Christlich vor 2 Stunden

Der Duft gesegneter Kräuter erinnert an Gottes Nähe und die Hoffnung des Glaubens

Duftende Kräuter, gelebter Glaube und christliche Hoffnung verbinden sich an Maria Himmelfahrt zu einem Brauch. Die Kräutersegnung erinnert daran, dass die Natur ein Geschenk Gottes ist und der Mensch auf Vollendung bei ihm hoffen darf.

Von Stefan Kiesewetter, Seelsorger
aktualisiert vor 1 Stunde

Am 15. August gedenken die katholische Kirche und die Kirchen der Orthodoxie der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel, im Volksmund auch Maria Himmelfahrt genannt. Mitten im Sommer, wenn die Gärten blühen, die Wiesen voller Leben sind und Kräuter ihre stärkste Kraft entfalten, verbindet sich dieser Feiertag mit einem besonders schönen Brauch: der Segnung von Kräutern und Blumen.

Dieser liebevolle Brauch wird seit einigen Jahren in der Gemeinde Au gepflegt und sehr geschätzt. Schon beim Betreten des Gotteshauses liegt ein besonderer Duft in der Luft und erfüllt den Raum: Lavendel, Basilikum, Salbei und andere Pflanzen verströmen ihre unterschiedlichen Aromen und lassen ein wunderbares Raumklima entstehen.

Man riecht förmlich die Heilkraft der Kräuter, und gemeinsam erzählen sie von der Vielfalt und Schönheit der Schöpfung.

Seit Jahrhunderten sammeln Menschen rund um den 15. August Kräuter und binden sie zu Sträussen, denn gemäss den Lehrbüchern für Heilkräuter besitzen die Pflanzen um Maria Himmelfahrt die meisten Aromen.

Diese Kräutersträusschen werden in den Gottesdienst mitgebracht und dort gesegnet. Anschliessend erhalten sie zu Hause einen besonderen Platz. Der gesegnete Kräuterstrauss soll daran erinnern, dass die Kräfte der Natur nicht selbstverständlich sind, sondern ein Geschenk Gottes.

Segen ist ein Ausdruck von Dankbarkeit

Die Kräutersegnung ist jedoch keine magische Handlung. Die gesegneten Pflanzen ersetzen weder eine medizinische Behandlung noch garantieren sie Gesundheit. Der Segen richtet unseren Blick vielmehr auf Gott, den Ursprung allen Lebens. Er bringt unsere Dankbarkeit zum Ausdruck und erinnert uns daran, achtsam mit der Natur und ihren heilenden Kräften umzugehen.

Dass man zu Maria Himmelfahrt die Kräuter segnet, ist auch kein Zufall. Die Verbindung zwischen Maria und den Blumen reicht weit zurück. Eine alte Legende erzählt, dass die Jünger nach dem Tod Marias ihr Grab öffneten und darin nicht mehr ihren Leib, sondern Blumen und duftende Kräuter fanden. Der Duft wurde zum Zeichen dafür, dass Maria bei Gott vollendet ist. Ihr Leben, das ganz auf Gott ausgerichtet war, ist ganz in Gottes Gegenwart aufgehoben.

Maria Himmelfahrt erzählt deshalb von der christlichen Hoffnung, die uns geschenkt ist: Unsere Heimat ist im Himmel. Unser Leben führt über den Tod hinaus in die Gemeinschaft mit Gott. Was an Mariä Himmelfahrt gefeiert wird, ist zugleich ein Versprechen für uns alle. Gott lässt den Menschen nicht fallen: Er will ihn mit Leib und Seele vollenden.

Vielleicht berührt uns der Duft der Kräuter deshalb so tief. Er lässt sich nicht festhalten, breitet sich aus und erfüllt einen Raum.

Damit kann der Duft der Kräuter zu einem Bild für die Gegenwart Gottes werden: Wir können Gott nicht sehen oder festhalten, und doch kann seine Nähe unser Leben erfüllen – ebenso wie bei Maria.