Christlich vor 1 Stunde

Das Kreuz im Alltag wird zum Zeichen von Hoffnung und Liebe

Manche Lasten lassen sich nicht ablegen. Sie gehören zum Leben, fordern Geduld, Vertrauen und einen starken Rücken. Der Blick auf das Kreuz zeigt: Auch schwere Wege können zu Orten der Hoffnung, der Liebe und der Nähe zu Christus werden.

Von Stefan Kiesewetter
aktualisiert vor 1 Stunde

Es ist so ein Kreuz mit dem Kreuz! Denken wir an das Kreuz, so fallen uns zunächst negative Dinge ein: Leid, Schmerz und schwere Zeiten. Die Alltagssprache hat diese Assoziation übernommen. Stand das Kreuz für ein römisches Folterinstrument, so hat der christliche Glaube dieses Symbol weiterentwickelt: Es wurde zu einem Zeichen der Hoffnung, Liebe und neuen Lebens. Doch was bedeutet es heute, im Alltag «sein Kreuz auf sich zu nehmen»?

Und warum schrecken wir so oft vor dem Kreuz zurück? Jesus sagte zu seinen Jüngern (vgl. Mt 10,38)

Und wer nicht sein Kreuz
auf sich nimmt und mir nachfolgt,
ist meiner nicht wert.

Diese Worte sind herausfordernd. Sie bedeuten nicht, dass Christen das Leid bewusst aufsuchen sollen. Sie bedeuten vielmehr, dass ein Leben in der Nachfolge Jesu Mut, Ausdauer und die Bereitschaft verlangt, auch schwierige Wege zu gehen.

Das Kreuz begegnet uns auf unterschiedliche Weise im Alltag: Es kann die Sorge um einen Angehörigen sein, die Geduld mit einem schwierigen Mitmenschen oder die Treue zu den eigenen Überzeugungen oder zum Glauben, auch wenn man dafür belächelt wird. Manchmal ist es die Last einer Enttäuschung, einer Krankheit oder einer ungeklärten Lebenssituation. Das Kreuz zeigt sich dort, wo Liebe Opfer kostet und Verantwortung getragen sowie mitgetragen wird.

Oft schrecken wir deshalb vor dem Kreuz zurück oder wollen es gar nicht mehr sehen. Man stiess sich damals, gleich wie heute, am Kreuz – frei nach der Devise: Aus den Augen, aus dem Sinn.

Vielleicht sind deshalb die Kreuze aus unserem Alltag verschwunden: nicht nur, weil sie ein religiöses 
Symbol sind, sondern auch, weil Kreuze uns daran erinnern, dass nicht alles im Leben planbar oder kontrollierbar ist. Auch Jesus musste dies am eigenen Leib erfahren.

Das Kreuz kann bis zur völligen Erschöpfung führen, und gleichzeitig ist es das Zeichen der Solidarität schlechthin.

Es ist das Zeichen der Liebe Gottes. Denn gerade am Kreuz zeigt sich, dass Gott den Menschen nicht in seiner Not allein lässt. Jesus kennt Schmerz, Ablehnung und Verlassenheit. Wer auf das Kreuz blickt, weiss sich mit Christus verbunden.

Diese Hoffnung tragen die Christen seit Jahrhunderten. Sie gibt Kraft, die kleinen und grossen Kreuze des Alltags nicht als Zeichen der Sinnlosigkeit zu sehen, sondern als Weg, Christus zu begegnen.

Von der heiligen Thérèse vom Kinde Jesu (oder auch Thérèse von Lisieux genannt) stammt das wunderbare Zitat: «Herr, gib mir nicht weniger Aufgaben, sondern einen starken Rücken, um alle meine Aufgaben, meine Kreuze, tragen zu können».