In der Regel engagiert das Frauenzeit-Team zum «Frauenfrühstück» eine Referentin, die das jeweilige Thema beleuchtet. Am Samstag übernahm diese Rolle ein Mann. Roger Schmidlin aus Aarau beschäftigt sich als Seelsorger, Coach oder Supervisor mit der Frage, wie sich ein Bild, das man von Gott hat, auf Gesundheit und Wohlbefinden auswirken kann. Er sprach zum Thema «Gottesbilder – wie sie entstehen, wie sie krank machen, wie sie helfen und heilen».
Alle Teilnehmerinnen waren mit einem eigenen Bild von Gott gekommen. Einige hatten in ihrer Biografie Gott als einen liebenden Begleiter erfahren, andere als einen strengen Kontrolleur. Mirjam Gugger vom Frauenzeit-Team erhoffte sich von Schmidlins Vortrag, Anregungen, wie man ein befreiendes Gottesbild finden kann. Sie fragte: «Wie kann man das Gottesbild so ändern, dass es zum Segen wird?»
Roger Schmidlin erklärte, dass Gottesbilder krank machen können, falls sie auf dem Ausüben von Druck beruhten. Er unterteilte negative Gottesbilder in vier Kategorien, denen er jeweils ein positives entgegensetzte: Dem Richtergott stellte er einen barmherzigen Gott gegenüber, dem Todesgott den Gott des Lebens, dem Buchhaltergott den Versorgergott und dem Leistungsgott den Gott des Wachstums und der Gnade.
«Die verzerrenden, krankmachenden Gottesbilder vermitteln eine bedingte Liebe. Die helfenden, heilsamen Gottesbilder vermitteln eine unbedingte Liebe», fasste Roger Schmidlin zusammen. Er erklärte den Unterschied beider Formen so, dass eine bedingte Liebe an Erwartungen und Leistung gebunden ist. Eine unbedingte Liebe hingegen kommt ohne Wenn und Aber aus. «Sie ist wesensorientiert, weil ich bin.» Das gelte sowohl für zwischenmenschliche Beziehungen als auch jene im Glauben an Gott.
Auch wenn sich ein belastendes Gottesbild nicht mit einem einzigen Vortrag in ein positives verwandeln lässt, erhielten die Teilnehmerinnen wertvolle Denkanstösse. Mirjam Gugger bezeichnete Schmidlins Worte als ermutigend und berührend.
Gottesbilder können belasten und zugleich heilsam wirken