Nach dem Spiel bildeten sich um die Spieler des FC St.Gallen grosse Ringe. Vor allem Kinder, aber auch viele Erwachsene wollten sich nicht entgehen lassen, ein Autogramm von den Ostschweizer Cuphelden zu erhaschen. Der Gegenstand, auf dem diese Unterschrift landete, war völlig frei wählbar: vom bunten Fussballschuh über die Sprühflasche – solche wurden an diesem Tag in grosser Zahl herumgereicht – bis zum klassischen Trikot war alles dabei.
Die Spieler schienen das Bad in der Menge zu geniessen, freuten sich aber auch auf die kühle Dusche. Denn an diesem Nachmittag war es vor allem eines: heiss. Beim historischen Cupspiel zwischen dem FC Widnau und dem FC St.Gallen war es 33 Grad heiss, an diesem Samstag noch vier Grad mehr. Roger Keller, beim SGKFV für den Schulfussball verantwortlich, sagte aber: «Wenn es regnet, ist es ja auch nicht gut.» Es mag aber mitunter am Wetter gelegen haben, dass die Kulisse etwas kleiner war als erwartet, aber sie stimmte mit den angesprochenen 1870 Fans immer noch. Und der FC Widnau verstand es als Co-Gastgeber einmal mehr, ein schönes, gut organisiertes Fussballfest auf die Beine zu stellen.
Ein Auftritt, der schöne Folgen hatte
Der FC St.Gallen schwimmt auf einer Euphoriewelle. Er hat kürzlich zum zweiten Mal den Schweizer Cup gewonnen, was eine ganze Region in Ekstase versetzt hat. Dafür steht auch der Auftritt der Fussballer am Openair St.Gallen: Die grün-weissen Fans dichteten über «Mon Amour», den Megahit der Band Hecht, einen Fan-Song, der sie durch die ganze Cupsaison begleitet hat. Die Band – aus Luzern, woher einer der grössten Rivalen des FCSG stammt – versprach, dass sie das umgedichtete Lied am Openair spielen würde.
Sie hielt Wort. Nicht nur das: Mehrere Spieler waren am Hecht-Auftritt dabei, brachten den Pokal mit – und auch viele Fans waren auf der Bühne zu sehen. Einer der Spieler, die auf der grössten Bühne der Ostschweiz standen, war Lukas Watkowiak. Der etatmässige Ersatz-, aber im Cup Stammgoalie genoss den Auftritt und wurde in Widnau darauf angesprochen. «Lukas, war es gut am Openair?», fragte ein Fan. Watkowiak antwortete mit einem Augenzwinkern: «Super! Ich wäre jetzt lieber dort als hier!»
Trotz der Hitze war es ein unterhaltsames Spiel
Der FCSG startete danach aktiv ins Spiel, aber auch die Altacher Gäste, die in der höchsten Liga Österreichs spielen, zeigten sich engagiert. Die ersten zehn Minuten waren überraschend intensiv und liessen darauf hoffen, dass es nicht einfach ein müder Sommerkick werden würde. Das war das Spiel in der Tat nicht: Die Mannschaften – beide standen in diesem Jahr im Cupfinal – schenkten sich nichts und boten den Zuschauerinnen und Zuschauern gute Unterhaltung.
Beim FCSG sass der Rebsteiner Betim Fazliji, der auf eine schöne Fangemeinde zählen durfte, zuerst auf der Bank, dafür spielte der von Aarau geholte Leon Frrokaj von Beginn an. Bis zur ersten Chance dauerte es allerdings eine Weile – in der 27. Minute brauchte es Watkowiak, um St.Gallen vor einem Rückstand zu bewahren. Fünf Minuten später gab es dann das erste Tor: Zuerst blieb Diego Besio in der Altacher Abwehr hängen, doch direkt danach traf Captain Lukas Görtler zum 1:0.
Die Vorarlberger antworteten darauf mit dem 1:1. Vier Minuten nach ihrem Rückstand war es ihr Urgestein Benedikt Zech, das den Ausgleich erzielte. Kurz vor der Pause traf St.Gallen dann erneut, Aliou Baldé setzte sich über die rechte Seite durch und stolperte den Ball ins Tor. Zur Pause führte der FCSG 2:1, obwohl er nicht unbedingt die bessere Mannschaft gewesen war. Das Spiel blieb bis zum Pausenpfiff unterhaltsam.
Der Lokalmatador macht das entscheidende Tor
Zur Pause wechselten beide Mannschaften durch, was im ersten Testspiel im Sommer jeweils üblich ist. Und zwölf Minuten später glich Altach durch Yann Massombo, der von einem Stellungsfehler in St.Gallens Abwehr profitierte, zum 2:2 aus. Nur vier Minuten später lagen die Ostschweizer wieder in Führung. Es war fast ein wenig kitschig, dass dieses Tor Betim Fazliji gelang; er verwertete eine Hereingabe von Christian Witzig souverän. Fazliji war lange verletzt, ist in St.Gallen aber ungebrochen sehr beliebt – was sich dann auch nach dem Spiel zeigte.
Nach dem 3:2 hatten beide Mannschaften noch gute Möglichkeiten auf weitere Tore, sie blieben bis zum Schluss aktiv und zeigten viel Einsatz. Es blieb dann allerdings doch beim knappen St.Galler Sieg – und dann begann das grosse Fest des St.Galler Kantonalfussballverbandes.
Der St. Galler Kantonalfussballverband feierte sein 100-Jahr-Jubiläum
Nach dem Spiel trafen sich rund 300 geladene Gäste im Festzelt zu einem Galadiner, das von vielen Auftritten begleitet war. Grund dafür war das Jubiläum des SGKFV, für den mit Peter Witschi aus Diepoldsau der Präsident auf der Bühne stand. Er war aber nicht der Einzige, der zum Publikum sprach.
Stephan Häuselmann, Präsident des Ostschweizerischen Fussballverbandes, sagte etwa: «In unserer Region gibt es Spielerinnen und Spieler aus 102 Nationen, und alle sprechen eine Sprache: die Sprache des Fussballs.» Das verbindende Element des Sports sprach auch Regierungsrätin Bettina Surber an. «Der Kanton St. Gallen ist mit seiner Ringform ein wenig schwierig. Und bei allem, was wir als Regierung auch versuchen: Das, was der FC St. Gallen hinkriegt, bekommen wir nie hin. Dieser Verein bringt unseren Kanton zusammen und schafft Identität.»
Ein Teil des Abends, durch den Moderator Ralph Dietsche gewohnt souverän führte, waren auch Beni Bruggmann und Hansueli Steiger. Der Widnauer Bruggmann sagte, er habe die Frage, ob er die Texte für die Jubiläumsbroschüre des SGKFV schreibe, sehr gern bejaht. «Damit begann für mich eine Zeit des Suchens, des Lesens, des Fragens, des Formulierens und des Nachdenkens», sagte Bruggmann. Sein Werk kann sich sehen lassen – auch dank der vielen schönen Bilder des Marbachers Hansueli Steiger.
Ein Profispiel mit einem kitschigen Ende: Fazliji schiesst den FCSG zum Sieg