Monika und Mario Ammann sind ambitionierte Senioren-Sportler. Sie machen keinen Hehl daraus, dass sie nicht nur Freude haben wollen bei ihren sportlichen Aktivitäten, sondern dass sie immer die bestmögliche Leistung anstreben. Jahreshöhepunkte sind jeweils die Schweizer Meisterschaften – und seit Längerem die Weltmeisterschaften für Senioren.
Die beiden zählen im Sprint-OL auch auf internationaler Ebene zu jenen Läuferinnen und Läufern, die es in dieser Disziplin zu beachten gilt. Zurzeit befinden sich die Heerbrüggler seit bald einer Woche in der Südostecke von Polen, um auch in diesem Jahr im Sprint-OL vorne mitzulaufen. Das ist ihnen am Sonntag auf eindrückliche Art und Weise gelungen.
Im Training laufen beide auf den zweiten Rang
Die Qualifikation vom Samstag meisterten Monika und Mario Ammann problemlos. Mit Rang zwei in ihren jeweiligen Vorläufen machten sie deutlich, dass im entscheidenden Finallauf mit ihnen zu rechnen ist. Monika zeigte eine solide Leistung und musste gegen Ende nicht mehr forcieren; sie konnte entspannt über die Ziellinie laufen. Mario agierte nach dem Start zu hektisch, verlor bei den ersten beiden Posten eine Minute und musste den nächsten Läufer aufschliessen lassen. Ein weiterer Patzer kostete noch einmal Zeit.
«Bei solchen Gelegenheiten erkennt man sofort, welche Konsequenzen dumme Fehler haben», sagt Mario Ammann. Dies habe seinem Konkurrenten die Möglichkeit gegeben, aufzuschliessen und ihn sogar zu überholen. «Bis ins Ziel konnte ich ihn dank meiner Schnelligkeit noch um 30 Sekunden distanzieren», so Ammann weiter. Bei einem Startintervall von einer Minute gewann der andere den Vorlauf mit 30 Sekunden Vorsprung.
«Die Silbermedaille ist fantastisch»
Doch abgerechnet wird beim Finallauf, der am Sonntag im Zentrum von Rzeszow stattfand. Die Läuferinnen und Läufer starten im Final jeweils in umgekehrter Reihenfolge der Ergebnisse vom Vortag. Mario und Monika Ammann waren unter den Letzten, die in ihre Kategorien starteten; per Zufall lagen die Startzeiten der beiden nur fünf Minuten auseinander. Monikas Erfolgschancen waren grösser als jene von Mario. Ihm war bewusst, dass er mit einer Leistung wie am Vortag leer ausgehen würde. Den Startteil vom Sonntag empfand er dann als einfacher – also keine «unnötige» Zurückhaltung.
«Abgesehen von zwei Situationen hatte ich alles im Griff und fühlte mich auch physisch stark», sagt Mario Ammann. Man müsse immer vorwärts schauen und nicht verpassten Sekunden nachhängen. Sonst steige das Risiko, dass ein weiteres Malheur passiert. Dass jede Sekunde zählt, zeigte sich bei der Zielankunft. Ammann übernahm die Führung nur vier Sekunden vor dem direkt vor ihm gestarteten Briten. Noch fehlten fünf Konkurrenten. Und erst der als Letzter gestartete Konkurrent der Kategorie M70 konnte Ammanns Zeit um 18 Sekunden unterbieten. «Die Silbermedaille ist fantastisch. Ich freue mich sehr», so der Rheintaler. Zu seinen zwei goldenen, zwei silbernen und einer bronzenen Medaille kommt eine weitere silberne dazu.
Sieg Nummer sieben, Titel Nummer sechs
In der Wartezeit fiel auch die Entscheidung in der Kategorie W65. Monika Ammann hat ihre physische Stärke schon so oft gezeigt, dass sie – einen kühlen Kopf vorausgesetzt – Sieg und Titel holen konnte. Sie war als Drittletzte gestartet und unterbot die Bestzeit um 21 Sekunden. «Ich spürte aus der Distanz, dass ihr ein guter Lauf gelungen war», sagt Ehemann Mario, der hinter der Ziellinie wartete. In der Tat konnten die beiden verbleibenden Konkurrentinnen die Leaderin nicht mehr von der Spitze verdrängen. Monika Ammann liess sich als neue Weltmeisterin feiern. «Titelverteidigung gelungen!», sagte sie strahlend im Ziel, als das Ergebnis feststand.
Ihre Bilanz darf sich sehen lassen: Monika Ammann wurde 2012, 2013, 2021, 2024, 2025 und 2026 Weltmeisterin, 2023 holte sie Silber, 2015 und 2016 Bronze. Bei 14 Teilnahmen an einer Senioren-WM seit 2010 erreichte sie zehn Podestplätze. Auch 2019 hatte sie gewonnen, dieser Lauf wurde wegen eines Veranstalterfehlers aber nicht als WM gewertet.
Die Weltmeisterschaft in Polen wird nun am Dienstag mit den Wettkämpfen im Wald fortgesetzt. Den Anfang macht die Qualifikation für den Mitteldistanz-Final vom Mittwoch. Den Abschluss bildet am Freitag der Final über die Langdistanz.
Gold und Silber im Sprint-OL: Der WM-Traum wird wahr