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Immer noch für den FC Widnau im Einsatz – jetzt am Mikrofon

Der FC Widnau scheidet im Spiel gegen den SC Buochs mit einer 0:2-Niederlage aus dem Schweizer Cup aus. Der Speaker, ein Ur-Widnauer, hat klare Vorstellungen von seinem Job.

Von Beni Bruggmann
aktualisiert vor 1 Stunde

Marcel Köppel kommt eine Stunde vor Spielbeginn auf den Widnauer Fussballplatz. So hat der Speaker genug Zeit, bei den Verantwortlichen die Aufstellungen der Teams zu holen und zu erfragen, wie die Männer des Schiedsrichtertrios heissen. Damit sind seine Unterlagen bereits komplett, denn was er an Werbung durchgeben wird, sind Texte, die er in jedem Spiel vorliest. Pflichtstoff sozusagen.

Im Speakerraum sitzen sie zu zweit. Marcel Köppel ist am Mikrofon. Sein Partner Christian Zellweger bedient die riesige LED-Tafel, die seit März des letzten Jahres am Südwestende des Spielfelds steht. Auf der Fläche von viermal fünf Metern werden alle Angaben zum Spiel wie zum Beispiel der Torschütze oder die Auswechslungen eingeblendet. So eine Anzeige findet man nur in grossen Stadien, zum Beispiel im Berit Sitterstadion des FCSG. Die moderne Anzeigetafel als Konkurrenz zum Speaker? «Nein», sagt Marcel Köppel, «sie ist die ideale Ergänzung zum Sprecher.»

Kameradschaft

«Der FC Widnau ist mein Verein. Ich bin gern mit Fussballern zusammen, schätze die Kameradschaft.» Marcel Köppel beginnt als Junior beim FCW, und er ist heute noch dabei. Dazwischen liegt eine spezielle Fussballkarriere. Schon im Alter von 17 Jahren spielt er in der ersten Mannschaft, die in der 2. Liga zu den Spitzenteams gehört. Er ist ein flinker Stürmer, der immer wieder Tore schiesst. Doch die grosse Karriere wird es nicht, weil er der Ausbildung mehr Gewicht gibt als dem Sport.

Als er in Freiburg mit seinem Jurastudium beginnt, wechselt er nicht zu einem Verein in dieser Umgebung, sondern bleibt dem FCW als «Wochenend-Spieler» erhalten. Das bedeutet, dass er ohne Training keinen Platz in der ersten Mannschaft hat. Die zweite Mannschaft wird zu seiner zweiten Heimat.  

Das aktive Fussballleben klingt so aus wie bei vielen seiner Kollegen: Spieler bei den Senioren, dann bei den Veteranen, und am Schluss immer noch am Trainingsabend seiner Kollegen auf dem Sportplatz Aegeten, aber nur noch als Zuschauer, der erst im zweiten Teil aktiv wird. Zusammensitzen. Erinnern. Diskutieren.

Klare Speaker-Vorstellung

Vor sieben Jahren kommt die Anfrage. Widnau sucht einen Speaker. Er sagt zu, denn er ist es von Berufes wegen gewohnt, zu sprechen. Er wirkt schon seit vielen Jahren als selbstständiger Anwalt in einer Kanzlei in Sargans.

Für seinen neuen Job hat er kein besonderes Vorbild, aber eine klare Vorstellung. «Sachlich, natürlich, wenig Emotionen. Und den Gegner achten.» So ist es auch an diesem Cupnachmittag auf der Aegeten. Seine Durchsagen sind klar und knapp, dank der Lautsprecheranlage gut verständlich. Und sie stimmen. Meistens.

Wickelt sich das Spielgeschehen auf der Nordseite des Platzes ab, hat der Speaker beste Sichtverhältnisse. Er sieht alles aus nächster Nähe. Im anderen Fall, wenn auf der Gegenseite gespielt wird, ist es schwieriger. Der Sprecherraum ist nicht erhöht, und gelegentlich spazieren Zuschauer durchs Blickfeld. «Wenn dort ein Tor fällt, verfolgen wir beide jeden Schritt der Spieler und hoffen, dass wir den Torschützen herausfinden. Da kann es passieren, dass wir nicht den Richtigen erwischen. Aber das ist selten.»

Der Höhepunkt

Marcel Köppel wirkt als Sprecher abgeklärt, sicher, überzeugt. «Das war beim Cupspiel gegen den FC St.Gallen im Jahr 2023 ein wenig anders. Über 6000 Zuschauer, der prominente Gegner. Da war ich etwas nervös – aber alles ist perfekt abgelaufen. Dieses Spiel ist für uns alle vom FCW ein Höhepunkt.» Diesen Höhepunkt kann es diese Saison nicht mehr geben, der Cupwettbewerb ist abgeschlossen. «Unser Team ist in der 1. Liga sehr gefordert, ist oft am Limit. Aber der Kampfgeist, der stimmt.»

Fussballfamilie

Marcels Frau Elfi hat beim FCW Fussball gespielt. Sohn Nicolas gehört heute noch zum dritten Team Widnaus, das in der 5. Liga spielt. Dort ist er Co-Trainer. Tochter Sandra ist die Ausnahme in der Familie. Sie hat den Verein gewechselt. Vom FC Widnau ist sie vor einiger Zeit zum neu gegründeten Frauenteam von Rebstein gezogen, zusammen mit ihren Freundinnen. Freundschaft ist noch wichtiger als Kameradschaft.