«Aus christlicher Sicht» heisst diese Rubrik, die Sie gerade lesen und die jeden Samstag in dieser Zeitung erscheint. Sie enthält Gedanken aus christlich-biblischer Sicht, über die es sich immer wieder lohnt, nachzudenken. Denn schliesslich können wir eine Person, ein Ereignis, eine Sache aus verschiedenen Sichten, Perspektiven betrachten und auch beurteilen.
Diese jüdischen Märchen wollen uns dazu führen. Sie wurzeln in der Bibel, in den Schriften des Alten Testaments. Die Bibel ist kein Unterhaltungsbuch, kein Werk blosser Literatur. Sie ist Gottes Wort. Sie will die Menschen erziehen, belehren, ermahnen, trösten.
Auch die jüdischen Märchen sind nicht nur zur Unterhaltung erdacht worden. Ihre Verfasser waren Wanderprediger, Gesetzeslehrer und Rabbiner, die ihre Hörer «erbauen» wollten. Die Geschichten, die sie sich zu diesem Zweck einfallen liessen, schmücken meist biblische Erzählungen aus.
Die Erschaffung des Menschen hat einen tieferen Sinn
So zeigt sich in der Erzählung über die Erschaffung Adams und Evas theologischer Scharfsinn: Warum hat Gott die ersten beiden Menschen gerade so geschaffen, wie es die Bibel berichtet? Er hätte doch auch anders gekonnt. Welche Absichten hatte der Schöpfer? Welcher Sinn steckt hinter seinem Tun? Und welche Lehren wollte er uns erteilen?
Gott erschuf den Menschen erst am letzten Schöpfungstag. Warum nicht am ersten? Damit sich später keine Mäuler finden, die das Gerücht verbreiten, Gott habe die Welt nicht allein geschaffen. Adam habe ihm dabei geholfen. Er schuf ihn auch als Letzten, damit der Mensch nicht überheblich sei. Gott sagte ihm: «Vergiss nicht, dass selbst das geringste Lebewesen vor dir geschaffen wurde!»
Gott hätte die Möglichkeit gehabt, mehrere Menschen auf einmal zu schaffen. Warum erschuf er Adam ganz allein? Hätte Gott mehrere Menschen auf einmal geschaffen, hätten sich die Nachkömmlinge späterer Generationen gerühmt: «Mein Vater war adeliger als deiner.» Daher schuf Gott nur einen Menschen, damit alle Nachkommen künftig wissen sollen, dass sie alle von einem Vater abstammen und keiner einer höheren oder niedrigeren Rasse angehört.
Der Mensch trägt Verantwortung für die Welt
Alle Lebewesen schuf Gott durch sein Wort, aber den Menschen bildete er mit seinen eigenen Händen. Zu diesem Zweck nahm er Erde von allen vier Enden der Welt, damit sich der Mensch überall zu Hause fühle. Und warum schuf Gott den Menschen nach seinem Ebenbild? Damit der Mensch an der Welt weiterbaut und die Arbeit verrichtet, die Gott vor ihm verrichtet hatte.
Werden in diesen Märchen nicht tiefe Wahrheiten ausgesagt, über die es sich immer wieder lohnt, nachzudenken?
Jüdische Märchen erklären, warum Gott Adam als ersten Menschen erschuf