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Fussball vor 1 Stunde

Der FCSG ist Cupsieger – so lief der historische Fussballsonntag

«Ä neui Generation beflügle», stand auf der Choreo der St.Galler Fans im Cupfinal. Sie bot den Rahmen für einen Tag, der es in sich hatte – auf und neben dem Platz, in Bern und in St.Gallen. Hier gibt’s die Chronologie des Tages zum Nachlesen!

Von Remo Zollinger
aktualisiert vor 1 Stunde

07.34 Uhr, Bahnhof St.Gallen
Zustände wie an einem Bahnhof in Indien. Tausende von in grün-weiss gekleideten Menschen drängen in einen der Extrazüge. Alle paar Minuten fährt ein neuer ein. Harasse mit Bier werden eifrig verfrachtet. Die Vorfreude steht Jung und Alt ins Gesicht geschrieben.

08.57, Bahnhof Sargans
Die Reise mit dem Regelzug erweist sich als gemütlicher, besonders mit einem Sparklassenwechsel. Der Zug ist praktisch leer und auch im IR von Zürich nach Bern hat’s reichlich Platz.

10.08, Bahnhof Bern
Kaum aus dem Sonderzug ausgestiegen, werden die ersten Fanlieder angestimmt. Ein lautes «Hopp Sangalle» schallt über die Geleise. Die grüne Menschenmenge strömt Richtung Waisenhausplatz.

10.58, Lorrainebrücke
St.Galler Fans, soweit das Auge reicht, marschieren eindrücklich über die Brücke. Die Sonne brennt auf die elektrisierte Masse. Um 12 Uhr öffnet das Stadion.

11.34, Bahnhof Bern-Wankdorf
Die Ankunft unserer S-Bahn erfolgt zeitgleich mit der Ankunft des Fanmarsches. Tausende grün-weisse Fans strömen über die Strassen und verstopfen diese. Die St.Galler scheinen Bern für einen Tag «übernommen» zu haben.

12.23, Stadion Wankdorf
Die St.Galler Fans sind schon in der Kurve eingetroffen und bereiten ihre Choreografie vor. Auch der Regionalfussball ist im Wankdorf vertreten – etwa durch Bastian Geisser vom FC Rüthi, der beim FC St.Gallen eine Lehre im Medienbereich absolviert. Auch auf der Tribüne ist FC-Montlingen-Präsident Dominik Sieber, der Rheinecker «Eins»-Spieler Luca Müller postet ein Bild aus der Fankurve.

12.56, Einstimmung
Auf der Tribüne treffen immer mehr Fans ein. Zu ihnen gehören der Rebsteiner Pascal Roth, Co-Trainer der St.Galler Super-League-Frauen, und Ex-FC-Rebstein-Präsident Daniel Knöpfel in Gesellschaft des Marbacher Gemeinderates Janojan Thambirajah. Allgemein herrscht die Meinung, dass die Ostschweiz zu optimistisch ist – der Final muss zuerst gespielt werden! Derweil heizt der legendäre Speaker Richard Fischbacher die Stimmung nochmals auf.

13.20, Einwärmen
Kurz nach den Spielern von Stade Lausanne-Ouchy betreten auch die St.Galler das Feld, um sich für den Final warmzumachen. Es ist eindeutig zu sehen und zu hören, in welcher Überzahl die St.Galler Fans sind.

13.28, Aufstellungen
Auf der Medientribüne werden die Aufstellungen verteilt. Aus Rheintaler Sicht interessant: Der Rebsteiner Betim Fazliji und der Rheinecker Patrick Sutter nehmen auf der Bank Platz. Die Überraschungen halten sich in Grenzen, wobei man mit dem Einsatz von Mihajlo Stevanovic nicht unbedingt hätte rechnen können. Zuletzt spielte der Zentralschweizer aber gut, womit er sich diese Nomination verdient hat.

