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Widnau in der zweiten Erstliga-Saison: Der Plan steht, der Weg auch?

In der letzten Saison gelang dem FC Widnau ein Ligaerhalt, der lange in Frage stand. Nun hat das Team einen Umbruch zu verkraften und das erste Spiel verloren. Der Co-Trainer sagt dennoch: «Wir wollen uns längerfristig in der 1. Liga etablieren.»

Von Remo Zollinger
aktualisiert vor 4 Stunden

Widnau und die 1. Liga: Es war keine Liebe auf den ersten Blick. «Wir sind zwar gut gestartet, dann hat uns die Realität aber sehr schnell eingeholt. Wir haben im Herbst viel Lehrgeld bezahlt, haben uns dann aber gefangen und doch noch ein paar Punkte geholt», sagt Co-Trainer Daniel Lüchinger. In die Saison gestartet war der FCW mit Trainer David Gonzalez, so richtig ist der Funken aber nie gesprungen.

Deshalb übernahm Aufstiegstrainer Andreas Lüchinger – auch, weil ihn die Spieler explizit wollten – die Mannschaft zur Rückrunde wieder. «Wir hatten mit dem 3:1 gegen Baden einen super Auftakt und haben dann in Schaffhausen (3:0 bei der Spielvi) nachgedoppelt. Danach hatten wir zwar immer zu kämpfen, doch der Auftritt war anders», sagt Daniel Lüchinger. Was er damit anspricht, ist auf der einen Seite, dass sein Team mehrfach in der Nachspielzeit noch Punkte verlor. Andererseits aber auch, dass es den Kampf annahm, die für den Ligaerhalt nötigen Punkte holte und diesen letztlich auch feiern durfte.

Bei Niederlagen Charakter zeigen

«Viele Mannschaften wären in einer solchen Situation vielleicht auseinandergefallen, wir aber nicht, weil der Teamgeist immer gestimmt hat», sagt Lüchinger weiter. Er sagte dem Team: «Gerade bei Niederlagen müsst ihr Charakter zeigen und euch im Dorf in einer Beiz zeigen. Wenn man gewinnt, kann das jeder.»

Damit schlägt er eine Brücke zur neuen Saison. Es ist auch 2026/27 nicht davon auszugehen, dass Widnau durch die Liga marschiert und plötzlich einen Spitzenrang belegt. Lüchinger sagt, der Ligaerhalt bleibe das grosse Ziel, «aber wir wollen uns schon längerfristig in der 1. Liga etablieren.»

Trotzdem spricht viel dafür, dass der FCW auch in dieser Saison bis zum Schluss um den Ligaerhalt mitspielen wird. Aus zwei Gründen: «Wir können nicht so mit Geld um uns werfen wie einige Konkurrenten. Wir sind für einen Verein in dieser Liga bescheiden unterwegs», so Lüchinger. Eine noch grössere Rolle könnte jedoch das spielen, was der Co-Trainer «ein Umbrüchli» nennt. In den letzten Jahren entwickelte sich das Team zwar stets weiter, so grosse Wechsel gab es aber sehr selten.

Ein Routinier und viele neue, junge Spieler

Ein «Umbrüchli» ist es nicht wirklich, was Widnau erlebt, sondern ein ausgewachsener Umbruch. Mit Daniel Lässer, Diego Liechti und Timo Faleschini sind drei langjährige Stützen der Mannschaft weggebrochen. «Die kannst du nicht ersetzen, weder sportlich noch menschlich», sagt Lüchinger. Mit Luca Beck (nach Portugal) und Simeon Weber (in die USA) hat der FCW zwei weitere Spieler verloren, die in der letzten Saison Erfolgsfaktoren waren.

Wie ersetzt ein FC Widnau solche Spieler? «Wir mussten sicher einen routinierten Spieler für die Mitte haben», sagt Daniel Lüchinger. Gefunden wurde dieser in Bendeguz Györky, einem 32-jährigen Ungaren, der zuletzt bei Eschen/Mauren spielte und in den Testspielen schon andeutete, die gewünschte Verstärkung sein zu können. Sonst kamen nur Junge: Mike De Man, ein saftiger Innenverteidiger, kam von den Altach Juniors. Yasir Mihci, ein Riesentalent («Die grossen Vorarlberger wollten ihn alle»), kam von der Akademie Vorarlberg. Tobia Walt ist wieder richtig dabei und mit Manoah Egbon (von Rebstein) und Livio Schmid (von Diepoldsau) kamen zwei vielversprechende Talente, die laut Lüchinger aber noch Zeit brauchen.

