Ein Ausflug lehrt mich das Staunen, und ich erinnere mich an das Kinderlied: «Weisst du, wie viel Sternlein stehen?»
Vor wenigen Tagen war ich aufgrund einer Einladung im Tirol unterwegs. Ein Ausflug führte mich auf die Steinplatte in den Chiemgauer Alpen zwischen Österreich und Deutschland. Ein geologischer Park lehrt mit Hinweisschildern, dass die geologische Geschichte mehr als 200 Millionen Jahre zurückreicht.
Damals lag das Gebiet am Rand eines tropischen Ozeans. Korallenriffe, Muscheln, Algen und andere Meeresorganismen bildeten mächtige Kalkablagerungen. Aus diesen Sedimenten entstanden die heute sichtbaren Kalk- und Dolomitgesteine der Steinplatte. Im gleichen Zug werden – so habe ich es in der Suchmaschine gefunden – auch die Churfirsten aufgezählt, ein markantes Kalkgebiet in der Ostschweiz.
Auf der Steinplatte säumen erhaltene Riffkalke den Weg durch einen Dino-Museumspark, der an zahlreichen Fossilien, spektakulären Karstformen und Dinosaurierfährten vorbeiführt, all dies platziert in einer eindrucksvollen alpinen Landschaft.
Der Mensch ist klein und unbedeutend
Vor etwa 66 Millionen Jahren starben die Dinosaurier durch den Einschlag eines riesigen Asteroiden aus. Dieser löste Umweltkatastrophen wie Vulkanismus und Klimawandel aus. Als Primarschüler faszinierten mich die Dinosaurier, diese riesigen angsteinflössenden Wesen der Urzeit unseres Planeten. Wie klein und unbedeutend, wie jung in der Geschichte ist im Vergleich zur Geschichte der Erde die Spezies Mensch: ganz jung und (fast) unbedeutend. Wie der Dinosaurier sitzt auch der Mensch wie auf einem unsicheren Ast, der plötzlich brechen kann. Dann ist es aus für den Menschen, während die Erde sich weiterdreht.
Staunend und tröstend in einer Welt voller Fragen ist der Text des Kinderliedes «Weisst du, wie viel Sternlein stehen?». Der evangelische Pfarrer Wilhelm Hey dichtete es im vorletzten Jahrhundert. Drei Strophen sind im selben Muster aufgebaut. Zuerst wird die Frage nach Unzählbarem gestellt: Sterne, Wolken, Mücken, Kinder. Anschliessend folgt die Antwort: Gott kennt und zählt jedes Einzelne. Schliesslich folgen daraus Gottes Wissen und Fürsorge, die grenzenlos sind. Welch Gegensätze: die Erdgeschichte und die Geschichte des einzelnen Menschen. Wie oft vergisst Letzterer, wie klein und unbedeutend er eigentlich ist, und benimmt sich, als wäre er Nabel und Mitte von allem.
«Weisst du, wie viel Sternlein stehen?» – ein Ausflug lehrt das Staunen