13.53, Choreografie
Die Choreo der Fans steht unter dem Motto «Ä neui Generation beflügle». In der Tat ist es 57 Jahre her, seit der FCSG den Schweizer Cup gewonnen hat – es ist höchste Zeit, einen Titel zu holen, das wissen auch die Supporter. Doch noch stehen dem grossen Fest 90 Minuten Fussball bevor. Es knistert in der Luft, die Spannung ist förmlich greifbar.

14.04, erste Spielzüge
Der FC St.Gallen startet wie die Feuerwehr, sucht sofort die Offensive. Noch fehlt bei diesen Bemühungen die Präzision, es ist aber zu erkennen: Der FCSG will ein frühes Tor, um gar nicht erst Spannung aufkommen zu lassen. Und er geht durchaus mit Härte zur Sache, die Gäste beissen bisher auf Granit. Doch noch sind erst fünf Minuten gespielt.

14.08, erste Explosion
Und da ist das frühe Tor! Der FCSG geht in Führung, Aliou Baldé hat per Kopf Tom Gaal bedient, der die Ostschweizer aus kurzer Distanz in Führung bringt. Es läuft bisher alles nach Plan.

14.19, Stimmung
Die Stimmung ist grandios. Die St.Galler Fans haken ein, singen gemeinsam – und das über drei Tribünen gleichzeitig. Es sind wohl 20'000 Frauen, Männer und Kinder hier, die die Ostschweizer unterstützen. Derweil hat auch Ouchy seine erste Chance, der Ball geht aber vorbei. Durchschnaufen! Es dauert noch 70 Minuten plus Nachspielzeit, gewonnen ist noch nichts.

14.28, Tom Gaal
Er scheint sich einiges vorgenommen zu haben, Verteidiger Tom Gaal. Fast hätte er sein zweites Tor erzielt – es hätte sogar eines sein müssen, streng genommen. Aber Ouchy-Goalie Léo Besson ist zur Stelle.

14.37, Duplizität der Ereignisse
Das Spiel erinnert stark an den Halbfinal in Yverdon. Schon dort ging St.Gallen früh in Führung, verpasste es aber, nachzulegen. Bisher ist das auch im Final so. Der FCSG spielt deutlich besser als der Gegner, aber es steht nach wie vor nur 1:0 und die Westschweizer verstecken sich nicht. Es bleibt spannend.

14.44, nächste Explosion
St.Gallen-Torhüter Lukas Watkowiak, bisher fast beschäftigungslos, begeht einen schweren Fehler, nach dem ein Ouchy-Stürmer allein auf das Tor zuziehen kann. Der Goalie bügelt seinen Fehler aus, indem er ein Foul begeht – und dafür mit der roten Karte vom Platz fliegt. Er hat sich für das Team geopfert, allerdings muss dieses für den Rest des Spiels mit einem Mann weniger auskommen. Alessandro Vogt macht für Lawrence Ati Zigi Platz. Damit geht Vogts Zeit beim FCSG aus persönlicher Sicht auf etwas frustrierende Weise zu Ende.

15.14, durchschnaufen
Stade Lausanne-Ouchy hat nach der Roten gegen Watkowiak Lunte gerochen und begibt sich in die Offensive. Beinahe wäre den Westschweizern in der 51. Minute der Ausgleich gelungen, der Abschluss streicht aber am Tor vorbei. Dann hat Landry Nomel noch eine Chance für Ouchy.

15.22, Penalty?
St.Gallens Baldé reklamiert einen Penalty, die Szene geht aber ohne Elfmeter weiter und Carlo Boukhalfa kommt zu einer Chance auf das zweite Tor, er schiesst aber auch vorbei. Es bleibt spannend… Und dann prüft der Schiedsrichter die Situation doch noch und entscheidet auf Penalty.

15.27, Penalty! Tor!
Lukas Görtler läuft an und verwandelt in der 66. Minute souverän zum 2:0.

