Und das, obwohl sich das Netz mit Superlativen bezüglich des ersten Titels seit 2000, den weit über 20'000 Fans in Bern im Stadion sowie rund 80'000 FCSG-Anhänger in der Stadt St. Gallen kaum zurückhalten konnte.
Auch Trainer Enrico Maassen war nach dem Spiel eher analytisch und ruhig, statt sich – was völlig verständlich gewesen wäre – ausgelassen zu freuen. Auf die Frage, wie man sich als einer der vier Trainer fühlt, die für den FC St. Gallen einen Titel gewinnen konnten, schob der Mecklenburger das Lob weiter. «Darum geht es mir nicht. Es geht mir vor allem um die Mannschaft, unser Trainerteam und die vielen Verantwortlichen im Verein – sowie die vielen, vielen Menschen, für die der FC St. Gallen so viel bedeutet. Mit all den Emotionen, die wir in der ganzen Woche vor dem Cupfinal mitbekommen haben. Für sie freue ich mich extrem», so Maassen, der auch noch die, inklusive der Nachspielzeiten, 104 Minuten sachlich analysierte.
«Das Spiel war ein Spiegelbild der Saison. Die ersten 30 Minuten waren wir sehr stark, hätten höher führen müssen. Nach dem Platzverweis wurde es schwierig, doch die Mannschaft hat sich zusammengerauft und die Strategie erfolgreich umgesetzt. Die Jungs wollten auch in Unterzahl unbedingt den Sieg. Und es war sicher gut, dass wir zum Zeitpunkt der roten Karte schon 1:0 vorne lagen. Nach der Pause hatten wir zehn Minuten Probleme, die richtige Höhe zu finden, wie wir anlaufen. Doch dann waren wir sehr stabil, haben mit einem Mann weniger fast nichts zugelassen. Jetzt gehen wir feiern.»
Beim Feiern ganz vorne dabei, im Stadion in Bern und dann zurück in St. Gallen, war natürlich Captain Lukas Görtler. In den sozialen Medien sah man den Oberfranken, wie er in der Kabine einen «Diver» machte und nach der Rückkehr nach St. Gallen vor den Fans den Moderator gab.
Görtler wollte es «diesmal besser machen»
Für Görtler fiel mit dem Cupsieg eine Last ab. «Die ersten beiden Finals habe ich nicht gut gespielt. Deswegen habe ich mich für die ganze Region verantwortlich gefühlt, wollte es diesmal einfach besser machen. Und ich bin mega-mega glücklich und es ist eine unglaubliche Erlösung, nicht nur für mich, sondern für so viele Leute, die im Verein arbeiten oder ihm nahestehen. Und dann freut es mich für Watti (Lukas Watkowiak, d. Red.), der uns durch seine Paraden in den Final gebracht hat. In der Halbzeit sass ich in der Kabine und habe nur gedacht: Oh mein Gott, wir müssen gewinnen, wie soll sich Watti sonst fühlen?»
Für den von den Fans zum «Fussballgott» erklärten Captain war es ein langer Tag. «Ich war noch nie beim freiwilligen Frühstück, vor dem Final war ich der Erste. Die ganze Woche habe ich schlecht geschlafen. Doch nun ist der ganze Druck weg. Das Gefühl war unglaublich, den Cup in die Höhe zu halten. Von diesem Moment habe ich geträumt. Aber das Ding ist ziemlich schwer und ich musste kurz überlegen, wie ich es hochhalte», sagte Görtler. Und ging dann auch in der dritten, vierten und fünften Halbzeit richtig steil.
