Alles begann mit der Blütezeit der Rideaux-Stickerei in Walzenhausen in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Vermehrt besuchten Geschäftsleute und Touristen den «Balkon über dem Bodensee». Peter Eggenberger schrieb einst: «Entdeckt wurde dabei auch die Krete oberhalb des Weilers Leuchen, wo Heinrich Niederer die Wirtschaft Grütli betrieb. 1860 begann er während der Sommermonate auf der Meldegg Gäste zu bewirten, die jeweils mit einer bereitstehenden Glocke den Wirt auf die nahe Anhöhe beorderten. Der Zulauf war gross, sodass die behelfsmässige Sommerwirtschaft schon bald durch ein festes Gebäude ersetzt werden musste.» So wurde vor 150 Jahren das heutige Restaurant gebaut.
Blaublütige, Militärs und Politik
Die Meldegg war bereits zur Römerzeit ein prominenter Späh- und Meldeposten. Unter anderem besuchten der König von Württemberg, der Fürst von Sigmaringen, Ex-König Emanuel von Portugal sowie noble Herrschaften aus dem österreichischen Kaiserhaus Habsburg die Meldegg, denn Angehörige der vor allem in Deutschland lebenden Familien Reichlin-Meldegg vermuteten, dass hier im Mittelalter ihre Stammburg gestanden haben könnte. 1894 war sogar der Gesamtbundesrat auf der Meldegg zu Gast. Während des Zweiten Weltkriegs diente die Zinne der Schweizer Armee als Fliegerbeobachtungsposten. Kurz vor Kriegsende kam deshalb General Henri Guisan auf Visite. Häufig weilte auch Konsul Carl Lutz an seinem Lieblingsplatz, der Meldegg.
Fünfte Generation macht weiter
Heute wird die Wirtschaft in der fünften Generation von Christiane Niederer (seit 1992) geführt, wobei ihr Ehemann Martin und ihre beiden Töchter hilfreich zur Hand gehen. Geändert haben sich in den 150 Jahren immer wieder die Öffnungszeiten. Aktuell ist das Restaurant bis Ende September von Donnerstag bis Sonntag geöffnet. Ab Oktober und bis Ende April kann am Samstag und Sonntag eingekehrt werden.
Die Wirtschaft mit einzigartiger Rundsicht ins Rheintal bis ins Fürstentum Liechtenstein, nach Vorarlberg, über den Bodensee und weit in den süddeutschen Raum liegt am Rheintaler Höhenweg und dem neuen Industrieweg Rheintal. Bis in drei Jahren soll ganz in der Nähe zusätzlich eine Aussichtsplattform entstehen.
Christiane Niederer: «Wir wünschen uns, dass die Meldegg noch eine ganze Weile dem Publikum offensteht und man die schöne Aussicht und die Kulinarik geniessen kann.»
Was für eine Aussicht: Das Restaurant Meldegg ist 150 Jahre alt