Liebe Leserinnen und Leser, vielleicht kennen Sie solch ausweglose Situationen, in denen man am liebsten seine Sachen packen und weggehen würde. Einfach irgendwo neu beginnen.
In der Bibel befindet sich Ruth in einer solchen Situation. Sie hat ihren Mann und ihre Söhne verloren. Als Frau zu dieser Zeit, ohne männlichen Schutz, wäre sie wohl dem Untergang geweiht gewesen. Natürlich hätte sie sich einfach einen neuen Mann angeln können. Sie war ja noch nicht so alt und hätte sicher gute Chancen gehabt.
Eine Fremde in einem neuen Land
Doch was wäre aus ihrer Schwiegermutter Noomi geworden? Ihr wäre es sicher nicht so gut ergangen. Deshalb entschied sich Ruth, ihr Heimatland Moab zu verlassen und mit Noomi in deren Heimat auszuwandern.
Als Moabiterin war sie bei den Israeliten eine Aussenstehende, eine Fremde. Zudem hatten die Israeliten ganz andere Bräuche und Sitten, die sie nicht kannte. Noomi führte sie durch diese ihr neue und fremde Kultur. So kam sie auf die Felder von Boas, der sie aufnahm, gut behandelte und schliesslich zur Frau nahm. Wäre dies nicht geschehen, hätte König David wohl nie das Licht der Welt erblickt, denn Ruth war seine Urgrossmutter.
Ohne Ruth kein König David
Die ganze Geschichte dieser stark vereinfachten Erzählung finden Sie im Alten Testament im Buch Ruth. Der springende Punkt ist, dass ohne diese Fremde, diese Ausländerin, König David, eine der bedeutendsten Figuren des Alten Testaments, wohl nie existiert hätte.
Die Bibel ist voller Geschichten zum Thema Flucht. Denken wir zum Beispiel an die Auswanderung aus Ägypten oder an Jesus, der sich in den ersten Jahren seines Lebens in Ägypten vor Herodes verstecken musste.
Doch warum gelang die Integration?
Das sollte uns schon zu denken geben, wenn wir an den Umgang mit den zu uns Geflüchteten denken. Doch während ich das schreibe, höre ich schon die Gegenargumente: … Ruth hat sich integriert … Ruth hat sich an die Regeln gehalten … Ruth hat keine Gesetze gebrochen …
Ja, das hat sie in der Tat. Doch warum?
In jener Zeit hatte das Volk Israel eine Menge Gebote, Verbote und Gesetze, die für Aussenstehende kaum zu begreifen, geschweige denn zu befolgen waren. Ohne Noomi, die sie führte und ihr die Dinge erklärte, hätte sie wohl nicht überlebt. Noomi nahm Ruth an die Hand, zeigte ihr ihre Kultur und machte sie mit ihren Sitten und Bräuchen bekannt. Wir sollten wohl dasselbe tun und Menschen, die hier neu in diesem Land sind, an die Hand nehmen.
Oder in Jesu Worten: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.
In diesem Sinne einen schönen Sonntag.
Ruth fand als Fremde eine neue Heimat, weil jemand sie an die Hand nahm