Christlich vor 3 Stunden

Der Traum von einem Religionsraum in der Schule

Religiöse Symbole in Schulzimmern lösen im Kanton St.Gallen Diskussionen aus. Der Autor setzt dem Streit um Kopftuch und Kreuz die Vision eines Religionsraums entgegen, in dem Kinder Glauben, Vielfalt und Frieden kennenlernen.

Von Philipp Hautle
aktualisiert vor 1 Stunde

Ich lese Schulmeldungen: Letztes Jahr hat der Eschenbacher Schulrat nach Protesten von Eltern auf die Wahl einer muslimischen Lehrerin verzichtet. Sie hatte bei der Bewerbung ehrlich erklärt, sie werde in der Schule ein Kopftuch tragen.

Am 10. Juni 2026 hat der St. Galler Kantonsrat mit 70 zu 46 Stimmen eine Motion angenommen: «Religiöse Symbole für Lehrpersonen im Schulzimmer verboten!» Damit wird die Regierung beauftragt, in den kommenden drei Jahren eine Gesetzesanpassung für alle öffentlichen Schulen auszuarbeiten. Und am 11. Juni haben Schulrat und Schulleitungen beschlossen: «In der Schule Gommiswald werden die Kreuze aus den Schulzimmern entfernt.» Diese Massnahme wird mit der strikten Einhaltung der religiösen Neutralität begründet.

Und das – denke ich – kurz vor Abschluss der Vernehmlassung zur Totalrevision des neuen Volksschulgesetzes; diese sieht unter 8.11 vor, wie bisher «die Schule nach Christlichen Grundsätzen im Sinne der abendländischen Tradition» zu führen.

Was sind für Sie, liebe Leserinnen und Leser, «Christliche Grundsätze»?

Seit Jahrhunderten gehörte die religiöse Bildung zur Allgemeinbildung. Ich meine, auch heute, in unserer Multi-Kulti-Welt, gehören die Religionen dazu. Angesichts der Weltlage und der seelischen Verfassung der Kinder und Jugendlichen, mehr denn je! Die Frage bleibt:

Wie lässt sich diese religiöse Bildung mit den tradierten «Christlichen Grundsätzen» vereinen?

Mir fällt spontan ein: «Alle Menschen sind von Gott geliebt!» Das lebte und verkündete Jesus von Nazareth. Und das ganz unabhängig davon, ob die Menschen ihn, Jesus kennen oder nicht. Ein zweiter Grundsatz: «Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit!» Das lässt sich mit unserer religiösen Vielfalt und der individuellen Freiheit wohl verbinden.

Ich träume davon, dass im neuen Volksschulgesetz verankert wird: In jedem Schulhaus wird ein Raum der Religionen, ein Raum des Friedens, geschaffen. Ein Ort, wo Kinder und Jugendliche die heutigen Religionen kennenlernen, ein Ort, den sie mitgestalten, ein Ort, wo sie nach Gott suchen, ihn finden, bitten und loben.

Ein Ort, wo sie ihren
Glauben stärken können. 

In diesem Religionszimmer sind auch in Absprache mit der Schulleitung religiöse Anlässe erlaubt. Zudem sind im ganzen Schulhaus religiöse Symbole erlaubt.

Im Fach «Religionen» werden diese Religionen behandelt, ihre Geschichte, ihre tragenden Leistungen, auch ihre Schlagseiten und Gefahren, ihre Feste und Rituale.