Heute ist der 25. Juli; Zahltag. Stellen Sie sich vor, Sie hätten seit dem 20. Juli mit 23,85 Franken auskommen müssen. Was hätten Sie von diesem Geld gekauft?
Für viele Menschen in der Region ist die geschilderte Ausgangslage kein hypothetisches Gedankenspiel, sondern monatlich wiederkehrende Realität. Sie verdienen, meist trotz eines 100-Prozent-Arbeitspensums, nicht genug Geld, um alle Rechnungen bezahlen zu können. Für diese Menschen beginnt mit dem Zahltag das ständige, endlose Einteilen des Lohnes von vorn.
Dass in der Region Rheintal gemäss bundesamtlicher Statistik circa 6625 Menschen (Ende 2024, 8,4 Prozent der Wohnbevölkerung) von Armut betroffen sind, nehmen viele von uns nicht wahr. Armut ist in der Schweiz in der Regel unsichtbar. Armutsbetroffene Menschen versuchen, sich nichts anmerken zu lassen. Sie verbringen ihre Zeit oft zu Hause. Ausflüge, Hobbys oder einmal in einem Café zu sitzen können sie sich nicht leisten; viele von ihnen verlieren soziale Kontakte und werden einsam.
Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Armut krank macht und Krankheit wiederum einen Risikofaktor dafür darstellt, von Armut betroffen zu werden.
Wie gehen wir damit um, dass Menschen auch in unserer Nachbarschaft in Not sind?
Verschliessen wir, dem Priester oder dem Tempeldiener im Gleichnis des barmherzigen Samariters gleich, die Augen davor und gehen einfach weiter? Oder gehen wir auf unseren belasteten, einsamen, verletzlichen Nachbarn zu?
Die Voraussetzung, um einen ersten Schritt zu tun, ist, die Not wahrzunehmen und uns von ihr berühren zu lassen. Unsere Betroffenheit führt zu individuellen und hilfreichen Möglichkeiten, zu helfen. Sei es, indem wir Lebensmittel oder gut erhaltene, geeignete Gegenstände am richtigen Ort abgeben oder indem wir mit Menschen in der Nachbarschaft länger plaudern. Auch eine Geldspende für ein regionales Projekt hilft.
Vielleicht können wir unsere Zeit für ein regelmässiges, freiwilliges Engagement einsetzen.
Hilfsbereit zu sein, offene Ohren für die Not anderer zu haben und Nächstenliebe umzusetzen, sind nicht nur im Christentum, sondern auch in anderen Religionen fest verankerte Werte.
Anderen Menschen Respekt entgegenzubringen, ihre bedingungslose Würde anzuerkennen, konkret eine gute Samariterin oder ein guter Samariter zu sein, ist ansteckend und enorm bereichernd. Viel Freude beim Umsetzen.
Armut ist unsichtbar, Hinschauen und Helfen sind jetzt wichtig