Ehrlich gesagt, ich bin ziemlich irritiert. Was nicht heisst, dass ich in einer Identitätskrise stecke. Überhaupt nicht. Es ist das knappe Ergebnis der eidgenössischen Volksabstimmung von Mitte Juni und die damit verbundene Sündenbock-Thematik, die in mir ein ungutes Gefühl auslösen.
Du bist damit
ja nicht gemeint!
Wie oft habe auch ich schon diesen Satz zu hören bekommen. Aber klar doch: auch ich bin gemeint. (Shqipton Rexhaj hat es in der Kolumne «Immer samstags» vom 13. Juni. treffend zum Ausdruck gebracht.)
Denn die Wertvorstellungen, die im Initiativtext propagiert wurden und leider immer wieder lautstark geäussert werden, lenken die Blicke in eine völlig falsche Richtung. Hätten sie in der Schweiz in früheren Zeiten Anwendung gefunden, dann gäbe es mich nicht.
Da nützt mir mein Stammbaum, der bis in Zwinglis Zeiten zurück ins Toggenburg führt, auch nichts. Aber es ist nicht diese Tatsache, die mich aufwühlt, sondern wie leicht(fertig) über das Schicksal von Menschen entschieden wird. Genauso irritierend ist es, dass wir in der Politik immer noch keine Mehrheit dafür finden, der Welt Sorge zu tragen.
Scheinheilig werden Lösungen angepriesen und viele schauen nur auf ihren Profit.
Wo sind sie geblieben, die Politikerinnen und Politiker, die dafür einstehen, was «Politik» eigentlich heisst, nämlich sich für die Schwachen, die Kleinen, die Minderheiten, die Benachteiligten in der Gesellschaft einzusetzen. Also das tun, was Jesus uns vorgelebt und aufgetragen hat. Das gehört übrigens zu den Werten, die unser Land so lebenswert, so beachtenswert gemacht haben.
Meine Hoffnung für die Zukunft sehe ich in den Jugendlichen aufkeimen. In ihren Beiträgen zu ihrer Konfirmation in Rebstein haben sie es so formuliert:
«Menschen werden im Alltag beleidigt, gemobbt, benachteiligt und auch ausgegrenzt. Sie werden auf der Strasse gemieden, im Laden beobachtet, bei Bewerbungen benachteiligt, und das alles nur wegen körperlichen Merkmalen, für die sie nichts können. Alle Menschen sind so verschieden und doch so gleich. Wir alle haben eine Mutter, einen Vater. Wir haben ein Gehirn, eine Lunge, aber vor allem haben wir ein Herz. Und dieses sollten wir brauchen. Liebe ist Liebe. Hass ist Hass. Wir alle sind Menschen. Du, du und ich.»
Ja! Jeder Mensch ist wertvoll. Mit dieser Haltung können wir den Weg zu einer inklusiven, gastfreundschaftlichen Gesellschaft ebnen und echte Gemeinschaft leben. So schaffen wir es, die Probleme unserer Zeit wirklich anzugehen, damit die Welt ein besserer Ort für alle wird und sich jede und jeder willkommen fühlt.
Eine inklusive Gesellschaft beginnt mit Respekt für jeden