Für viele sind die Herbstferien vorbei. Wenn ich jeweils damit beginne, schon mal einige Dinge im Koffer zu verstauen, dann ist das meistens noch nicht das Ende, sondern erst der Anfang des Abschiedes von der Ferieninsel. Das Ende ist erst dann, wenn die Räder des Flugzeuges die Startpiste nicht mehr berühren. Aber nein, wenn ich im Flieger einen Fensterplatz habe und die Insel nochmals von oben sehe, gehört das ja auch noch zu den Ferien. Spätestens nach der Landung in Zürich oder erst dann, wenn ich glücklich wieder zu Hause bin, sind die Ferien wirklich fertig.
Die Frage nach dem endgültigen Abschied
Man sieht, nur schon bei mir gibt es verschiedene Schlusspunkte der Ferien. Und wie steht es um den Endpunkt unserer grossen «Ferien» auf der Erde, der irdischen Pilgerschaft? Wo setzen wir diesen an? Mit dem ersten Bezug der AHV-Rente wahrscheinlich schon noch nicht ganz.
Oder ist es dann, wenn ich lebenssatt oder mit unheimlichen Schmerzen mit einem frei gewählten Adieu abtrete? Oder dann, wenn im Spital medizinisch mein Aus erklärt wird, oder erst, wenn mein toter Körper das heilige, reinigende Feuer im Krematorium durchlebt hat?
Das irdische Zelt wird abgebrochen
Sogar als gläubige Christen haben wir womöglich sehr unterschiedliche Vorstellungen über unser irdisches Ende und über den klaren Zeitpunkt, wann dieses eingetreten ist. Der Apostel Paulus beschreibt den Tod in 2 Kor 5,1 bildlich mit «wenn das irdische Zelt abgebrochen wird». Und wenn wir bei diesem Bild bleiben: Erst wenn also das irdische Zelt abgebrochen ist, hat man für dieses keine Verwendung mehr und es kann entsorgt werden.
Organspende zwischen Glaube und Gewissen
Spätestens beim Thema «Organspende» wird eine Antwort auf die Frage nach dem unwiderruflichen Aus des Lebens aber sehr dringlich. Ab wann bin ich definitiv nicht mehr auf mein Zelt, auf meinen Körper angewiesen, wenn ich mich auf die Reise ins Jenseits aufmache? Oder wird mir womöglich ja nur ein Herantreten an die Schwelle des Todes geschenkt und ich bin nachher ganz froh, wenn ich in meinen Körper zurückgehen kann, der noch alle Organe enthält? Oder ist es umgekehrt sogar gut, wenn mein Leib funktionsunfähig gemacht wird, damit ich nicht den Fehler mache, nochmals in diese Welt zurückzukehren?
Bei solchen kaum beantwortbaren Fragen wird uns bewusst, wie die je individuelle Vorstellung über das Sterben und den Tod direkte Auswirkungen auf die Frage hat, was mit dem eigenen toten Körper angestellt werden soll und was nicht. Daraus folgt: Es wäre nicht statthaft, eine Verpflichtung für alle zur Organspende vom Gebot der Nächstenliebe ableiten zu wollen.
Adieu Ferien, adieu Leben: Ein letzter Blick auf die Ferieninsel