Christlich • vor 1 Stunde

Schau dich um: Gedanken zum Kranz des Bergpanoramas

Was erzählen uns Berge über Gott und unser Leben? Gedanken über neue Perspektiven, die Schönheit der Schöpfung und die Hoffnung, von Gottes Segen umgeben zu sein.

Von Guido Scherrer, Pfarrer
aktualisiert vor 1 Stunde

Was für eine Aussicht tut sich vor unseren Augen auf! Ein Kranz von Hügeln und Bergen umgibt die weite, fruchtbare Ebene. Gerne lasse ich meinen Blick schweifen: von St. Anton über den Hohen Kasten bis zum Alvier, dahinter Pizol und Calanda, weiter zu den Drei Schwestern und schliesslich zur Hohen Kugel. Immer wieder fasziniert mich dieser Anblick: an einem Wintermorgen, wenn die Landschaft tief verschneit ist, oder bei Sonnenaufgang, wenn die freundlichen Strahlen der Sonne zuerst die Bergspitzen und dann die Flanken vergolden.

Woher kommt unsere Hilfe?

«Hebe deine Augen auf zu den Bergen, von welchen dir Hilfe kommt», diese Worte klingen in mir auf, verbunden mit der Melodie aus Felix Mendelssohns Oratorium Elias. Doch zugleich stellt sich die notwendige Korrektur ein: Eigentlich müsste hier ein Fragezeichen stehen: «Von welchen dir Hilfe kommt?» Nein, die Hilfe kommt nicht von den Bergen. Martin Buber bringt die Frage deutlich zum Ausdruck, wenn er Psalm 121 übersetzt: «Woher wird meine Hilfe kommen? – Meine Hilfe ist von ihm her, der Himmel und Erde gemacht hat.»

Wenn ich ringsum schaue, nehme ich wahr, wie das weite Land von Bergen umrahmt wird. Von den Höhen bringen die Winde Kühlung; in der Ebene breitet sich fruchtbarer Boden aus, der in vielfältiger Weise Lebensgrundlage ist.

Dann kommt mir auch der zweite Vers aus Psalm 125 in den Sinn: «Jerusalem, Berge sind rings um es her, so ist er rings um sein Volk von jetzt an und auf Weltzeit.» Welch einen Schatz an Dichtung hat sich das Gottesvolk bewahrt, einen Schatz, der auch in uns lebendig werden möchte, wenn wir schauen, was um uns ist!

Ich teile diese Aussicht mit vielen Menschen um mich herum – und mit manchen gewiss auch die Gedanken, die mir kommen, wenn ich mir bewusst mache, wer wir inmitten dieses Bergkranzes sind und wen wir um uns und über uns erahnen können. Nirgends ist dieser Kranz so gut zu sehen wie vom Tal aus.

Über den Dingen stehen

Im Sommer steigen wir in die Berge hinauf, um Kühlung zu finden. Im Herbst locken uns die klare Fernsicht, der Blick ins Tal und der Abstand zum Alltag. Wir gehen auf Distanz, und plötzlich erscheint klein und unbedeutend, was wir an Herausforderungen zurückgelassen haben. Wir stehen über den Dingen. Dieser Abstand tut gut, auch wenn Auf- und Abstieg unsere Kräfte fordern. Es tut gut, in die Berge hinaufzugehen und dem Himmel näherzukommen. Immer wieder suche ich von dort oben nach den mir vertrauten Orten und Plätzen. Ich sehe sie in anderen Dimensionen – und manchmal sehe ich auch, was hinter ihnen liegt.

In diesem Abstand erkenne ich oft, dass über allem ein Segen liegt. Dann kommt mir die Legende vom Monte San Salvatore bei Lugano in den Sinn. Seit dem 13. Jahrhundert ist der Berg ein Pilgerziel. Nach einer alten Legende soll Jesus dort bei seiner Auffahrt in den Himmel noch einmal Rast gemacht haben. Er wollte ein letztes Mal die Schönheit der Erde betrachten, die er nun verliess.

Für mich kann der San Salvatore überall sein. Denn überall kann ich diese Schönheit entdecken – eine Schönheit, in die ich wieder hinabsteigen darf, um sie nicht nur zu betrachten, sondern sie auch zu spüren und zu erleben.

Ob auf den Bergen oder in den Tälern: Wir sind von Segen umgeben. Darin liegt unsere Hoffnung.