Christlich vor 13 Stunden

Übergänge gelingen leichter mit Menschen, die Brücken bauen

Übergänge gehören zum Leben – oft herausfordernd, manchmal schmerzhaft, aber auch voller Möglichkeiten. Die Autorin verbindet alltägliche Veränderungen mit dem Bild der Brücke und erinnert daran, wie wichtig Begleitung, Vertrauen und menschliche Nähe in bewegten Zeiten sind.

Von Anne Heither, Spitalseelsorgerin
aktualisiert vor 13 Stunden

Als ich in diesen Tagen am Bahnhof warte, muss ich schmunzeln: Ein junger Mann trägt kurze Hosen und T-Shirt, gerade daneben läuft ein anderer mit Mütze und warmer Winterjacke. Manche Jacken, die ich sehe, sind geöffnet andere hochgeschlossen. Dort eine Frau barfuss in Sandalen, ein Stück weiter eine in Winterschuhen. Die Kleidung verrät: Wir sind wettertechnisch in einer Übergangszeit.

Übergänge gibt es in vielen Bereichen unseres Lebens, nicht nur beim Wetter: von der Schulzeit in die Ausbildung, von dort ins Berufsleben. Ortswechsel, neue Freundschaften und Beziehungen, Abschiede und Trennungen.

Manche Übergänge sind individuell, wie private Veränderungen, berufliche Wechsel oder die Pensionierung, andere betreffen politische Umbrüche und Unruhen ganzer Gesellschaften.

Mir gefällt das Bild der Brücke für die Übergänge in unserem Leben:

Brücken überwinden manchen tiefen Abgrund, schaffen Verbindungen, so wie der gestrige Brückentag den Auffahrtstag mit dem Wochenende verbindet.

Auch heute feiern wir im weitesten Sinne einen «Brückentag»: Johannes Nepomuk gilt als «Brückenheiliger», an den am heutigen 16. Mai vielerorts erinnert wird. In Prag, wo er im 14. Jahrhundert gelebt hat, steht eine bekannte Statue von ihm auf der Karlsbrücke, in Brügge, Bonn, an vielen Flüssen Europas gibt es ihn ebenfalls, und die Schweiz hat in Dornach eine bekannte Nepomukbrücke.

Johannes Nepomuk wacht an vielen Orten über diejenigen, die von der einen zur anderen Brückenseite gehen oder fahren.

So viel gilt von seinem Leben im 14. Jahrhundert als gesichert: Aus armen Verhältnissen stammend machte er als Jurist und Priester schnell Karriere bis zum Vertreter des Bischofs und geriet in Prag wohl in den Machtkampf zwischen König und kirchlichen Vertretern. Johannes Nepomuk ist dabei, so heisst es, allem Druck von aussen zum Trotz und mit grossem Vertrauen in Gott immer seinem Gewissen gefolgt und hat Unrecht vehement widersprochen – bis zum Tod.

Als Brückenheiliger kann er uns in unserem Alltag auf zwei Dinge hinweisen: Erstens sind wir in allen Übergängen des Lebens, so schwer sie sein mögen, nicht allein.

Gerade in intensiven Zeiten mit vielen Gefühlen dürfen wir mutig vorwärtsgehen. Und zweitens braucht es auch hier in unserer Gesellschaft und in unserem Umfeld menschliche «Brückenheilige». 

Wir können für andere Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu Brückenbauern in Übergängen werden, indem wir zuhören und begleiten, verbinden, stärken, unterstützen und da sind.