«Nach der ersten Hälfte hätte ich nicht mehr gedacht, dass wir dieses Spiel noch verlieren würden», sagte ein Diepoldsauer Anhänger nach der Begegnung. Die Gefühlswelt auf der anderen Seite des Rheins war natürlich eine andere: «Die zweite Hälfte zeigten unsere Jungs eine starke Reaktion", analysierte ein Widnauer Fan das Geschehen. Diepoldsau-Schmitter begann stark und war in der ersten halben Stunde tonangebend, die 1:0-Führung war zu jenem Zeitpunkt verdient.
Die erste Chance hatten allerdings die Widnauer: Livio Schmid scheiterte mit seinem Abschluss in der fünften Minute an Diepoldsau-Goalie Lukas Sigrist. Die Einheimischen kamen kurz darauf durch Latif Canoski zu einem Freistoss, der knapp am Tor von Kim Gremminger vorbeiging. In der 10. Minute ging Diepoldsau in Führung: Canoski zirkelte einen Freistoss in die Mitte, wo Rohollah Afkari per Kopf auf 1:0 stellte. Die Gelb-Blauen blieben spielbestimmend: Felipe Perez Ramirez und Afkari scheiterten innert wenigen Sekunden an der Widnauer Verteidigung. Canoski hatte nach 24 Minuten die nächste Möglichkeit, Gremminger hielt sicher. Fünf Minuten später fehlten zum 2:0 nur wenige Millimeter: Ein Freistoss von Canoski ging an die Unterseite der Latte und von dort ins Spielfeld zurück.
Dann musste das Spiel für eine Weile unterbrochen werden: Canoski stürmte in Richtung Tor, Gremminger lief ihm entgegen und wurde bei der Abwehr an der Schläfe verletzt. Nach fünf Minuten Pflege musste er seinen Platz räumen: «Ich hätte sehr gerne fertig gespielt, aber sobald ich aufgestanden bin, wurde mir wieder schwindlig», sagte der Widnauer Goalie nach dem Spiel. Magnus Sonderegger übernahm die Aufgabe zwischen den Pfosten.
Vom 1:0 zum 1:3 - Widnau dreht das Spiel
Kurz nach der Pause zappelte der Ball im Diepoldsauer Netz, aber Schiedsrichter Muhamet Tahiri erkannte ein hohes Bein eines Widnauers. Doch es wurde nicht nur bei dieser Szene offensichtlich: Die Gäste kamen besser ins Spiel. Perez Ramirez kam in Minute 52 noch zum Abschluss, den Sonderegger sicher hielt, aber die Gäste hatten ihre Chance, den Hausherren ein Schnippchen zu schlagen, schon längst erkannt. Der linke Verteidiger, Philipp Herzog, reagierte in der 53. Minute nach einem Freistoss am schnellsten und erzielte den Ausgleich. Nach einer guten Stunde ging ein Abschluss von Captain Esmir Shajnoski daneben und der eben erst eingewechselte Aldo Giani zirkelte eine Flanke in die Mitte, die Sonderegger sicher pflückte.
Dann ging Widnau in Führung: Jaro Loher spielte einen langen Ball in die Spitze, den Fabio Grossenbacher übernahm. Lukas Sigrist lief dem Widnauer entgeten und versuchte zu retten, was nicht mehr zu retten war, Grossenbacher hatte keine Mühe das Tor zu erzielen. Salih Muslioski versuchte es für die Einheimischen mit einem Schuss aus spitzem Winkel, der das Ziel knapp verfehlte.
Die Entscheidung fiel in der 90. Minute, als Miro Schwerzmann mit einem unhaltbaren Schuss auf 1:3 stellte. «Die bessere Mannschaft hat gewonnen, nach gut 20 Minuten lief bei uns nicht mehr viel», sagte Diepoldsaus Trainer Adrian Spirig. Widnaus Co-Trainer Andrea Lamorte sagte: «Unser Sieg ist aufgrund der zweiten Hälfte sicherlich verdient. Bereits nach wenigen Minuten hätten wir in Führung gehen können.» Diepoldsaus Stürmer Afkari sagte: «Letzte Woche haben wir gegen den Tabellenführer gewonnen. Heute lief es uns nur am Anfang gut.» Nun haben beide Teams Winterpause. Dank des Sieges sieht die Tabellenlage für die Widnauer nach drei aufeinanderfolgenden Niederlagen wieder ein wenig besser aus. Diepoldsau-Schmitter überwintert auf dem sechsten Platz.
3. Liga, Gruppe 2:
Diepoldsau-Schmitter – Widnau II 1:3 (1:0)
Rheinauen, 195 Zuschauer – SR: Tahiri.
Tore: 10. Afkari 1:0, 53. Herzog 1:1, 68. Grossenbacher 1:2, 90. Schwerzmann 1:3.
Diepoldsau-Schmitter: L. Siegrist; Keller, Jelusic, Meier; Shajnoski, Perez Ramirez; R. Sigrist, Elbrecht, Canoski; Afkari, J. Schmid. – Eingewechselt: Muslioski, Rieser, Giani, Brunner, Hot.
Widnau: Gremminger, Loher, Liechti, Lamprecht, Herzog; Shala; L. Schmid, Lamorte, Andrews, F. Schmid, Can – Eingewechselt: Sonderegger, Kobelt, Grossenbacher, Schwerzmann.
Gelbe Karten: 28. Liechti, 31. Herzog, 37. F. Schmid, 37. Canoski, 66. Lamprecht, 81. L. Schmid, 95. Jelusic.
Widnau II gewinnt das "kleine" Rhein-Derby in Diepoldsau nach einem Rückstand noch mit 3:1