochen gezeigt, dieser Aufgabe gewachsen zu sein. Macht sie so weiter, hat ihr diese leicht seltsame Euphorie geholfen. Und dann bricht eine richtige Euphorie aus.