Christlich vor 1 Stunde

Warum wir Ferienmomente nicht immer mit dem Handy festhalten müssen

Weniger Fotos aufnehmen, schafft Raum für echte Erinnerungen. Stille, Achtsamkeit und Gottes Nähe schenken neue Kraft für Herz und Seele.

Von Georg Changeth, Pfarrer
aktualisiert vor 1 Stunde

In der Urlaubs- und Sommerzeit besuchen wir beeindruckende Landschaften: Berge, Wasserfälle und stille Seen. Wo viele Menschen unterwegs sind, entstehen Selfies beinahe wie am Fliessband. Für einen Moment wird gelächelt, das Handy gehoben und der Augenblick festgehalten.

Früher war Fotografieren fast ein Handwerk. Ein Bild war kostbar, ein Andenken für viele Jahre. Heute entstehen in wenigen Minuten unzählige Aufnahmen. Doch wie viele davon sehen wir uns später noch einmal an?

Diese Frage macht nachdenklich: Schauen wir nur, oder lassen wir das Gesehene auch in unser Herz? Vielleicht sollten wir das Handy öfter beiseitelegen, still werden und das Schöne bewusst aufnehmen. Nicht jeder Augenblick muss gespeichert werden. Manche Erinnerungen sind am wertvollsten, wenn wir sie im Herzen bewahren.

An einer Felsenwand im Gebirge las ich in 1. Samuel 16,7: 

Der Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz.

Dieses Wort erinnert an David, den jüngsten und unscheinbarsten Sohn 
seiner Familie. Gott wählte ihn aus, weil er tiefer sah: auf sein Herz.

Auch die Ferien laden uns ein, bewusster wahrzunehmen: Hat unser Körper neue Kraft gefunden? Ist unsere Seele stiller, dankbarer und aufmerksamer geworden für Gott und unsere Mitmenschen?

Erholung ist kein Luxus. In der Bibel gehören Arbeit und Ruhe zusammen. Jesus zog sich immer wieder zurück, suchte die Stille und nahm sich Zeit zum Gebet. Trotzdem kommen viele Menschen müde aus den Ferien zurück. Vielleicht, weil auch die freie Zeit voll war mit Erwartungen und dem Wunsch, möglichst viel zu erleben. Wahre Erholung beginnt dort, wo wir nicht alles festhalten und leisten müssen.

Ein warmer Sonnenstrahl, der durch die Blätter fällt und unsere Haut wärmt, oder ein sanfter Windhauch, der unser Gesicht berührt und den Duft von Erde oder Blumen mit sich trägt. Beides lässt sich nicht fotografieren.

So ist es auch mit den wichtigsten Dingen des Lebens: Liebe und Achtsamkeit, Freude und Frieden können wir nur mit dem Herzen wahrnehmen. Ebenso ist es mit der Nähe Gottes, seiner Liebe und Zuwendung. Sie sind Geschenke, die wir nicht festhalten, aber mit offenem Herzen empfangen dürfen.

Vielleicht können wir etwas davon in den Alltag mitnehmen: einen stillen Morgen, einen Spaziergang ohne Handy, ein kurzes Gebet oder die Zeit, einem Menschen wirklich zuzuhören.

Teresa von Ávila schrieb:

«Nichts soll dich erschrecken. Alles geht vorbei. Gott allein bleibt derselbe. Wer Gott hat, dem fehlt nichts. Gott allein genügt.

Kostbar ist das Leben in seinen Augenblicken. Nicht, weil wir jeden davon fotografieren, sondern weil wir lernen, ihn wahrzunehmen, dankbar zu empfangen und im Herzen zu bewahren.