Wechselbad der Gefühle für den Cup-Goalie
Der glücklichste Mensch war wahrscheinlich Lukas Watkowiak. Der Cup-Goalie, der den FCSG durch seine Paraden in den Penaltyschiessen in Wil und Rapperswil-Jona in den Final hexte, sah nach einer Notbremse kurz vor der Pause glatt Rot und war danach ein Nervenbündel. «Ich bin sehr, sehr erleichtert. Nach der roten Karte ist beim Schlusspfiff so ein Druck von mir abgefallen. Leider habe ich der Mannschaft mit dem Platzverweis geschadet», erklärte «Watti». Nach dem Schlusspfiff, er musste das Spiel in der Kabine schauen, raste der Hesse wie von der Tarantel gestochen über den Platz zu den Mitspielern und zuerst zu Stammkeeper Lawrence Ati Zigi, der den Cupsieg auch für Watkowiak festhielt.
«Die Jungs haben mich in der Pause aufgebaut, sie wollten das Spiel auch für mich gewinnen. Ich war in der zweiten Halbzeit unglaublich nervös. Beim Elfmeter zum 2:0 kam ich kurz an den Spielertunnel heraus. Ich bin so froh für die Jungs, dass es mit dem Sieg geklappt hat.» Zusammen mit Captain Görtler war er dann auch der Partyorganisator für die Truppe und freute sich schon vor der Rückfahrt: «Jetzt können wir ausgiebig feiern!»
Christian Witzig trifft mit dem ersten Ballkontakt
Für Christian Witzig ist der Cupsieg das i-Tüpfelchen auf eine Saison, die für ihn auch Schatten hatte. Ihn plagten zwei langwierige Verletzungen (Schulter und Sprunggelenk). Auch im Final kam der Thurgauer erst in der Nachspielzeit auf den Platz – erzielte aber nach gefühlten fünf Sekunden mit dem ersten Ballkontakt das 3:0. «Das ist genau, was ich mal geträumt habe. Ich habe noch nie so ein frühes Tor geschossen. Es ist das absolut Geilste, im Cupfinal ein Goal zu machen. Es ist das Grösste, was es im Fussball gibt. Wir sind jetzt ein bisschen am Runterkommen, nachdem wir in den Block zu den Fans gegangen sind und dann den Pokal in die Höhe gereckt haben», sagte er in der Mixed Zone. Sein Blick war schon nach vorne gerichtet, auf die Feier, die der Siegertruppe auf der Heimfahrt und in St. Gallen bevorstand. «Jetzt bereiten wir uns darauf vor, was kommt», sagte er grinsend. «Wir schauen mal, wie lange es geht. Zehn bis 20 Bier gehen sicher. Bis Dienstagabend habe ich Zeit zum Feiern, danach muss ich in die Ferien.»
Die Feier in St. Gallen dauerte lange. Nach der Ankunft am Marktplatz und dem Bad in der riesigen Menschenmenge gingen die Cupsieger geschlossen mit den Familien ins «Alpenchique», wo bis in die Morgenstunden ausgelassen gefeiert wurde.
Patrick Sutters erstes Spiel gegen den FC St. Gallen
Bei Patrick Sutter war die Stimmung dagegen nicht so toll – obwohl sein Herzensverein den Cup gewann. Der Rheinecker spielte die letzten zwei Jahre bei Lausanne-Ouchy, wurde nach rund 70 Minuten eingewechselt. «Es war mein erstes Spiel gegen St. Gallen und das im Cupfinal. Ich kenne die meisten Spieler noch und mit Christian Witzig habe ich immer noch Kontakt. Am Ende macht er das 3:0 auch nicht so schlecht. Es war schon etwas Besonderes, sehr Spezielles, gegen St. Gallen zu spielen», machte Sutter aus seinen Emotionen keinen Hehl.
«Trotz des Spielstandes hatte ich viel Freude, dass ich eingewechselt wurde. Eigentlich hätte ich schon vor dem Penalty zum 0:2 ins Spiel kommen sollen. Danach war es sehr schwierig für uns.» Ob es für Sutter am Genfersee weitergeht, ist nicht klar, sein Vertrag läuft Ende Juni aus. «Ich muss schauen, was sich in den nächsten Wochen ergibt», sagte er, und verabschiedete sich in die Ferien.
«Feier frei» für die Cuphelden: Das sagten sie nach dem Spiel