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Fussball 19.07.2026

Ralph Heeb beendet erneut eine Durststrecke: Au-Berneck gewinnt

Der FC Au-Berneck gewinnt dank einem 4:1-Sieg im Final gegen Rorschach-Goldach das Pokalturnier und stellt mit Orhan Ademi und Garret Eppler auch die beiden treffsichersten Torschützen. Trainer Ralph Heeb ist damit erneut ein wahrer Coup gelungen.

Von Hansueli Steiger
aktualisiert am 19.07.2026

Mit dem FC Au-Berneck hat sich dieses Jahr ein neuer Name in die «Hall of Fame» der Pokalturniersieger eingetragen. Erst einmal hat in der Turniergeschichte eine Vertretung von der Tägeren gewonnen. Es ist 42 Jahre her: 1984 holten sich die Gelb-Blauen, damals noch als FC Au, zum ersten und einzigen Mal den Sieg. Heuer wurde dieser Bann gebrochen. Trainer Ralph Heeb hat es geschafft, ein Jahr nach dem Titel mit Rebstein (nach 44 Jahren) erneut Pokalturnier-Geschichte zu schreiben und eine lange Durststrecke zu beenden.

Das Team von der Tägeren war der verdiente Sieger in einer Austragung, die wettermässig von strahlendem Sonnenschein über Windböen bis zu sintflutartigem Starkregen alle meteorologischen Facetten bot. Zwar fehlte der Schneefall, doch könnten die kleinen Hagelkörnchen, die während des Halbfinal-Penaltyschiessens zwischen Au-Berneck und Rüthi auf die Spieler niederprasselten, ja zu dieser Kategorie gezählt werden.

Goalie-Pech bei Altstätten, Appenzell hatte Spass

«Wir hatten Riesenspass. Es ist ein richtig schönes Turnier», sagte Marco Pola, Trainer des FC Appenzell. Der Drittligist zeigte vor allem am Samstag eine starke Leistung. Der Turnierneuling gewann zuerst gegen Altstätten 1:0 und dann gegen Diepoldsau-Schmitter im Spiel um Platz fünf. Auch neben dem Feld erwiesen sich die Appenzeller als Team, das viel Sitzleder mitbringt und zur guten Stimmung am Turnier beitrug. Der Sieg der Innerrhoder gegen Altstätten, das gegen die gut stehende Defensive mit dem Ex-Altstätter Damian Moser wenige Lücken fand, war nicht die einzige Überraschung in den Klassierungsspielen, in denen sich die Drittligisten gegen Oberklassige durchsetzten.

Im Parallelspiel gewann Diepoldsau gegen Montlingen 2:1. Die Kolbensteiner hatten kurz vor Schluss Pech, als Nurkan Ibrahimi einen Freistoss unhaltbar ansetzte, dem Torerfolg aber die Querlatte im Weg stand. Appenzell-Co-Trainer Manuel Baumann sagte derweil: «Gegen Altstätten haben wir richtig gut gespielt. Jetzt holen wir den fünften Platz. Diepoldsau kennen wir.» Sein Team lieferte: Appenzell besiegte die Rheininsler 3:1.

Altstätten und Montlingen, die zuvor den Kürzeren gezogen hatten, traten im Spiel um Platz sieben gegeneinander an. Das Resultat dieses Spiels geriet aber zur Nebensache. Nach einem Zusammenstoss musste Altstättens Torhüter Diego Eugster längere Zeit auf dem Feld behandelt werden. «Es war ein ganz normaler Zweikampf. Unseren Goalie hat es aber an der Stirn erwischt», sagte der Altstätter Coach Giusi Castrovinci. Schliesslich musste der FCA-Schlussmann zu weiteren Untersuchungen ins Spital gebracht werden.

Der starke FC Rüthi verpasst den Finaleinzug

Langsam wurde es am Himmel grauer und dunkler. Auf das erste Halbfinal zwischen Rüthi und Au-Berneck mussten dann auch die ersten Regenschirme aufgespannt werden. Das Spiel war spannend. Es waren zwei Equipen am Werk, die ihre Visitenkarte schon länger nicht mehr so erfolgreich abgegeben haben wie 2026. «Gegenüber den Vorjahren hatten wir diesmal mehr Stammspieler zur Verfügung, was sicher zur guten Platzierung beiträgt», sagte der Rüthner Sportchef Joël Baumgartner.

Es ist eine alte Fussballerweisheit: Steht man im Halbfinal, will man auch in den Final. Au-Berneck ging durch ein Tor von Mario Zivic, zu dem Garret Eppler und Orhan Ademi tolle Vorarbeit leisteten, in Führung. Rüthi versuchte zu reagieren und hielt das Spiel offen. Zivic hatte mit einem schnellen Angriff die Chance auf das 2:0, scheiterte aber am Pfosten. Dann erhielt Jarò Boehrer die gelbe Karte, was nach Turnierregeln zehn Minuten Unterzahl bedeutet. Rüthi kam auf und war nun spielbestimmend. «Jungs, das ist zu wenig», rief Au-Bernecks Assistenztrainer Didi Metzler.