15.35, das grosse Warten
«Es ist gelaufen», sagt mein Nachbar Michael Knöpfel. In der Tat scheint das so zu sein – das Spiel plätschert vor sich hin, es geschieht nicht mehr viel. Man sieht: Das grosse Warten auf den Schlusspfiff und die Feier ist angebrochen.

15.44, «Espemoos!»
Die St.Galler Fans auf drei Seiten des Stadions erheben sich und lassen, mit dem Schal in der Hand, ihr altes Stadion aufleben. Es sind Gänsehaut-Momente, die sich in Bern abspielen.

15.49, Chance Ouchy
Noch einmal läuft es den St.Gallen-Fans kalt den Rücken herunter: Ouchy hat eine gute Chance, doch der Schlenzer landet über dem Tor. Die Fans feiern den Sieg indes schon, «und fiired de Moment», singen sie. Die Stimmung ist auf dem Siedepunkt, es sind nur noch zwei Minuten zu spielen und es ist klar: Der FC St.Gallen ist Schweizer Cupsieger 2025/26!

15.55, Was für ein Tor!
Christian Witzig kommt in der 91. Minute auf das Feld und erzielt mit seinem ersten Ballkontakt das 3:0. Es ist nicht irgendein Tor, sondern ein richtiges Traumtor. Dann stürmt er über den Platz, um mit dem St.Galler Publikum zu feiern – ein würdiger Schlusspunkt unter eine starke Vorstellung des FCSG.

16.07, Abpfiff
Nun ist es also passiert, der FC St.Gallen schlägt Stade Lausanne-Ouchy 3:0 und gewinnt den Schweizer Cup. Ein spielerisches Glanzstück war es nicht wirklich, aber das muss es in diesem Zusammenhang ja auch nicht sein. Das Einzige, was zählt, ist der Titel, und den hat der FCSG sich gekrallt.

17.20, Bahnhof Wankdorf
Man wartet auf die letzten beiden Extrazüge und begibt sich zurück in die Ostschweiz. In den Waggons ist die Stimmung ausgelassen, jeder und jede herzt jede und jeden. Es herrscht eine herrliche Stimmung und alle freuen sich auf die Feier in St.Gallen.

21.21, St.Gallen, beim Marktplatz
Die ganze Gegend um den Marktplatz ist abgesperrt – nicht einmal Journalisten dürfen ins Epizentrum des Festes. Dann wird der Weg aber doch noch freigegeben.

21.44, es ist laut
Es ist eine riesige Party, doch noch fehlen die Protagonisten, weil die siegreiche Mannschaft noch nicht eingetroffen ist und die Fans genau auf diesen Moment warten. Die Fans sind da, inszenieren das nächste beeindruckende «Wer nöd gumpet isch kein St.Galler» und feiern sich selbst.

22.04, Party!
Die Mannschaft ist da. «Lukas Watkowiak!» dröhnt es durch die St.Galler Gassen. Der Goalie, der in der ersten Hälfte mit Rot vom Feld flog, wird wie alle anderen gefeiert, weil er sich diesen Moment verdient hat. Es ist spürbar: Er hat sich mit der roten Karte nicht unbeliebt gemacht, eher im Gegenteil. Und dann entwickelt sich ein wildes Fest mit zehntausenden Fans, die sich mit dem Team über diesen historischen Triumph freuen. Auch Betim Fazlijis Name wird skandiert, während Feuerwerk den Nachthimmel erhellt.

23.08, Bahnhof St.Gallen
Die winzige S-Bahn ins Rheintal ist äusserst gut gefüllt, doch das stört niemanden – die Leute sind freudetrunken, singen, diskutieren. Auch Fahrlehrer Peter Sigrist aus Diepoldsau ist dabei und freut sich: «Das hat der Verein nach so vielen Jahren ohne Titel einfach nur verdient», sagt er. Und fasst damit den Tag hervorragend zusammen.