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Wieder ein Sieg in Bern: Okoroji verschiebt Thuner Meisterfeier

Ein bärenstarker Lawrence Ati Zigi im Tor und zwei Standardtreffer bescheren dem FC St.Gallen den zweiten Auswärtssieg gegen die Berner Young Boys in Folge.

Von Martin Oswald
aktualisiert vor 1 Stunde

Zurzeit spricht in der Ostschweiz alles vom bevorstehenden Cupfinal. Auch Captain Lukas Görtler betonte in der Pressekonferenz vor dem Spiel, dass es jetzt darum gehe, bei aller Vorfreude den Fokus wieder auf die Meisterschaft zu richten. Schliesslich wolle man den zweiten Platz verteidigen. Und nachdem Lugano mit einem Sieg gegen Thun punktemässig aufgeschlossen hatte, brauchte es zwingend Punkte gegen die Berner Young Boys.

30 Kilometer entfernt, hofften in der Stockhorn-Arena derweil Tausende von Thuner Fans beim Public Viewing auf einen Sieg des Kantonsnachbarn, womit der erste Meistertitel der Vereinsgeschichte Tatsache wäre. Dies, nachdem die Entscheidung am Vorabend vor ausverkauftem Haus nicht gelungen war.

Die Young Boys brauchten zwingend einen Sieg

Für die Young Boys war ein Sieg Pflicht, wollte man im Rennen um einen internationalen Platz noch ein Wörtchen mitreden. «St.Gallen spielt sehr dominant, aber wir wollen ihnen unser Spiel aufzwingen», sagte YB-Trainer Gerardo Seoane.

Dominant waren in den ersten Minuten weder Grün-Weiss noch Gelb-Schwarz, die Startphase hektisch. Dann ein erstes Ausrufezeichen der Gäste: Lukas Daschner setzt einen Eckball direkt an die Latte, Momente später Konitzke mit einem ersten Abschluss. Für ihn war es erst der zweite Startelf-Einsatz in dieser Saison.

Ohne die verletzten Gaal und Witzig sowie den gesperrten Boukhalfa setzte Trainer Enno Maassen als Ersatz auf Kleine-Bekel, Konietzke und Weibel. Die beiden jungen Eigengewächse hatten ihre Verträge eben erst bis 2030 verlängert.

Plötzlich ein langer Ball auf Virginius, viel offener Raum Richtung Tor, doch der schnelle Okoroji kann zum Eckball klären. Immer wieder im Brennpunkt auch Jozo Stanic, der sich ein heisses Duell nach dem anderen gegen Chris Bedia lieferte. Schon bald drohte Schiedsrichter Urs Schnyder mit einer gelben Karte – diese blieb vorerst stecken.

Dann war es an St.Gallens Vogt, der mit Zug Richtung Tor stürmte, den Abschluss oder einen Pass jedoch verpasste. Auf der Gegenseite verpasste Wüthrich mit dem Kopf knapp die Berner Führung. Es ist die 25. Minute. Jetzt war es ein munteres Hin und Her. Eine Zeigerumdrehung später kam Stanic nach einem Freistoss zum Abschluss – drüber. In der 31. Minute meldete sich dann auch Baldé – bislang kaum gesehen – mit einem ersten Abschluss an.

Beide Mannschaften mit vielen guten Chancen

Und dann müssten die Ostschweizer tatsächlich in Führung gehen. Vogt mit guter Übersicht und einem feinen Chip auf Weibel, dessen Kopfball von Wüthrich gerade eben noch abgewehrt wird. Beim darauffolgenden Eckball könnte Vogt per Kopf zur St.Galler Führung treffen, knapp vorbei. Dann war wieder YB am Drücker. Sanches prüfte Zigi gleich zweimal mit präzisen Abschlüssen, die St.Gallens Schlussmann stark parierte. Kurz darauf war Pause. Das Resultat gerecht. Noch durfte man in Thun auf eine Meisterfeier an diesem sommerlichen Sonntagabend hoffen.

Für die zweiten 45 Minuten ersetzte Stevanovic den unauffälligen Konietzke. Kurioses ereignet sich kurz nach Wiederanpfiff: Alessandro Vogt bricht nach einem Zweikampf mit Lauper ein Stück des Eckzahns ab, liest es vom Boden auf, bringt es zur Bank und spielt weiter.

Jetzt hatte das Heimteam seine beste Phase. Nacheinander erspielten sich Virginius, Bedia und Monteiro Top-Chancen und Maassens Defensive musste sich bei Lawrence Ati Zigi bedanken, dass die Null weiterhin Bestand hatte. Beinahe aus heiterem Himmel kam St.Gallen just in dieser Phase zu einem Elfmeter. Dies, nachdem Verteidiger Wüthrich einen Schuss von Vogt regelwidrig mit dem Oberarm abwehrte. Und so brachte Captain Görtler die St.Galler stilsicher und doch schmeichelhaft in Führung.

Zigi bringt Berner Offensive zur Verzweiflung

Die Young Boys drückten unbeirrt weiter und wieder konnte sich Zigi mit einem starken Reflex gegen Sanches auszeichnen. Der Ghanaer hatte sich längst Bestnoten verdient. Jetzt war es ein richtiger Fight auf Messers Schneide und Stanic holte sich die gelbe Karte ab, die sich irgendwie abgezeichnet hatte.

St.Gallen hätte in dieser Phase etwas Entlastung durch Konter brauchen können, doch Baldé und Vogt harmonierten an diesem Sonntag zu wenig. Besio und Fazliji kamen für die Schlussminuten. Würden sich die Young Boys hier noch mit einem Tor belohnen können? Es brauchte dazu schon ein Missverständnis zwischen Stevanovic und Vandermersch, die sich gegenseitig behinderten. Coley profitierte und traf zum Ausgleich. Das Heimteam wollte mehr. In der 86. Minute war es Essende mit einer Riesenchance und erneut rettete Zigi mirakulös. Das Spiel längst vogelwild.

Die Nachspielzeit läuft, noch ein Freistoss für die St.Galler, Chima Okoroji setzt sich den Ball und schlenzt diesen scharf in der nahen Ecke in die Maschen. Ekstase im Fanblock der Gäste. Und so kam es, dass sich der FC St.Gallen in letzter Minute den Sieg holte, damit Rang zwei in der Tabelle verteidigte und zudem eine vorzeitige Meisterfeier in Thun verhinderte.

Super League, Championship Group

Young Boys – St. Gallen 1:2

Wankdorf – 26'182 Zuschauer – SR: Schnyder.

Tore: 64. Görtler (Penalty) 0:1. 81. Colley 1:1. 92. Okoroji 1:2.

Young Boys: Keller; Valery, Wüthrich, Lauper, Bukinac (71. Hadjam); Virginius (65. Colley), Fernandes, Gigovic (77. Pech), Monteiro (77. Males); Sanches; Bedia (71. Essende).

St. Gallen: Zigi; Okoroji, Kleine-Bekel, Stanic; Daschner; Vandermersch, Görtler (75. Fazliji), Konietzke (46. Stevanovic), Weibel (82. Ruiz); Vogt (75. Besio), Balde (89. Scherrer).

Gelbe Karten: 70. Stanic, 72. Monteiro, 89. Daschner, 90. Fazliji, 93. Lauper.