Widnau vor 1 Stunde

Bühne frei für einen ausgeprägten Selbstwert

Schülerinnen der Oberstufe Gässeli führen mit «Operation Schönheit» ein gesellschaftskritisches Theater auf. Sie wurden durch das Dorftheater Widnau angeleitet.

Von pd
aktualisiert vor 1 Stunde

Vor drei Jahren startete an der Oberstufe Gässeli ein in der Region einmaliges Projekt: Der Schulleiter Joso Cacic fragte das Dorftheater an, ob es das Wahlfach Theater übernehmen würde. Gianni Ceraolo und Susi Miara wagten den Versuch.

Bereits am Ende des ersten Schuljahres präsentierten acht Schülerinnen und drei Schüler das rund halbstündige Theaterstück «Kleider machen Leute» vor der gesamten Schülerschaft sowie den Lehrpersonen der Oberstufe. Die Aufführung überzeugte derart, dass das Dorftheater-Team für ein weiteres Jahr verpflichtet wurde. Im zweiten Jahr standen «Die mutigen Neun» auf der Bühne und sammelten erste Erfahrungen im Theater. Auch das fand Anklang.

Thema Schönheit stand im Mittelpunkt

Diese Woche ging bereits die dritte Produktion über die Bühne. Zehn Schülerinnen führten das Stück «Operation Schönheit» auf. Die rund 30-minütige Inszenierung setzte sich auf humorvolle und zugleich kritisch-sarkastische Weise mit dem Thema Schönheitswahn auseinander. Im Mittelpunkt standen mehrere Patientinnen, die sich in einer Klinik auf unterschiedliche Schönheitsoperationen vorbereiteten.

Im Wartezimmer der Schönheitsklinik: von links: Nayla Leone, Annina Baumann, Julia Widler, Lena Hollenstein, Nina Di Taranto, Melina Weibel, Ladina Köppel und Dominique Fehr.
Im Wartezimmer der Schönheitsklinik: von links: Nayla Leone, Annina Baumann, Julia Widler, Lena Hollenstein, Nina Di Taranto, Melina Weibel, Ladina Köppel und Dominique Fehr.
Bild: pd

Während Anna sich ihre Nase vergrössern lassen wollte, plante Claudia, ihren Silberblick korrigieren zu lassen. Kristin hoffte, überschüssiges Fett loszuwerden, Jennifer wollte ihre Hände für eine Modelkarriere verschönern lassen, und Magdalena plante sogar ein komplett neues, zeitgemässes Körperdesign. Im Wartezimmer der Klinik trafen die Frauen aufeinander. Die ungewöhnlichen Vorbereitungen auf die Eingriffe riefen jedoch zunehmend Verwirrung hervor, besonders als eine Patientin mit missglückter Operation aus der Klinik floh.

Eine klare Botschaft vermittelt

Die Botschaft des Stücks fassten die Moderatorinnen treffend zusammen. Sie zeigten auf, wie schnell Menschen glauben, nicht gut genug zu sein, und wie absurd es werden kann, wenn ständig am eigenen Aussehen «herumgebastelt» wird. Perfektion sei zwar ein verbreitetes Ideal, wirklich interessant seien jedoch die Menschen mit ihren Eigenheiten und Besonderheiten, sagte eine Schülerin. Oder, wie es eine andere Schülerin formulierte: «Echten Charakter kann man nicht operieren, und Selbstwert hat keinen Sondertarif.»

Die Moderatoren fassten die Botschaft des Stücks zusammen.
Die Moderatoren fassten die Botschaft des Stücks zusammen.
Bild: pd

Insgesamt fanden tagsüber fünf Vorstellungen für 15 Schulklassen und deren Lehrpersonen statt. Am Abend folgte eine weitere Aufführung für Eltern, Freunde und weitere Interessierte. Gianni Ceraolo und Susi Miara, die die Schülerinnen während eines halben Jahres begleitet hatten, waren nach den Aufführungen erfreut. Die zehn jungen Darstellerinnen hatten sich hervorragend in ihre Rollen eingefühlt und das Stück mit viel Engagement, Spielfreude und Überzeugungskraft auf die Bühne gebracht.

Das erfolgreiche Projekt zwischen Oberstufe und Dorftheater zeigt, dass kulturelle Bildung wertvoll sein kann. Neben schauspielerischen Fähigkeiten stärken solche Erfahrungen das Selbstvertrauen, die Kreativität und den Teamgeist der Jugendlichen.