Es ist ein fantastisches Theater entstanden mit den Autoren und Autorinnen wie auch den Darstellerinnen und Darstellern Fredric Christopher, Livia Litscher, Ramona Nef, Lorina Shatri, Julian Kiszely, Nicolas Meier, Jerome Nutt, Patricia Schällebaum und Eva Tsvetkova. Am Donnerstag, 18. Juni, war die beeindruckende Premiere im Singsaal. Weil die Bühne mit Turnhalle derzeit renoviert wird, fand das Spiel der Oberstufe im kleineren Raum statt. Trotzdem oder gerade deswegen war es intensiv. Die Lernenden hatten sich ihre Rollen auf den Leib geschrieben. Einzigartig ihre Monologe! Aber auch das Gruppenspiel beherrschten die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler sehr gut. Dank der langen Praxis von Res Beutler waren die Sprechszenen beeindruckend und die Spielszenen wirkten kompakt.
Wenn Spass in Angst umschlägt
Schon beim Morgenessen der Familie Bischof war der Widerstand gegen den Schulausflug der Tochter Mia in den Europa-Park spürbar. Nicht einmal das Vergessen der ID führte zum Verzicht. Die Mutter organisierte die Karte blitzartig. Die Carfahrt verlief ausser einer an Übelkeit leidenden Lernenden ohne weitere Zwischenfälle. Dann folgten der Spass beim Büchsenschiessen und auf der Achterbahn.
Wenn die grosse Angst kommt
Nicht allen, insbesondere Mia, war die Achterbahn geheuer. Doch infolge Gruppenzwangs ging sie mit. Das Spiel der Gruppe, die Bahn mit ihrem Auf und Ab darzustellen, war fantastisch. Ebenso die Monologe nach dem Zusammenbruch – oder war es ein Suizidversuch – von Mia? Julia fiel die Veränderung von Mia auf, die Mutter machte sich Vorwürfe, weil sie ihre Tochter zum Ausflug gezwungen hatte, und Tobias fühlte sich schlecht, weil er seine Freundin im Stich gelassen hatte. Er war nicht mit ihr losgezogen, weil er nicht wusste, wie er die Freundschaft Mias Bruder, seinem besten Kollegen, mitteilen sollte. Auch der esoterisch angehauchte und Didgeridoo spielende Lehrer Huber fühlte sich schuldig, da ihm bewusst gewesen war, dass etwas nicht stimmte, er aber die Festigung des Klassengeists priorisiert hatte.
Realität oder Traum
Mia selbst war sowohl von ihrer Mutter gestresst worden wie auch von ihrem Bruder mit seinen blöden Sprüchen. Und dann der Verrat ihres Freundes! Das war zu viel. Doch was genau war geschehen? Mia hatte keine Ahnung. Filmriss, Koma. Im Spital besuchten sie alle. Danach folgte ein Dialog zwischen Tobias und dem Bruder von Mia, der wütend war und nicht akzeptieren konnte, dass Mia die Freundin von Tobias war. Doch das Ganze endete glimpflich, mit einem Armbruch von Mia. Zum Schluss folgte die Schulabschlussfeier mit allen zusammen, mit Mia und ihrem Freund sowie dem versöhnten Bruder.
Jürg Wickart mischte sich unter das Publikum. Seit drei Jahren war er nicht mehr für das Schultheater verantwortlich. «Das Spiel war erfrischend. Toll, wie die Jungen den Mut haben, hinzustehen und zu spielen. Natürlich ist es auch schön, dass die Theaterprojekte von Res Beutler weitergeführt werden.» Der angesprochene Res Beutler: «Wir haben das Stück selbst erarbeitet. Für das Gelingen braucht es alle, sonst funktioniert es nicht. Bei den Proben galt es, flexibel zu sein, wenn jemand krank war oder sonst nicht kommen konnte.» Und es ist glücklicherweise nicht das letzte Theaterprojekt der Schule von Walzenhausen. Auch im nächsten Jahr können die Lernenden die Bretter, die die Welt bedeuten, während zwei Semestern kennenlernen.
Zwischen Achterbahn und Absturz