FC Widnau II
Die Liga gehalten hat auch Widnau II. «Trotz eines schmalen Kaders von nur 14 bis 16 Spielern konnten wir die Hinrunde erfolgreich bestreiten», sagt Coach Leonardo Ciardullo. Mit Unterstützung aus der ersten Mannschaft wurden 17 Punkte erzielt: «Im Vergleich zur Saison 2024/25 ist dies eine deutliche Steigerung.» Doch Widnau hatte mit Verletzungssorgen zu kämpfen. Ciardullo: «Mehrere Stammkräfte fielen aus, daher mussten wir in der hart umkämpften 3. Liga mit einer sehr jungen Mannschaft antreten.»
Das Saisonziel wurde dank harter Arbeit, grosser Disziplin und einem starken Teamzusammenhalt gesichert. Mit jungen Spielern aus der Region und dem eigenen Nachwuchs verfügt Widnau II über ein Kader von 20 Spielern. «Damit haben wir eine gute Basis für geschaffen», sagt der Coach. Saisonziel ist eine Platzierung im gesicherten Mittelfeld. Ciardullo: «Wir werden alles daransetzen und als Team geschlossen auftreten.»
Es werde sicher nicht einfach. «Unsere Gruppe besteht überwiegend aus ersten Mannschaften. Aber wir sind überzeugt, dass wir unsere Ziele erreichen können. Ich denke, jeder kann jeden schlagen», sagt Ciardullo. Appenzell und Steinach erwartet der Widnauer Coach zum Ende der Saison vorne.

So sieht Widnau II in der neuen Saison aus.
So sieht Widnau II in der neuen Saison aus.
Bild: Gian Kaufmann

Zwei Rückkehrer, die wie Zuzüge sind

Daneben darf nicht vergessen werden, dass Widnau auf zwei Spieler zählen darf, die in der letzten Saison kaum gespielt haben: Offensivallrounder Ceyhun Tüccar und der im Winter gekommene Hakija Canoski sind wieder richtige Teile des Teams, kehrten in der Vorbereitung auf den Platz zurück und werden das Team sowohl in der Breite wie auch in der Tiefe des Kaders verstärken. Zudem hat Widnau in diesem Sommer – wohl auch wegen der vielen späten Gegentore 2025/26 – einen Athletiktrainer engagiert.

«Es gibt ein Übergangsjahr, das wird sicher schwierig, aber wir geben alles dafür, den Klassenerhalt zu erreichen. Wir haben etwas Zeit gebraucht, um uns an die neue Liga zu gewöhnen, aber jetzt sind wir absolut parat», sagt Daniel Lüchinger. Die stets vielen Fans des FC Widnau dürfen sich auf eine neue spannende Saison freuen. Los ging diese am letzten Wochenende mit dem Auswärtsspiel in Tuggen, wo Widnau nach einem Horrorstart mit drei Gegentoren in den ersten zwölf Minuten mit 0:3 verlor.

An diesem Sonntag, 14 Uhr, geht’s weiter mit dem Heimspiel gegen Mendrisio. «Ein physisch brutal starker und schwierig einzuschätzender Gegner», sagt Lüchinger. Seinem unverkennbaren Lächeln ist jedoch abzulesen, dass es der FCW auch in dieser Saison wieder mit allen Gegnern aufnehmen will.

Transfers
Zuzüge: Mike De Man (Altach Juniors), Manoah Egbon (Rebstein), Bendeguz Györky (Eschen/M.), Yasir Mihci (FC Lustenau), Livio Schmid (Diepoldsau-S.), Tobia Walt (reaktiviert).
Abgänge: Luca Beck (Portugal, 4. Liga), Kevin Egbon (Rebstein), Timo Faleschini, Daniel Lässer, Diego Liechti (Rücktritt), Rikard Oroshi, Sinan Özcelik (unbekannt), Ueli Rhiner (Buchs), Simeon Weber (USA, College).