Die Sommertage sind hell, sonnendurchflutet und warm. Am 21. Juni erleben wir den längsten Tag des Jahres. Danach werden die Tage langsam wieder kürzer. Licht und Dunkelheit, diese beiden Pole, prägen unser Leben.
Nicht nur in der Natur wechseln sich Licht und Schatten ab. Auch unsere Seele kennt helle Tage voller Freude, Hoffnung und Dankbarkeit. Und sie kennt dunkle Stunden: Angst, Trauer oder Krankheit.
Mitten hinein in diese menschliche Erfahrung spricht Jesus immer wieder einen Satz, der sich wie ein roter Faden durch das Evangelium zieht: «Fürchtet euch nicht!» Doch wie kann man Angst überwinden?
Eine wahre Begebenheit erzählt von einem Mann, der als Kind grosse Angst vor dem Schwimmen hatte. Einmal fiel er beinahe in einen Fluss. Dieses Erlebnis verfolgte ihn jahrelang. Eines Tages meldete er sich zu einem Schwimmkurs an. Anfangs stand er nur zitternd am Beckenrand. Doch ein geduldiger Schwimmlehrer blieb an seiner Seite. Er lernte zu vertrauen: dem Lehrer, dem Wasser und schliesslich sich selbst. Monate später schwamm er frei durch das Becken. Als man ihn fragte, wann seine Angst verschwunden sei, antwortete er:
Nicht die Angst ist zuerst verschwunden. Zuerst ist das Vertrauen gewachsen.
Vielleicht liegt darin ein wichtiger Schlüssel. Angst verschwindet selten auf Knopfdruck. Aber Vertrauen kann wachsen. Und wo Vertrauen wächst, verliert die Angst ihre Macht.
Unsere Ängste haben viele Ursachen. Sie stammen oft aus Erfahrungen der Vergangenheit, aus Enttäuschungen oder Verletzungen. Und tatsächlich gibt es auch heute genug Gründe, sich Sorgen zu machen: Kriege, Krankheiten oder Einsamkeit. Klingt da das biblische «Fürchtet euch nicht» nicht fast zu einfach?
Jesus meint damit nicht: «Es gibt nichts, wovor ihr euch fürchten müsst.» Er weiss um die Dunkelheiten unseres Lebens. Aber er sagt: «Ihr seid nicht allein.» Gott kennt jeden von uns. Er sieht unsere Sorgen und begleitet uns auf unserem Weg. Darum sagt Jesus: «Bei euch sind sogar die Haare auf dem Kopf gezählt. Fürchtet euch also nicht!» (Mt 10,30).
Es ist ein starkes Bild für die unendliche Fürsorge Gottes. Nichts in unserem Leben ist ihm gleichgültig.
Wenn wir das wirklich glauben könnten! Wie viel Angst könnte von uns abfallen. Wie viel Vertrauen, Zuversicht und Hoffnung könnten wachsen.
Nicht weil alle Probleme verschwinden, sondern weil wir wissen: Gott geht mit uns.
Darum lade ich Sie ein, gerade in den dunkleren Stunden des Lebens neu auf Gottes Zusage zu vertrauen. Er ist da. Er verlässt uns nicht.
So dürfen wir mit dem Psalmisten beten: «Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?» (Psalm 27,1).
Angst gehört zum Leben, doch Jesus ruft uns zu: «Fürchtet euch nicht»