Was war das für ein Abend im Sitterstadion? Mit einem begeisternden Auftritt gelang es St. Gallen, das grosse Benfica zu schlagen. Die Fans sprachen nach dem 2:1 gegen den portugiesischen Rekordmeister von einem historischen Sieg, ja von einem der grössten Siege in der Vereinsgeschichte. Sie liegen nicht falsch, wenn sie ihn mit dem 2:0-Sieg gegen Chelsea oder dem 1:0 in Freiburg vergleichen. Und es erstaunt nicht, dass die Party danach vor dem Stadion bis in die Nacht weiterging.
Auch die Spieler waren nach dem Heimsieg euphorisch. Lukas Daschner, der das 2:1 vorbereitete, sagte etwa: «Es ist ein super Gefühl, die kleine Sensation haben wir heute geschafft.» Den Grund für den Sieg verortet er in den Zweikämpfen, die St. Gallen mit beeindruckender Ruhe annahm. Das 1:1 kurz vor der Pause sei ärgerlich gewesen, «aber wie wir stabil geblieben sind, zeugt von einer unglaublichen Mentalität.»
St.Gallen trat überraschend dominant auf
Captain Lukas Görtler sagte, der FCSG habe nicht das typische Aussenseiterspiel gezeigt und das Spiel mit einem Konter gewonnen, sondern das gezeigt, «was St. Gallen ausmacht, und unsere Identität auf den Platz gebracht. Wir waren ziemlich dominant dafür, dass wir gegen Benfica gespielt haben.»
Weiter geht's für den FCSG am Sonntag, wenn der FC Zürich seine Aufwartung im Sitterstadion macht. Im Gegensatz zum Spiel vom Donnerstagabend gehen die Ostschweizer diesmal als Favoriten ins Spiel – zumindest gemessen an der Schlusstabelle der letzten Saison, die der FCSG auf dem zweiten Rang beendete. Für die Grün-Weissen gilt es, den gleichen Einsatz und die gleiche Zielstrebigkeit auf den Platz zu bringen wie gegen Benfica. Von vielen Wechseln in der Startelf ist nicht auszugehen, es kann aber sein, dass Stürmer Andrin Hunziker von Beginn an spielt.
Abgänge und ein ganz besonderes Erfolgserlebnis
Der FC Zürich hat die letzte Saison nur auf dem enttäuschenden zehnten Rang abgeschlossen. Er verlor 22 von 38 Spielen und kassierte 72 Gegentore. Auf dem Papier sind die St. Galler also deutlich favorisiert, allerdings hatten diese 2025/26 oft sehr viel Mühe mit dem FCZ. Dieser muss indes die Abgänge zweier Leistungsträger verkraften: Cheveyo Tsawa hat sich dem belgischen Topverein Brügge angeschlossen, Matthias Phaëton wechselte zu CSKA Sofia.
Auf der Zuzugsseite sieht es noch wenig erquicklich aus. Daniel Denoon ist von seiner Leihe nach Pisa zurück, ob er in Zürich bleibt, scheint aber nicht klar. Für das Tor hat der FC Zürich den routinierten Österreicher Heinz Lindner verpflichtet, für das offensive Mittelfeld Kevin Spadanuda. Der prominenteste Zuzug betrifft die Bank: Der FCZ wird neu von Marcel Koller geführt. Er ist eine GC-Legende, was die fanatischen Fans des FCZ nicht nur freut. Und er ist auch in St. Gallen eine Legende: Im Jahr 2000 führte Koller den FCSG sensationell zum Meistertitel.
Ein besonderes Erfolgserlebnis gab es im Sommer für FCZ-Mittelfeldspieler Livano Comenencia. Er stand nicht nur für Curaçao im WM-Einsatz, er erzielte auch das einzige Tor des karibischen Inselstaates – gegen einen gewissen Manuel Neuer.
Auf die Euphorie folgt für den FCSG der Start ins Tagesgeschäft