Nach einem Foul an Jarno Loher gab es gut eine Minute vor Schluss einen Freistoss für die Blau-Weissen, der zum 1:1 führte. Gäbe es die Kategorie «Schönstes Turniertor», wäre Captain Sven Städlers Abschluss ein heisser Kandidat auf den ersten Platz. «Perfekter kann man einen Freistoss nicht schiessen», hörte man jemanden aus dem Publikum sagen.

Penaltyschiessen bei misslichen Bedingungen

Nach diesem Highlight ging es ins Penaltyschiessen. In der Geschichte des Fussballs dürfte es weltweit nicht sehr viele Elfmeterentscheidungen geben, die bei misslicheren Bedingungen stattgefunden haben als am Samstag auf der Birkenau. Zu sagen, der Himmel öffnete seine Schleusen, wäre untertrieben: Es war eine regelrechte Sintflut, die niederging. Der Niederschlag war so stark, dass man aus 50 Metern Entfernung das Clubhaus auf der anderen Seite des Spielfeldes nicht mehr wahrnehmen konnte. Au-Berneck hatte mehr Glück vom Penaltypunkt und zog in den Final ein. «Endlich haben wir es geschafft», sagte Au-Bernecks laufstarker Offensivakteur Tahir Redzepi.

Nach einer wetterbedingten Pause ging das Turnier weiter, die Entscheidung nahte. Zuerst ging es um Rang drei. Titelverteidiger Rebstein verlor im Halbfinal gegen RoGo 0:3 und stand im kleinen Final Rüthi gegenüber. Das Heimteam sicherte sich «Bronze» mit einem 1:0. Das Tor erzielte Philip Baumgartner mit einem unhaltbaren Schuss aus knapp 20 Metern.

Au-Berneck im Final nur am Anfang mit Problemen

Die Finalteams liefen mit Ballkindern und einer Vertretung von PluSport Rheintal auf den Platz. Man hätte ihnen besseres Wetter gegönnt, denn gerade als sich die Kids und die Teams formierten, setzte wieder Regen ein. Für Au-Berneck fing es nicht gut an: In der dritten Minute zeigte Schiedsrichter Enzo Oliva auf den Penaltypunkt. Rangin Rigal verwandelte zur Führung für die Seebuben. Dann wurde Au-Berneck stärker und kam durch Garret Eppler zum verdienten Ausgleich. RoGo fand zusehends die Mittel nicht mehr, um den Auern beizukommen.

Die Körpersprache stimmte: «Meine Mannschaft wollte den Sieg unbedingt», sagte Au-Bernecks Trainer Ralph Heeb, der sich in zwei Jahren zum «Mister Pokalturnier» gemausert hat. Letztes Jahr feierte er den Sieg mit Rebstein, diesmal mit dem FCAB. Auf die beiden Treffer von Ademi konnte Rorschach-Goldach nämlich nicht mehr reagieren. Zivic stellte mit dem 4:1 den definitiven Sieg der Tägeren-Elf sicher.

Die Torschützenkrone, ein gefüllter Bierstiefel, ging ebenfalls an die Gelb-Blauen: Ademi und Eppler sicherten sich mit je vier Toren den Titel. Auch Rebsteins Alessandro Gottscher traf viermal, er fehlte aber am Samstag. «Best Talent» wurde wieder ein Montlinger: Wie im Vorjahr gewann Curdin Zoller die Wahl.

63. Rebsteiner Pokalturnier
Spiel um Platz 9:
Widnau – Buchs 4:2 (Cabezas, F. Metzler, Rechsteiner, Can; Lippuner, Pavlov).
Klassierungsspiele Plätze 5 bis 8: Montlingen – Diepoldsau-Schmitter 1:2 (Ibrahimi; Frischknecht, Muslioski), Altstätten – Appenzell 0:1 (Keller).
Spiel um Platz 7: Altstätten – Montlingen 2:5 (Good, Zünd; Ibrahimi, Stojkaj 2, Baumgartner, Sarac).
Spiel um Platz 5: Diepoldsau-Schmitter – Appenzell 1:3 (Keller; Müller 2, Inauen).
Halbfinal: Rüthi – Au-Berneck 1:1 (Städler; Zivic) – Pen.: 2:4, Rorschach-Goldach – Rebstein 3:0 (Rigal, Cardon, Holderegger).
Spiel um Platz 3: Rüthi – Rebstein 0:1 (Baumgartner).
Final: Au-Berneck – Rorschach-Goldach 4:1 (Ademi 2, Eppler, Zivic; Rigal).

Schlussrangliste: 1. Au-Berneck, 2. Rorschach-Goldach, 3. Rebstein, 4. Rüthi, 5. Appenzell, 6. Diepoldsau-Schmitter, 7. Montlingen, 8. Altstätten, 9. Widnau, 10. Buchs.
Torschützenkönige: Garret Eppler, Orhan Ademi (beide Au-Berneck) und Alessandro Gottscher (Rebstein) je 4 Tore.
Best Talent: Curdin Zoller (Montlingen).