proLitteris
Fussball • 24.10.2026

In Bern gibt’s für den FC St.Gallen nichts zu holen

Die drei Spiele andauernde Ostschweizer Siegesserie im Wankdorf ist gerissen: Am Samstag gab es für den FC St.Gallen bei den Berner Young Boys keine Punkte. YB steigerte sich nach der Pause und verdiente sich einen 2:0-Heimsieg.

Von Remo Zollinger
aktualisiert am 24.10.2026

27 Minuten waren im Berner Wankdorf schon gespielt, da schloss der St.Galler Captain Lukas Görtler einen Angriff ab. Sein Abschluss war für Marvin Keller im Berner Tor keine wirkliche Prüfung, markierte aber eine Zäsur: Er war im ganzen Spiel der erste Schuss, der auf eines der beiden Tore kam. Zuvor gab es den einen oder anderen Versuch, vor allem aufseiten der Berner, aber keiner fand den Weg zwischen die Pfosten.

Und, um dies vorwegzunehmen: Daran änderte sich bis zum Pausenpfiff nichts. YB gegen St.Gallen war nicht das Offensivspektakel, das die Fans von dieser sonst oft torreichen Affiche erwarten durften. Vielmehr schlossen die beiden Abwehrreihen den Riegel, liessen die Offensivabteilungen nicht zur Geltung kommen. Dass dies St.Gallens Plan war, war schon vor dem Spiel bekannt. Trainer Enrico Maassen hatte am Freitag gesagt, seine Mannschaft müsse vor allem hinten kompakt stehen, um der riesigen Berner Offensivpower Herr werden zu können.

Ein Spiel, das seltsam emotionslos ablief

Es war keine langweilige erste Halbzeit, aber eine, der sehr viel fehlte. Es waren nicht nur die Offensivaktionen, die es kaum gab, sondern auch die Emotionen, die fehlten. Die Begegnung, die sonst oft auch über die emotionale Schiene gefahren wird, fand auf dieser nicht statt. Es gab in den ersten 45 Minuten keine einzige Verwarnung, kein Gerangel, keine Meinungsverschiedenheiten. Das Spiel plätscherte vor sich hin.

YB hatte mehr von diesem, startete als Favorit offensiver, spielte aber viel zu viele Fehlpässe. Und wenn einmal ein Ball ankam, war da die St.Galler Abwehr – etwa in der zehnten Minute, als YB nach einem Angriff über die rechte Seite zu einer Halbchance kam; Herba Guirassy konnte die Hereingabe von Christian Fassnacht aber nicht verwerten, weil Tom Gaal zur Ecke klärte. Guirassy war auch sonst auffällig, doch in der 35. Minute klärte auch Hugo Vandermersch gegen den Guineer. Und in der 40. Minute schoss der bosnische Nationalspieler Armin Gigovic weit über das Tor.

YB und St.Gallen verbindet, dass ihre Abwehren im bisherigen Lauf der Saison ziemlich löchrig sind. Doch sie verbindet auch, dass auf der einen Seite Gaal und auf der anderen Seite Cedric Zesiger zurückgekehrt sind. Die Abwehrpatrons spielten ihre Qualitäten aus. So war auch vom St.Galler Sturm in der ersten Hälfte nichts zu sehen. Aliou Baldé wirkte bemüht, hatte gegen Zesiger aber einen schweren Stand. Und Andrin Hunziker rieb sich auf, verlor aber zwei Drittel der Zweikämpfe. So war nach vorne nichts zu holen – und auf beiden Seiten blieb nur die Hoffnung auf Besserung nach der Pause.

YB kann sich steigern, der FCSG nicht

Diese Hoffnung stellte sich für die Berner dann als berechtigter heraus als für die Gäste. YB steigerte sich deutlich, drückte St.Gallen in seine eigene Hälfte. Zuerst reklamierten die Berner einen Penalty (49.), dann war es Edimilson Fernandes, der in der gleichen Minute den ersten Berner Torschuss der Partie anbrachte. Wenig später scheiterte Fassnacht an Lawrence Ati Zigi, und dann reklamierten die Berner erneut, doch Samuel Essende liess sich deutlich zu theatralisch fallen, um einen Pfiff zu bekommen.

Es war nun zu sehen, dass YB deutlich mehr vom Spiel hatte. Und die Berner belohnten sich. Nach einer Ecke von der linken Seite geriet der Ball auf Rechts zu Fernandes, der in die Mitte flankte, wo Essende per Kopf sein zwölftes Saisontor erzielte. Damit war es noch nicht getan, die Berner Druckphase hielt an, und in der 62. Minute traf Guirassy mit einem sehenswerten Schuss den Pfosten. Damit kündigte der von Nantes zu YB gestossene Guirassy das 2:0 an, das er zwei Minuten später erzielte. Erneut ging dem Tor ein stehender Ball voraus, der Guineer stand genau richtig und belohnte sich für seinen starken Auftritt mit dem persönlichen Erfolgserlebnis.

Auch in Überzahl gelingt dem FCSG nichts

Damit war die Partie entschieden, was vor allem daran lag, dass St.Gallen eine miserable zweite Halbzeit spielte. Bei den Ostschweizern waren weiterhin kaum Emotionen zu erkennen. Und nach vorne ging gar nichts. Daran änderte auch ein Witz-Entscheid von Schiedsrichter Lukas Fähndrich nur wenig. In der 78. Minute stieg YBs Fernandes engagiert in einen Zweikampf mit Görtler und sah dafür die gelbe Karte. Diese war streng, man kann sie jedoch geben. Dass Fähndrich danach vom VAR zur Kontrolle gebeten wurde, war jedoch nicht verständlich. Und noch viel weniger verständlich war, dass der Schiedsrichter nach Konsultation der Bilder auf eine direkte rote Karte gegen den Berner entschied.

St.Gallen agierte nun in Überzahl, brachte aber auch nicht viel mehr zustande. Lukas Daschner prüfte Keller mit einem Weitschuss, dann klärte Zesiger auf der Linie einen Abschluss des eingewechselten Chima Okoroji (84.). In der restlichen Spielzeit konnten sich die Ostschweizer dann keine Chancen mehr erarbeiten, sodass die drei Punkte verdientermassen in Bern blieben.

Super League 
Young Boys – St.Gallen 2:0 (0:0) 
Wankdorf – 24266 Zuschauer – SR: Fähndrich; Hirzel, Lötscher.
Tore: 59. Essende, 64. Guirassy. 
Young Boys: Keller; Schmidt (89. Janko), Jenz, Zesiger, Bukinac; Fassnacht (73. Virginius), Gigovic, Fernandes, Guirassy (73. Sène); Sanches (81. Lauper); Essende (89. Wüthrich). 
St.Gallen: Zigi; Gaal, Stanic (80. Fazliji), Heydari; Daschner; Vandermersch (86. Frokaj), Görtler, Boukhalfa (60. Okoroji), Stevanovic; Hunziker, Baldé (60. Scherrer). 
Gelbe Karten: 76. Jenz, 90. Frokaj. 
Rote Karte: 78. Fernandes.